Buschtrommel aus dem Takt

Bieber - Sie war schnell, die Bieberer Buschtrommel. Trug die Nachricht vom Ende des „Rimmini“ durch die Gassen, wusste wie immer alles ganz genau. Von Marcus Reinsch

Und geriet diesmal kräftig aus dem Takt - weshalb nun mancher ins Schwitzen kommt, dessen bisher einzige Verbindung zum jüngst geschlossenen Saunaclub der Umstand war, dass er sein Geld auf dem gleichen Areal an der Obermühlstraße verdient.

Dass da etwas schief gegangen sein muss mit dem Nachrichtenfluss im Ort, merkten Frank Appel, Ivo Brandic und Hans Schubert, als sich Menschen über ihre Anwesenheit in der 1978 zum Multifunktionsgemäuer umgewidmeten ehemaligen Lederwarenfabrik Bauer wunderten. Das Restaurant sei doch angeblich zu, erzählten die Leute, und dass schon bald alles platt gemacht werde. Wohnungsbau oder so…

Da wunderten sich dann auch die drei Männer, die immer gedacht hatten, dass sie als erste erfahren würden, wenn sich etwas ändert. Denn Appel hat die Kegelbahn, Brandic das Restaurant. Und Schubert ist seitens des Vermieters Friedrich-Wilhelm Bauer der Mann für alles. Bowlinganlagen-Chef, Hausmechaniker, Geschäftsführer, so genau habe das nie jemand definiert, war auch nicht nötig.

Die Macht des Klatsches ist schon jetzt zu spüren

Nötig sei nun allerdings, finden die Männer nach Recherchen in eigener Sache, einen ganz anderen Interpretationsspielraum abzuschließen und den Schlüssel wegzuwerfen, bevor sich ein gefährliches Gerücht einniste und noch mehr Gäste ausblieben. Zu spüren sei die Macht des Klatsches schon jetzt. „Die Leute meinen tatsächlich, dass hier alles zugemacht wird“, sagt Appel. Schubert schüttelt dazu den Kopf. Gedanken über Veränderungen auf dem Areal, auch über große, habe es mal gegeben, aber das sei schon Jahre her. Abriss? „Nicht aktuell!“

Dass dieses Thema nun trotzdem wieder hochkocht, müsse daran liegen, dass das „Rimmini“ den meisten Bieberern nicht als Schwitzkasten diente, aber vielen als Synonym für alles, was auf dem einstigen Lederwaren-Terrain los ist. Obwohl die Freikörperkultur nicht mal im großen Komplex stattfand, sondern in einem Nebengebäude. „Es gab zwei Restaurants“, betont Appel, „und zugemacht hat nur das zur Sauna gehörende. Nicht das im Bowling-Center.“

Das wäre auch, als würde man Bieber ein Stück Wirbelsäule stehlen. Im Winter hat hier der Oldie-Club Offenbach sein Domizil für Konzerte. Kickers- und selbst Eintracht-Gruppen trinken hier Schoppen. Sportkegler schieben in aller Regelmäßigkeit ihre Kugeln, haben Verträge. Und eine Etage tiefer haben sich kleine Firmen eingerichtet. Dort sind, in einem großen Raum für einen bezahlbaren Preis, auch die Vergnügungsgesellschaft „Offenbacher 03er“ zuhause. „Wenn uns das hier abhanden gekommen wäre“, sagt Vorsitzender Raimund Orth, „hätten wir nicht gewusst wohin.“

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