Erdbeertorte im Kanal

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Freie und festangestellte Mitarbeiter feiern den OK-Geburtstag – wie eine große Familie.

Offenbach - Einen Kuchen bekommen Menschen, die ein Jahr älter werden. Wenn ein Fernsehkanal 15 wird, darf’s auch mal eine Torte sein. Von Katharina Hempel

Auf Erdbeercreme-Untergrund, umgeben von Sahnehäubchen prangt der Name des Geburtstagskinds: ein „O“ und ein „K“, die zu einer Fernsehkamera verschmelzen. Seit 1997 gibt es den Offenen Kanal (OK) in Offenbach und Frankfurt. Das sind 15 Jahre medienpädagogische Arbeit und Fernsehen von Bürgern für Bürger.  

Peter Mattes ist noch nicht zum Büfett geschlendert, um sich ein Stück Torte zu sichern. Das will er gleich nachholen. Davor verrät er noch, warum er Gast dieser Feier ist. Peter Mattes arbeitet seit zweieinhalb Jahren beim Offenen Kanal. „Ich bin im Bereich Bürgerfernsehen tätig“, erzählt der studierte Medienwissenschaftler und Soziologe, „ich unterstütze Erwachsene, die Beiträge erstellen wollen, technisch, thematisch und im Schnitt“, beschreibt er seine Aufgaben.

Sendungen programmieren

Sendungen zu programmieren zählt auch dazu. Dafür erstellt er mit dem Computer eine Abfolge der Beiträge, die ausgestrahlt werden sollen. „Das läuft automatisch. Dann muss hier niemand sitzen und Knöpfchen drücken.“ Am Offenen Kanal mag er, dass dort viele Nationalitäten vertreten sind. „Und es ist abwechslungsreich, die Atmosphäre ist sehr familiär.“

Ugne Tur hat ihr Tortenstück schon zur Hälfte aufgegessen. Die 18-Jährige macht seit August ein Jahrespraktikum bei dem Sender. Sie besucht und filmt Veranstaltungen im Rhein-Main-Gebiet, und einmal im Monat flimmert ihre eigene Sendung über die Mattscheibe. Tierzeit heißt diese und Ugne stellt darin Zwei- und Vierbeiner aus dem Tierheim vor, die ein Zuhause suchen. Wie sie zum OK kam? „Ich habe durch Freunde davon erfahren. Davor wusste ich gar nicht, dass es so etwas gibt.“

Für alle Menschen und jedes Sendeformat offen

Ein Sender, der für alle Menschen und jedes Sendeformat offen ist – das überraschte auch Christian Raab: „Ich konnte mir gar nicht vorstellen, dass man irgendwo kostenlos Fernsehen machen könnte“, gibt der Hanauer zu. Vor ein paar Jahren kam er eher zufällig auf das Haus zwischen Berliner und Domstraße. „Früher habe ich hier viele Interviews gemacht, zum Beispiel von Natasha Bedingfield, Revolverheld oder den Wise Guys, und diese mit Konzertausschnitten gezeigt. Jetzt drehe ich nur noch Kurzfilme“, sagt der junge Mann, der Regisseur werden möchte. Von der Torte hat er noch nicht probiert. Werner Eichhorn schon. Auf seinem Teller: nur noch Krümel. Der 84-Jährige bezeichnet sich selbst als „Filmamateur“.

Der Filmliebhaber und Hobby-Regisseur nimmt mit seiner Kamera auf, was das OK-Seniorenteam spielt. „Wir sind etwa 30 Senioren, treffen uns jeden Mittwoch und machen Spielfilme. Der letzte war lustig und hieß ,Nur ein Brot’“, erzählt er. Seit 1986 ist er Mitglied im Offenbacher Filmklub. Werner Eichhorn hat mit der Doppelacht-Kamera angefangen, jetzt ist alles digital. „Die Technik ist besser und leichter geworden. Aber: Ideen muss man haben, sonst nutzt das alles nichts.“ Die Bilanz des Offenen Kanals gibt ihm recht: In 15 Jahren zählte der Sender fast 4 300 Nutzer, über 18.000 Sendungen wurden produziert und ausgestrahlt – ohne Ideen hätte das wohl nicht funktioniert.

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