Fleisch vom selbstgezüchteten Wildrind

Burger-Business mit Bison an Mühlheimer Straße

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Foodtruck-Besitzer Roland Schelenz

Offenbach - Am Rand des Edeka-Parkplatzes an der Mühlheimer Straße steht ein chromglänzender Imbisswagen, der mit einer kulinarischen Besonderheit aufwartet. Von Claus Wolfschlag

Neben Rib-Eye-Steak vom Namibia-Rind ist der „Bison Store“ vor allem auf eins spezialisiert: Burger und Wurst aus Bisonfleisch. Es stammt von einer Ranch in Litauen. Deren Besitzer ist Mühlheimer. Roland Schelenz hat sich ursprünglich als Kaufmann, technischer Leiter in verschiedenen Firmen und Marmorschleifer verdingt. Vor 15 Jahren hätte er nicht im Traum daran gedacht, einmal einen landwirtschaftlichen Betrieb zu leiten. Doch als es im Jahr 2000 zu zwei Todesfällen in der Familie kam, stürzte ihn dies in eine Sinnkrise. „Ich wollte damals etwas in meinem Leben verändern, aussteigen“, erzählt er. Er reiste nach Litauen, um Bekannte zu besuchen: „Die Weite der dortigen Landschaft gab mir innere Ruhe.“ Und dann spielte das Schicksal Roulette. Am Flughafen fiel ihm das Boarding-Ticket aus dem Jackett. Eine Litauerin hob es auf und brachte es ihm. Zufällig saßen die beiden auch im Flugzeug nebeneinander. So lernten er und Audra einander kennen und heirateten nach einiger Zeit. Gemeinsam schmiedeten sie Pläne für die Zukunft. Naturverbunden sind beide, und so kam ihnen nach einem Fernsehfilm über Bisons und dem darauf folgenden Genuss eines Steaks von diesem Tier die zündende Idee: Bisons wollten sie züchten. Rasch fanden sie einen Bauernhof in Litauen. „100 Hektar Land, alter Baumbestand, ein Wohnhaus und große Wirtschaftsgebäude“, beschreibt Schelenz.

Zudem befindet sich das Land an verkehrsgünstiger Stelle, nahe der Autobahn zwischen Kaunas und Memel. Schelenz entschied sich für amerikanische Präriebisons. 2005 startete der Betrieb mit zwölf Muttertieren, danach kaufte Schelenz einen Zuchtbullen hinzu, dann nochmals 14 Tiere. Der Bestand vermehrte sich langsam. Heute hat er etwa 130 Tiere. „Unsere Tiere sind nie im Stall, sondern ganzjährig auf der Wiese. Sie ernähren sich selbst auf unserem Land, es findet keine Mast statt, schon gar nicht mit künstlichen Zusätzen. Nur im Winter stellen wir ihnen ein paar Treber-Reste als Beifütterung auf“, schildert Schelenz. Wenn die Bisons ausgewachsen seien, würden sie geschossen. Über die Qualität des Fleisches gerät der Züchter ins Schwärmen: „Bison gehört zu den besten Fleischsorten. Kaum Fett, hoher Eiweißgehalt bei niedrigem Cholesterinwert.“

Das Produkt wird mit dem Frischetransporter importiert. Die Burger sind in verschiedenen Variationen erhältlich, etwa kombiniert mit Wildbeeren oder Mango, wahlweise mit Süßkartoffeln als Beilage. Zehn Jahre hat das Ehepaar in Zucht und Stand investiert, erst jetzt fließen langsam Einnahmen zurück. Seit 2013 betreibt Schelenz den Imbisswagen seines „Bison Store“. Anfangs stand dieser in Weiterstadt, im Februar 2015 zog der Foodtruck nach Offenbach. Schelenz wollte verkehrstechnisch näher am in Mühlheim gelegenen Kühlhaus und Vorbereitungsraum stehen. Zudem ist der „Bison Store“ regelmäßig auf Straßenfesten präsent, so beim Schlossgrabenfest und beim Heinerfest in Darmstadt oder beim Frankfurter Osthafenfest.

„Wir setzen auf Qualität, haben somit nichts mit dem Billigsegment zu tun. Einen Burger für drei Euro inklusive Cola gibt es bei unseren Bedingungen nicht“, macht Schelenz deutlich. Die Kunden sind sich dessen bewusst und kommen aus allen Schichten, vom Arbeiter bis zum Unternehmer oder zum älteren Rentnerpaar. Sogar frühere Stammkunden aus Weiterstadt und Darmstadt kommen öfter nach Offenbach gefahren. Die Kunden scheinen zufrieden. „Hat gut geschmeckt“, ruft einer im Vorbeigehen.

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