Bund zahlt einmaligen Zuschuss

1,2 Millionen als Ausgleich für viele Zuwanderer

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Das Quartiersmanagement soll sich um Zuwanderer kümmern, die sich in der Öffentlichkeit zum Trinken treffen: Das nennt sich „aufsuchende Sozialarbeit und männergerechte Angebote, bei Bedarf mit Suchtprävention“.

Offenbach - Bund zahlt einmaligen Zuschuss an von Zuwanderung besonders belastete Kommunen: Offenbachs Vertreter haben die Zuwendung in einem Städtetags-Arbeitskreis mit erstritten. Von Thomas Kirstein

Die Vertreter der Stadt haben sich in einem Arbeitskreis des Deutschen Städtetags offenbar mächtig ins Zeug gelegt: Die Bundesregierung konnte überzeugt werden, den von Zuwanderung aus Südosteuropa besonders betroffenen Kommunen einen einmaligen Betrag zukommen zu lassen. Fünf Prozent der Gesamtsumme von rund 25 Millionen Euro gehen allein nach Offenbach, verkündete Stadtkämmerer und Sozialdezernent Dr. Felix Schwenke, der mit Ordnungsamtsleiter Peter Weigand für die Stadt in der AG präsent war. Es sei einiges an Hartnäckigkeit und Verhandlungsgeschick notwendig gewesen, um die Bundesregierung von der Notwendigkeit von Hilfen zu überzeugen, sagte Schwenke.

1,2 Millionen fließen nach Offenbach – als einmaliger Sonderzuschuss zu den Kosten der Unterkunft, weil dies der einzige direkte Geldfluss zwischen dem Bund und den Kommunen ist. Der Stadtkämmerer nennt das Geld einen „kleinen Beitrag zur Kompensation der zusätzlichen Belastungen“ bei der Unterbringung von Hilfsempfängern. In Berlin wird aber erwartet, dass die Summe nicht vollständig die pflichtgemäßen Belastungen mildert, sondern zum Teil für Integration verwendet wird.

Magistrat zwackt Geld ab

318.000 Euro zwackt der Magistrat für einen Maßnahmenkatalog ab, der in erster Linie Rumänen und Bulgaren, die inzwischen mit 3740 beziehungsweise 3200 Menschen 5,4 Prozent der Bevölkerung stellen, zugute kommt. Dazu gehören Hilfen für die Schulen wie die Bereitstellung von Übersetzern für sprachunkundige Eltern, Sprachkurse für Eltern, Hausaufgabenhilfe durch Migrantenverein und zusätzliche Pädagogen.

Die Zuwanderung aus Bulgarien und Rumänien entwickelte sich seit 2012 rasant, wie die Grafik des kommunalen Jobcenters Mainarbeit belegt: Sie bezieht sich allerdings nur auf diejenigen, die mangels eigener Einkünfte Hartz IV beziehen. Das Bild in Großansicht.

An den Schulen sei mittlerweile eruiert worden, wie viele Seitensteiger es dort jeweils gebe, teilte Mainarbeit- und Arbeitsförderungs-Chef Matthias Schulze-Böing mit. Lehrkräfte sollen bei der Förderung von nicht alphabetisierten Kindern und Jugendlichen unterstützt werden. Gezielte Hilfe zur Selbsthilfe ist ein weiterer Schwerpunkt. Schwenkes Ziel ist, Zuwanderer so schnell wie möglich aus dem Sozialhilfebezug und in die Erwerbstätigkeit zu bringen. Unter den Rumänen, sagt er, seien viele gut qualifizierte Leute. Zupass kommt der Stadt dabei, dass es bereits Strukturen gibt, in denen bereits länger hier lebende Zuwanderer den nach ihnen kommenden ehrenamtlich helfen. Diese Projekte sollen unter anderem mit den Bundesmitteln unterstützt werden.

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Ana-Violeta Sacaliuc, aus Rumänien stammende Koordinatorin der Modellregion Integration im städtischen Amt für Arbeitsförderung, Statistik und Integration, ist mit den örtlichen Selbsthilfestrukturen vertraut und erläutert, wie das Bundes-Geld konkret Unterstützung leisten kann. So bieten Volkshochschule, Rumänisch-orthodoxe Kirche, die rumänischen Vereine CROM und ARO sowie eine Bulgaren-Initiative niedrigschwellige, also einfach zugängliche Sprachkurse an.

Kirche und CROM bekommen ihre Vereinsräume ausgestattet. Der noch nicht offiziell bestehende bulgarische Verein im Mathildenviertel wird einen Zuschuss erhalten und soll zur Anlaufstelle werden. Erstellt werden Integrationswegweiser auf Rumänisch und Bulgarisch.

Dem Quartiersmanagement des Stadt-Projekts „Besser leben in Offenbach“ obliegt es, sich einer Erscheinung anzunehmen, die in der Bevölkerung für Unmut und Verunsicherung sorgt: Die Mitarbeiter gehen künftig verstärkt auf männliche Zuwanderer zu, die sich in größerer Anzahl an bestimmten Stellen, etwa in der Herrnstraße, zum Alkoholtrinken treffen. Ihnen soll unter anderem klargemacht werden, wie ihr Verhalten auf die Öffentlichkeit wirkt. Die Streetworker können etwa – so Matthias Schulze-Böing – Alternativen aufzeigen, die zu einem etwas geringeren Alkoholverbrauch führen.

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