Mittlere Reife reicht aus

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Werben mithilfe des Magazins „Abenteuer Ausbildung“ für den Beruf des Bundespolizisten (von links): die Schüler Luca Del Sorbo und Anna Di Stefano, der Integrationsbeauftragte Luigi Masala und Bundespolizistin Julia Grygas.

Offenbach - Hessens Bundespolizei macht durch eine umfangreiche Kampagne auf ihr Tätigkeitsfeld aufmerksam. Dabei sollen vor allem Offenbacher Schüler mit ausländischen Wurzeln als zukünftige Nachwuchskräfte angesprochen werden. Von Sabrina Kristen

Polizist sei sein Traumberuf, offenbart ein Schüler türkischer Herkunft vor seiner Klasse. Die Lehrerin fällt ihm sofort ins Wort und zerstört die Perspektive mit vermeintlichen Fakten: „Nur mit Mittlerer Reife geht da nichts, ohne Abitur nehmen die doch niemanden.“ Luca Del Sorbo erzählt dieses Erlebnis aus seiner Klasse. Der junge Offenbacher besucht die 9. Klasse der Edith-Stein-Schule und gehört zur Schülerredaktion des Magazins „Abenteuer Ausbildung“, welches von der Stadt Offenbach, der Bundespolizei des Frankfurter Flughafens und der Organisation „Junge Menschen in Ausbildung“ (JUMINA) initiiert wird.

Die Hessische Bundespolizei erhofft sich dadurch gängige Vorurteile beseitigen zu können. Denn im Gegensatz zur Landespolizei haben bei der Bundespolizei sehr wohl auch Bewerber mit Mittlerer Reife eine Chance. Aufgrund der Fehlinformation vom angeblich notwendigen Fachabitur, wird den Realschülern so oft ein möglicherweise attraktiver Arbeitgeber vorenthalten. „Polizist ist ja schließlich in jedem Kulturkreis ein angesehener Beruf“, erklärt Julia Grygas. Sie arbeitet selbst als Bundespolizistin und setzt sich vor allem für Bewerber ausländischer Abstammung ein.

Ein weiteres Ziel der Bundespolizei ist es, dass die Offenbacher Schüler überhaupt erste Einblicke in den Beruf erhalten und dadurch die Bewerbungszahlen gesteigert werden. „Viele kennen den Unterschied zwischen Bundes- und Landespolizei gar nicht. Generell ist dieser Beruf für die meisten Jugendlichen eher unbekannt“, berichtet Grygas. Hierbei soll das Ausbildungsmagazin Hilfestellung geben. Erstellt wurde es von Jugendlichen aus verschiedenen Offenbachern Schulen. Zwei von ihnen sind Anna Di Stefano und Luca Del Sorbo, die beide die 9. Klasse der Edith-Stein-Schule besuchen.

Fremdsprachen am Flughafen vorteilhaft

Vor allem Jugendliche mit Migrationshintergrund sollen durch das Schülermagazin angesprochen werden. „Für die Arbeit am Flughafen können ausländische Wurzeln sogar von Vorteil sein“, so Bundespolizistin Grygas. Fremdsprachenkenntnisse wie Türkisch, Arabisch oder Kroatisch seien dort aufgrund des internationalen Publikums gefragt. „Ausländische Touristen freuen sich, wenn sie am Flughafen in der eigenen Sprache angesprochen werden“, schmunzelt Julia Grygas.

Die Stadt Offenbach hat deutschlandweit einen der höchsten prozentualen Anteile an Jugendlichen mit Migrationshintergrund. So ist es wenig überraschend, dass der Beruf des Bundespolizisten gerade hier intensiv vorgestellt wird. „Erfahrung mit einer anderen Kultur, also interkulturelle Kompetenz ist wahrlich ein positiver Aspekt für diese Ausbildung“, argumentiert Eleonora Camoni, die das Projekt „JUMINA“ betreut.

Luca Del Sorbo hat selbst erst während seiner Arbeit in der Schülerredaktion, den Beruf des Bundespolizisten kennengelernt. Ein Schnuppertag inklusive Übernachtung im Ausbildungszentrum der Bundespolizei in Eschwege hat ihn dann komplett überzeugt. „Mit dem festen Ziel vor Augen, ist man auch in der Schule gleich viel motivierter. Schließlich muss ich mit guten Noten glänzen“, sagt der ehrgeizige Neuntklässler.

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