Verkaufsoffener Sonntag

Bummeln, kaufen, umtauschen

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Ein extravaganter Hingucker für die Kleinen waren die lebendig gewordenen „Monster High“-Puppen in der Galeria Kaufhof.

Offenbach - Sonntag, 15 Uhr, Offenbacher Innenstadt. Menschen flanieren von einem Geschäft ins nächste, stöbern hier und da, probieren an, kaufen ein. Vollbepackte Tüten zeugen von Einkaufserfolgen. Von Veronika Schade

Und mitunter wird das erstandene Schnäppchen mit einem Becher Glühwein auf dem Neujahrsmarkt gefeiert. Müde und genervt vom vorweihnachtlichen Geschenke-Marathon scheint niemand. Im Gegenteil, die Shoppinglaune könnte kaum größer sein. Der verkaufsoffene Sonntag vor dem Jahreswechsel, stets der umsatzstärkste der drei offenen Sonntage in Offenbach, bringt gestern Geschäftsführer zum Schwärmen – und die Belegschaft an ihre Kapazitätsgrenzen. „Heute sind 90 Mitarbeiter im Einsatz“, berichtet Stefan Becker vom Modehaus M. Schneider, „also alle, die nicht gerade krank oder im Urlaub sind.“ Einige seien gar eigens aus dem Urlaub zurückgekommen. Das hat einen guten Grund. „Vor einem Jahr war dieser verkaufsoffene Sonntag der umsatzstärkste Tag im ganzen Jahr“, berichtet Becker. Angesichts des gestrigen vollen Hauses ist er zuversichtlich, dass sich dieser Erfolg wiederholt. 20 Prozent Rabatt auf alles tun ihr übriges – und die gepflegten Gläschen Sekt und Orangensaft im dritten Stock sicher auch.

Welche Ware verkauft sich besonders gut? „Trotz der milden Temperaturen sind es die Jacken“, weiß Becker, „aber auch Hosen und Herrenanzüge“. Letzteres verkaufe sich gerade jetzt besonders gut, wie die Erfahrung zeige: „Die Paare haben Zeit, in Ruhe zusammen einzukaufen, und die Frau berät den Mann bei diesem Kleidungsstück besonders gern.“ Die Postleitzahlen-Abfrage bei M. Schneider ergibt: Besonders viele Kunden stammen gestern aus umliegenden Gemeinden wie Heusenstamm oder Mühlheim, aber auch aus Frankfurt. „Schauen Sie mal in unser Parkhaus“, sagt KOMM-Centermanager Frank Middendorf. „Da finden Sie Autos mit Kennzeichen aus Aschaffenburg, Hanau, Gießen. An einem solchen Tag kommen Leute, die man sonst nicht so sieht.“

Er berichtet, mittags hätten Kunden gar schon in Schlangen gewartet, dass das Center öffne. „Der verkaufsoffene Sonntag ist stärker als ein Adventssamstag – und das trotz der kürzeren Öffnungszeit von sechs Stunden“, freut sich Middendorf. Am Vortag wurde das KOMM gründlich gereinigt, damit es nicht nur zum Einkaufen, sondern auch Verweilen in einem der Cafés einlädt. „Jetzt ist bei den Kunden richtig Luft drin“, so die Erfahrung des Centermanagers. „Viele haben Geld geschenkt bekommen, das sie jetzt ausgeben, oder sie lösen Gutscheine ein.“ Im neuen Jahr sei dann hingegen „die Luft raus“. Daher sei die Idee mit dem Weihnachtsmarkt, der zum Neujahrsmarkt wird, eine sehr gute, lobt er – und der damit verbundene verkaufsoffene Sonntag falle auf den richtigen Zeitpunkt. „Da sind andere Städte neidisch auf Offenbach“, ist er sicher.

Studentenweihnachtsmarkt am Hafen

Studentenweihnachtsmarkt am Hafen

Kaufhof-Chefin Christiana Baudach hat ebenfalls mehr Mitarbeiter als an sonstigen Tagen zum Dienst bestellt. Sie zeigt sich bereits am frühen Nachmittag zufrieden. „Der Tag bedeutet für uns mehr Umsatz mit weniger Zeitaufwand.“ Sonderaktionen sollen das sonntägliche Einkaufserlebnis noch verstärken. Eine Schornsteinfegerin ist unterwegs und verteilt Glücksschweinchen, im ersten Stock wird Sekt ausgeschenkt, und die Kunden können mit einer Spende an das Theresien-Kinderheim ganz nebenbei eine gute Tat vollbringen. In der Spielwarenabteilung kommen vor allem Mädchen auf ihre Kosten, denen gewöhnliche Barbie-Puppen zu langweilig sind: Die zum Leben erwachten extravaganten „Monster High“-Puppen Frankie Stein und Clawdeen Wolf laden zum Mittanzen einer Choreographie ein und posieren bereitwillig für Erinnerungsfotos mit den jungen Fans.

Die verkaufsoffenen Geschäfte und milde Temperaturen lockten viele Familie in die Offenbacher Innenstadt.

Die elfjährige Natalie und ihr Bruder Niko haben dagegen ein ganz anderes Ziel. Im Saturn wollen sie Gutscheine einlösen, die sie zu Weihnachten geschenkt bekommen haben. „Ich brauche eine Schutzhülle für mein neues Smartphone“, sagt der 13-Jährige stolz. Die Eltern Thomas und Daniela Antel sehen das Ganze positiv: „Zum Spazieren gehen können wir die beiden eh nicht bewegen, so kommen wir wenigstens raus.“ Und obendrein kann der zu groß geratene Pullover für den Schwiegervater umgetauscht werden. Um den etwas anderen sonntäglichen Ausflug perfekt zu machen, geht es zum Abschluss auf den Neujahrsmarkt. „Dort essen wir noch was“, sagt Mama Daniela und blickt in drei zufriedene Gesichter.

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