Bus- und Bahnfahren wird teurer

Fahrplanwechsel: Fortschritt oder Mogelpackung?

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Fahrplanwechsel in Offenbach: Umbenannt werden ab Sonntag die Haltestelle „Arthur-Zitscher-Straße“ am Evangelischen Gemeindezentrum in „Diakoniezentrum Offenbach“ und die Linie F-41, die von Frankfurt über den Offenbacher Marktplatz bis zum Hauptbahnhof fährt, in Linie 41.

Offenbach - Ob gewollt oder nicht, die Pressemitteilung jedenfalls hat’s gut kaschiert, erst der zweite Blick und die gezielte Nachfrage bei der lokalen Nahverkehrsgesellschaft offenbart: Die neue Preisstufe 2, die zum Fahrplanwechsel am 9. Dezember in der Stadt eingeführt wird, macht Bus- und Bahnfahren keineswegs günstiger. Von Fabian El Cheikh

Wäre ja auch zu schön gewesen. So wird es eben nur ein weniger günstiger als es mit der gleichzeitigen Preiserhöhung eigentlich kosten würde. Klingt kompliziert? Nur auf den ersten Blick.

Zunächst gilt es zu vermelden, was schon zur ärgerlichen Tradition geworden ist: Die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs wird wieder teurer. Satte 3,9 Prozent mehr verlangt der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) für Bus-, Bahn- und Tramfahrten ab dem 9. Dezember. Kaschiert wird die Teuerung mit der Einführung der neuen Stadtpreisstufe 2, die die bisherige Stufe 2 ablöst.

Ungerechtigkeit in der Tarifpolitik beseitigen

Damit will der RMV, wie Christine Wüst-Rocktäschel von der den Offenbacher Nahverkehr koordinierenden Gesellschaft NiO (Nahverkehr in Offenbach) erläutert, zumindest eine Ungerechtigkeit in der Tarifpolitik zu beseitigen: „Die neue Preisstufe bedeutet eine Verbesserung, da man bisher in der innerstädtischen Preisstufe 2 für teilweise kürzere Wege den gleichen Preis zu zahlen hatte wie in ländlichen Gebieten, in denen man für die Preisstufe 2 längere Strecken zurücklegen könnte.“

Dieses Modell lohnt sich vor allem für sporadische Nutzer des ÖPNV: So kostet die Einzelfahrkarte künftig fünf Cents weniger, als das Ticket nach der Preiserhöhung eigentlich kosten würde. Auf die Preise von Zeitkarten hat’s indes keine Auswirkungen. So kosten Monatskarten künftig 63 Euro statt 60,40 Euro. Jahreskarten verteuern sich von 591,90 auf 617,40 Euro. Für die Einzelfahrkarte müssen die Kunden zehn Cent mehr hinlegen als bisher. Sie kostet 2,20 Euro.

Gestiegene Energie- und Personalkosten

Die Preissteigerungen begründet der RMV, der gemeinhin als einer der teuersten Verbünde in Deutschland bezeichnet wird, wie gewöhnlich mit gestiegenen Energie- und Personalkosten. Für die CDU sind die Fahrpreiserhöhungen ein weiterer Anlass, auf den zuletzt viel gescholtenen Oberbürgermeister einzudreschen. So wirft der Fraktions-Vize Roland Walter Horst Schneider vor, dieser habe sein Wahlversprechen gebrochen, sich für eine Tarifvereinheitlichung zwischen Offenbach und Frankfurt ab 2012/13 einzusetzen.

„Das einzige, was Schneider für den ÖPNV zuwege brachte, ist ein unbrauchbarer und völlig überteuerter Nahverkehrsplan, den das Parlament fast geschlossen an den Magistrat zurückgab“, so Walter. Der Gescholtene weist die Vorwürfe von sich, er habe im Wahlkampf „überhaupt nichts“ versprochen. „Ich habe immer auf das Strukturproblem der Wabengrenze zwischen Frankfurt und Offenbach hingewiesen und gesagt, dass die Aufweichung derselben ein Ziel ist“, rechtfertigt sich Schneider.

„Offenbach muss die zusätzlichen Kosten tragen“

Das alles aber koste Zeit und vor allem Geld, wie auch Bürgermeister Peter Schneider erläutert: „Wenn wir vertragliche Änderungen mit dem RMV anstreben, muss Offenbach die zusätzlichen Kosten tragen.“ Er habe daher Verständnis, dass der OB in dieser Frage zuletzt zurückhaltend reagiert habe.

Alle Beteiligten hoffen nun, dass sich die Frage der Tarifgrenze in den kommenden Jahren gänzlich erübrigt. Warum? „Der RMV strebt langfristig die Einführung entfernungsabhängiger Tarife an“, berichtet Christine Wüst-Rocktäschel vom NiO. „Die neue Stadtpreisstufe ist hierzu der erste Schritt.“ Künftig soll im Rhein-Main-Gebiet wie in anderen Regionen gelten: je weiter die Strecke, desto teurer die Fahrt. Kundenunfreundliche Tarifbarrieren wie jetzt zwischen Offenbach und Frankfurt soll es dann nicht mehr geben.

Ein wenig immerhin bekommen die Kunden zurück von dem, was sie jährlich für ihre umweltfreundliche Mobilität berappen müssen. So führt der RMV in seinem Tarifgebiet das Handy-Bezahlsystem Touch&Travel ein, das die Deutsche Bahn bereits im Fernverkehr anbietet. Alternativ können bereits jetzt mit der RMV-App Handy-Tickets für das Verbundgebiet gekauft werden (siehe Zahlungsmethoden unten).

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Zusätzlich statten die Offenbacher Verkehrsbetriebe peu à peu ihre Busse mit neuen komplexen Bordcomputern aus, die zum einen Fahrscheindrucker sind, aber auch elektronische Tickets ausstellen und aktuelle Ankunftszeiten an die Anzeigetafeln der Haltestelle senden. Weitere Infos: www.nio-of.de/fahrplanwechsel.

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