Bürgermeister und SPD

Lärmpausen: „Keine echte Entlastung“

Offenbach - „Kein Grund zu Jubel, aber teilweise positive Effekte.“ Bürgermeister und Fluglärmdezernent Peter Schneider (Grüne) müht sich heute hörbar, aus den am Donnerstag veröffentlichten Ergebnissen zum Probebetrieb des Lärmpausenmodells eine echte Entlastung für Offenbach herauszulesen.

Eindeutiger positioniert sich die Offenbacher SPD. Sie sieht ihre Befürchtungen bestätigt, dass „von den hohen Versprechungen der Lärmpausen subjektiv bei den Menschen in Offenbach nichts ankommt“. „Dieses Ergebnis war zu erwarten“, sagt Schneider und verweist auf die besondere Lage der Stadt, die unter drei Anflugschneisen liegt. Das Lärmpausenmodell bedeute für Offenbach keine echte Lärmreduzierung, sondern nur eine Verteilung des Lärms. „Eine echte Entlastung für Offenbach bringt nur die Umsetzung unserer langjährigen Forderungen nach einem achtstündigen Nachtflugverbot, echten Lärmobergrenzen und veränderten Anflugrouten, damit auch über einwohnerschwächere Gebieten eingeflogen wird und nicht nur über die Großstadt.“ Man erkenne jedoch an, dass Entlastungseffekte morgens beziehungsweise abends für einen Teil der Bevölkerung messbar seien, so Schneider.

Unter der Einflugschneise der Nordwestbahn leben in Offenbach 45.000 Menschen, unter der Anflugroute von Süd- und Centerbahn sowie nördlich der Centerbahn leben zusammengerechnet rund 36.000 Offenbacher.

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Veränderte Anflugrouten bedeuteten deshalb, so Schneider weiter, immer nur für einen Teil der Offenbacher Bevölkerung eine Entlastung, während gleichzeitig ein anderer Teil Mehrbelastungen erfährt. „Auch Forderungen nach einer sofortigen Schließung der Nordwestbahn brächten für Offenbach übrigens wenig: Dann bekäme der Süden wieder erheblich mehr Lärm ab, in etwa so wie vor der Eröffnung der Nordwestbahn“, betont Schneider. Durch das derzeit angewandte Lärmpausenmodell erhalte der Süden zwar eine Stunde lang mehr Lärm am Abend, dafür würden aber mehr Menschen im Bereich der Nordwest-Einflugschneise in der gleichen Zeit entlastet.

Der Bürgermeister geht davon aus, dass die Bevölkerung bei dieser Betrachtung die Veränderungen mehrheitlich positiv bewertet. „Mir ist allerdings auch klar, dass die Auswirkungen im Alltag zum einen praktisch kaum wahrgenommen werden, zum anderen je nach Stadtteil die Meinungen unterschiedlich ausfallen werden.“

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Das sieht die SPD ähnlich: „Es kommt nicht darauf an, dass das Lärmpausenmodell im Alltag funktioniert und stabil ist, sondern dass es wirkt und diese Wirkung von den Menschen auch wahrgenommen wird“, findet die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Gertrud Marx. Bereits die Informationsveranstaltung der Stadt im Juli 2015 habe gezeigt, dass Lärmpausen ungeeignet seien, die Bevölkerung insbesondere im Offenbacher Süden dauerhaft und wirksam vor den gesundheitsschädlichen Folgen des Fluglärms zu schützen. Es könne nicht sein, dass die Bewohner von Tempelsee und Bieber für die Entlastung anderer herhalten müssten. Marx: „Deshalb haben wir Offenbacher Sozialdemokraten die Forderung nach einem wasserdichten Nachtflugverbot in der gesetzlichen Nacht von 22 bis 6 Uhr jetzt auch wieder in unser Kommunalwahlprogramm aufgenommen.“  

Die Bürgerinitiative Luftverkehr veranstaltet mit der Stadt am Mittwoch, 11. Mai, ab 19.30 Uhr einen Informationsabend zur Fluglärmbelastung, bei der das Lärmpausenmodell ebenso thematisiert wird wie die Pläne der Landesregierung zur Lärmobergrenze.

(mad)

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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