Es werde buntes Licht in der Stadt

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Modehaus im Farbenspiel - ein Anfangs-Beispiel für künftige Lichtgestaltung.

Offenbach - 20 offizielle Besucher und einige verweilende Passanten begutachten am Freitagabend bei warmen Getränken, wie eine temporäre Installation die Fassade des Modehauses M. Schneider in ein ungewohntes Licht taucht. Von Claus Wolfschlag

Das Farbenspiel in der Frankfurter Straße ist danach noch am Samstag- und am Sonntagabend zu sehen. Verantwortlich ist „Karree Offenbach“. Der 2011 gegründete Zusammenschluss innerstädtischer Immobilieneigentümer ist ein auf Basis des „hessischen Gesetzes zur Stärkung innerstädtischer Quartiere“ gebildetes „BID-Projekt“. BID steht für das gut Neudeutsche „Business Improvement District“.

Karree hat sich für eine längerfristige optische Aufwertung der Fußgängerzone entschieden und mit der Umsetzung den Gewerbeverein Treffpunkt beauftragt. Dessen Vorstandmitglied Peter Bauer erläutert: „Wir wollen an diesem Wochenende einfach mal demonstrieren, was möglich ist.“

Die Modehaus-Fassade wechselt somit ihren Farbton, schimmert in langsamem Rhythmus abwechselnd blau, lila, rot, orange, gelb und grün. Zudem werden zwei Fensterreihen in waagerecht laufende Lichtbänder verwandelt. Finanziert wird das Ganze je zur Hälfte vom Karree Offenbach und von M. Schneider. Die Stromkosten erweisen sich dabei als sehr überschaubar, denn die komplette Installation erfolgt durch preisgünstige LED-Lichter. Anregungen hat man sich zuvor unter anderem durch eine Analyse der Gießener Fußgängerzone geholt.

Die Lichtschau ist ein Vorgeschmack auf die projektierte Installation von Lichtkunstobjekten an zahlreichen innerstädtischen Fassaden. Eine großflächige Umsetzung des innerstädtischen Lichtkonzepts ist nämlich pünktlich zur „Luminale“ im April geplant. Die „Luminale“ ist eine zeitlich begrenzte Vorführung von lichtkünstlerischen Arbeiten im öffentlichen Raum, die alle zwei Jahre die Frankfurter Messe „Light+Building“ begleitet.

Innenstadt soll in den Abendstunden heller und schöner werden

Gelegentlich haben die in Frankfurt und Offenbach zu sehenden Arbeiten auch zur Folge, dass die Installationen dauerhaft im öffentlichen Raum erhalten bleiben. Das ist auch in Offenbach geplant, da die Idee diskutiert wird, durch Lichtkonzepte den innerstädtischen Bereich besser ästhetisch zu gliedern.

Der Innenstadtkern soll sich in den Abendstunden also heller und schöner präsentieren. Hierzu ist eine Kooperation mit dem Darmstädter Architekten Jens Schader geplant. Schader hat sich in der Vergangenheit des öfteren mit dem Zusammenspiel von Licht und Architektur beschäftigt und erläutert am Freitagabend den Anwesenden weitergehende Möglichkeiten von Licht-Gestaltung in Offenbach. Geplant ist ein Konzept für die Fußgängerzone, das den Raum besser ordnet und ein angenehmes Stimmungsbild verbreitet.

„Es geht um eine ästhetisch ansprechende Wegeführung in der Szenographie des Stadtraums“, erklärt Schade. Das Mehr an Lichtkunst bedeute allerdings, dass man an anderer Stelle störende Lichtquellen herunterfahren oder ausschalten müsse. Das betrifft vor allem überdimensionierte Leuchtreklamen.

Passantin Carola zeigt sich zufrieden: „Es ist schön geworden. Solche Lichtspiele sind sicher nicht für jedes Haus geeignet, sonst wird es hier zu bunt. Aber einzelne Häuser kommen dadurch gut zur Geltung.“ Jetzt müsse man nur noch die störenden Lichter am Himmel ausschießen, meint sie, verärgert zu einem über den Marktplatz dröhnenden Flugzeug blickend.

„Allerdings stellt sich noch die Frage der Nachfolgefinanzierung“, gibt Peter Bauer zu bedenken. „Das Karree Offenbach wird die Logistik und das Knowhow bereitstellen können, aber nur durch die individuelle Mitfinanzierung von den Mietern und Eigentümern der ausgewählten Gebäude ist die Idee dauerhaft umsetzbar.“

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