Stubentiger mit Diabetes und Gefährtin

Al Bundy auf Wohnungssuche

An Appetit mangelt es Al Bundy (rechts) und Gefährtin Antonella nicht. Aber an einem neuen Zuhause. Foto: mcr

Offenbach Man könnte an jedem Tag des Jahres jede Zeile einer Zeitung mit Geschichten aus Offenbachs Tierheim füllen und müsste sich trotzdem nicht vorwerfen lassen, die Menschen dabei zu vergessen.

Von Marcus Reinsch

Denn hinter fast jeder Tiergeschichte, die Tierheimleiterin Gudrun Lincke zu erzählen hat, steckt eine Menschengeschichte. Meistens keine schöne. Aber die von Al Bundy, dem Kater, ist eine, die einfach erzählt werden muss.

Al Bundys Mensch ist tot. Gestorben irgendwann Ende Januar dieses Jahres; den genauen Zeitpunkt weiß Lincke nicht. Und er würde auch nicht helfen. Helfen würde ein neuer Bezugsmensch. Aber das später.

Wichtig ist erstmal, dass Offenbacher Feuerwehrleute Bundy, wie sie den Kater ruft, und seine Gefährtin Antonella aus der zur Falle gewordenen Wohnung ihres auch von Nachbarn offenbar nicht vermissten toten Herrchens befreiten und ihnen damit das Leben retteten.

Das war Anfang Februar und, mindestens, vorletzte Minute. Als Bundy und Antonella im Tierheim auf dem Buchhügel ankamen, hatten sie seit Tagen kein Wasser und kein Futter bekommen. Sie waren gefährlich ausgetrocknet, in jeder Hinsicht in beklagenswertem Zustand, und als Lincke „sah, wie Bundy eine ganze Schüssel Wasser leer getrunken hat, sind mir die Tränen gekommen“.

Beide etwa acht Jahre alten Vierbeiner haben überlebt. Bei Bundy muss das als kleines Wunder gelten. Denn der Kater mit dem roten Fell, ebenso wie die grau-weiß getigerte Antonella ein Europäisch Kurzhaar, ist Diabetiker. Er muss eigentlich täglich eine Insulinspritze bekommen und ausreichend kohlenhydratreduziertes Futter fressen, um nicht ins Zuckerkoma zu fallen. Im Tierheim wurde er vom Tierarzt richtig eingestellt, es geht ihm heute so gut wie Antonella, und wenn er die Insulinspritze mit der kurzen, hauchdünnen Nadel sieht, kommt er angelaufen. „Das Ritual kennt er schon“, sagt Lincke, „der Pieks tut ihm nicht weh, und er weiß, dass danach was in seinem Napf ist.“

Das Katzenpärchen ist freundlich und menschenbezogen. Die Internetseite des Tierschutzvereins weist Al Bundy und Antonella als „sehr anhänglich & verschmust“ aus, was nicht gelogen und noch nicht mal geschönt ist.

Allein: Eine kranke, mittelalte Katze ist viel schwerer zu vermitteln als eine junge gesunde. Zumal Bundy und Antonella falls irgend möglich nicht getrennt werden sollen und keine Anfängerkatzen sind. Ideal als neuer Mensch wäre jemand, der schon einmal einem vierbeinigen Diabetiker ein Heim gegeben hat oder selbst Diabetiker ist. Der Umgang mit Spritze und Blutzuckermessung könnte allerdings auch gelernt werden.

‹ Interesse? Gudrun Lincke ist unter s  069 858179 und info@tierschutzvereinoffenbach.de erreichbar. Alle Tiere im Internet: www.www.tierschutzvereinoffenbach.de

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