Über 600 Besucher bei Bürgerversammlung

Aufnahme von Flüchtlingen: Wogen gleich geglättet

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Mehr als 600 Besucher informierten sich am Dienstagabend in der Stadthalle über die Details der Flüchtlingsaufnahme in Offenbach. In der anschließenden Fragestunde ging es um Ängste ebenso wie um die Bereitschaft, den Asylsuchenden zu helfen.

Offenbach - Nur kurz kochten am Dienstagabend bei der Bürgerversammlung zur Flüchtlingsaufnahme die Emotionen hoch. Mehr als 600 Besucher waren bei einer informativen Veranstaltung in der Stadthalle dabei, in der sich Offenbach mehrheitlich von seiner hilfsbereiten Seite zeigte. Von Matthias Dahmer 

Rückblickend lassen sich drei Kategorien bilden: Die, die ihre Ängste angesichts der angekündigten Fremden formulieren. Jene, die Willkommenskultur demonstrieren wollen. Und schließlich die, denen es – ganz praktisch – um die Frage geht, wann die Sporthallen wieder genutzt werden können. „Die Flüchtlinge werden geschützt, doch wer schützt unsere Kinder vor den Flüchtlingen?“ Die Frage, mehrfach von Besuchern in Varianten gestellt und mit diffusen Befürchtungen garniert, lässt immer kurzzeitig die Wogen hochschlagen. Zustimmender Applaus ist indes in der Minderheit, ablehnendes Geraune in der Mehrheit. Und dem professionell agierenden politischen Akteuren auf dem Podium gelingt es dank sachlicher Ausführungen, die Wellen zu glätten.

Regierungspräsidentin Brigitte Lindscheid (Grüne) versichert, dass Meldungen über steigende Kriminalitätsraten rund um Flüchtlingsunterkünfte jeglicher Grundlage entbehrten. In den Unterkünften spiele Kriminalität keine Rolle. „Das sind Menschen wie Sie und ich. Die mussten ihr Leben retten“, so Lindscheid. Den Flüchtlingen gehe es darum, die Sprache zu lernen und eine Ausbildung zu bekommen. Auch Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) betont, von Übergriffen auf Kinder sei bisher nichts bekannt. Reichlich Unterstützung für diese Argumentation gibt’s aus dem Publikum, das zeitweise an den Saalmikrofonen Schlange steht. Von unbegründeten Ängsten, die man nicht auch den Kinder vermitteln dürfe, war da die Rede; vom Abbau der Vorurteile; von der Forderung nach Toleranz und entspanntem Umgang mit dem Thema.

Unter Beifall berichtet eine kopftuchtragende Schülerin, dass sie viele Jugendliche kenne, die optimistisch an das Thema herangingen. Es sei schließlich eine ehrenvolle Aufgabe, anderen Menschen zu helfen. Die Bandbreite der Hilfsangebote aus den Reihen im Saal ist groß. Sie reichen von Kleiderspenden über Übersetzungsdienste bis hin zur Aufnahme von Flüchtlingen im eigenen Heim. Teilweise müssen Brigitte Lindscheid und Holger Grothe, Chef des DRK-Kreisverbands Offenbach, die Erwartungen dämpfen. Manche Hilfen seien angesichts der Strukturen noch nicht möglich.

Bilder: Einblicke in die Notunterkünfte für Flüchtlinge

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Keine eindeutige Antwort, aber immerhin einen hoffnungsvollen Ausblick gibt es auf die Frage, wann die drei belegten Sporthallen wieder nutzbar sind: Angepeilt ist der Umzug der Flüchtlinge in die Immobilie am Kaiserlei bis spätestens Ende nächster Woche. „Wenn es länger dauert, rufen Sie mich an, und wir machen ein wunderbares Sportprogramm für die Kinder“, ist Optimist und Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD) in seinem Element. Er trifft am Dienstagabend stets den richtigen Ton und erntet ebenfalls Applaus, als er ausfallenden Sportunterricht angesichts der „humanitären Katastrophe“ für verkraftbar hält. Den wohl treffendsten Beitrag zur Relativierung der Elternsorgen in Sachen Unterrichtsausfall liefert eine weitere Schülerin. Sie habe schon so oft erlebt, dass Sport wochenlang ausgefallen sei, weil der Lehrer gefehlt habe. Das sei doch Alltag an den Schulen, niemand rege sich so richtig darüber auf.

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