„Jetzt ist aber wirklich Schluss“

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Zur Übergabe der Urkunde empfing OB Horst Schneider die Offenbacher Martina und Joachim Müller samt jüngstem Spross Lea im Rathaus.

Offenbach - Martina Müller hätte eigentlich perfekt in den bekannten Werbespot eines Herstellers für anspruchsvolle Haushaltsprodukte gepasst. Nur dass sie statt des kleinen eben ein großes „erfolgreiches Familienunternehmen“ führen würde. Von Jenny Bieniek

Auf ihrem Schoß hält die 38-Jährige ihre Tochter Lea. Lea ist zwei Jahre alt und das siebte Kind von Martina und ihrem Mann Joachim (48). Die beiden gebürtigen Offenbacher haben binnen 17 Jahren ihren „eigenen kleinen Kindergarten produziert“, wie sie selbst sagen. Weil kinderreiche Familien in Deutschland selten geworden sind und der Staat ihnen gegenüber eine besondere fürsorgliche Verpflichtung hat, übernimmt Bundespräsident Joachim Gauck symbolisch die Ehrenpatenschaft für das siebte Kind einer Familie. „Sie stellt die besondere Bedeutung heraus, die Familie und Kinder für unser Gemeinwesen haben“, heißt es dazu aus Berlin.

Seit 1949 wurden hierzulande rund 77 100 solcher Patenschaften übernommen, davon etwa 70 in Offenbach. Zum Pressetermin im Rathaus erscheinen Müllers aber nur zu dritt. Mutter Martina wirkt entspannt, der tägliche Stress mit der Kinderschar scheint ihr nichts auszumachen. „Sie hat ein so jugendliches Gesicht. Dass sie sieben Kinder hat, glauben viele nicht“, erzählt Joachim Müller.

Als Oberbürgermeister Horst Schneider Urkunde und Patengeschenk des Bundespräsidenten stellvertretend an die Eltern überreicht, nuckelt Lea müde an ihrem Fläschchen und zeigt sich unbeeindruckt von dem, was um sie herum geschieht. Über das Plüsch-Schaf vom OB freut sich die Zweijährige trotzdem. „Jetzt hast du einen Patenonkel, der sitzt in Berlin in einem Schloss“, erklärt der OB, „aber adelig ist er trotzdem nicht.“ Den beigelegten Scheck, immerhin 500 Euro, wollen Müllers für Lea anlegen.

Kinder sind zwischen vier und 17 Jahre alt

Vater Joachim ist Alleinverdiener und arbeitet als Lagerverwalter in Frankfurt-Fechenheim. Seine Frau kümmert sich um den Nachwuchs – ein Vollzeitjob. Die „Familienmanagerin“, die vor der Geburt ihrer ersten Tochter in der Altenpflege tätig war, wird von Freunden und Bekannten oft dafür bewundert, wie sie das alles hinkriege – zumal ohne Führerschein. „Aber wir wohnen relativ zentral, da geht das.“ Ein Familienurlaub sei finanziell jedoch nicht drin.

„Manche sind ja schon mit einem Kind völlig überfordert“, lacht die 38-Jährige, deren Familienplanung ursprünglich nur zwei oder drei Kinder vorsah. Einmal im Monat geht’s zum Großeinkauf. „Beim Anblick unserer Einkäufe könnte man meinen, der Krieg sei wieder ausgebrochen“, schmunzelt das Ehepaar.

Die anderen Sprösslinge sind zwischen vier und 17 Jahre alt und wohnen mit ihren Eltern an der Senefelderstraße. „Aber in unserem Reihenhaus wird’s langsam eng, die Größeren wollen ein eigenes Zimmer. Da müssen wir uns was einfallen lassen“, erzählt der siebenfache Papa. Wenn’s nach ihm ginge und das Platzproblem behoben wäre, wäre weiterer Nachwuchs nicht ausgeschlossen: „Warum nicht?“ Mutter Martina sieht das anders: „Ich hatte drei Kaiserschnitte, und man sollte sein Glück wirklich nicht herausfordern. Jetzt ist wirklich Schluss.“

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