„Wir sind ausgebrannt“

Miese Arbeisbedingungen bei der Main Mobil

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Hart umkämpfte Branche: Äußerlich ist nicht (mehr) erkennbar, welche Linie gerade von den Offenbacher Verkehrsbetrieben (OVB) oder deren privater Tochter, der Main Mobil Offenbach GmbH, bedient werden. Deutlich unterschiedlich sind dagegen die Arbeitsbedingungen und Gehälter zwischen den Kollegen beider Unternehmen. Direkt bei den OVB angestellt werden neue Busfahrer freilich schon seit vielen Jahren nicht mehr – nur noch bei der Main Mobil.

Offenbach - Verantwortungsbereitschaft und Belastbarkeit in Stresssituationen – das müssen Busfahrer unter anderem mitbringen, wenn sie sich bei der Main Mobil Offenbach GmbH bewerben. Von Fabian El Cheikh

„Die wöchentliche Arbeitszeit beträgt im Durchschnitt 40 Stunden und wird im Schichtdienst ausgeführt.“ So heißt es in der Stellenausschreibung auf der Webseite der Stadt. Was wohl bewusst verschwiegen wird: Die wöchentliche Arbeitszeit liegt häufig bei 60, 70 oder mehr Stunden, wobei trotz Mehrarbeit kaum mehr Brötchen auf dem Frühstückstisch liegen.

„Es wird immer schlimmer, die Dienste werden immer länger“, beschwert sich Klaus P. (Name geändert). Viele seiner Kollegen, sagt er, halten sich finanziell nur noch über Wasser, weil sie Extraschichten schieben und staatliche Zuschüsse wie Wohngeld beziehen. Klaus P. selbst, der schon einige Jahre bei der Main Mobil arbeitet, hat am Monatsende nur 1900 Euro brutto auf dem Lohnzettel stehen. Mit Sonntags-, Nacht- und weiteren Zuschlägen kommt er, wenn’s gut läuft und er viele Überstunden geleistet hat, meist auf gerade mal 1500 Euro netto – als Busfahrer im Schichtdienst mit großer Verantwortung für seine Passagiere.

„Einfach ungerecht“

„Einfach ungerecht“ findet er das, auch mit Blick auf die Kollegen, die direkt bei den Offenbacher Verkehrsbetrieben (OVB) angestellt sind und deutlich höhere Tariflöhne sowie Weihnachtsgeld, eine Rentenversicherung und volle Sonntagszuschläge erhalten – und dafür deutlich kürzer im Bus sitzen. „Die lachen sich ins Fäustchen, wenn sie unsere Klagen hören.“ Entsprechend gering sei der Zusammenhalt unter den Kollegen, „wir sind wie ein Kuchen ohne Hefe“.

Die Tagesschicht der privaten Busfahrer kann bei einem geteilten Dienst gut und gern mal zwölf Stunden betragen. Am meisten ärgert Klaus P. jedoch, dass er davon nur 7,44 Stunden bezahlt bekommt. Den Rest sitzt er an Haltestellen (während der sogenannten Wendezeit) ohne Entlohnung ab – Pausenzeiten, die er als solche nicht nutzen kann, da er das Fahrzeug nicht verlassen darf. Hinzu kommen eine offizielle Pause von knapp anderthalb Stunden und zwei Stunden „Freizeit“, bis er die zweite Hälfte seiner Schicht antreten muss. „In dieser Zeit kann man nichts machen, es lohnt sich ja nicht mal, nach Hause zu fahren. Schon gar nicht, wenn man eine Frankfurter Linie bedient und im Kreis Offenbach wohnt.“

Schichten werden immer länger

Insgesamt würden die Schichten immer länger, ärgert sich der Busfahrer. Manchmal habe er nicht mal neun Stunden Freizeit. „In dieser Zeit muss ich noch die Tageseinnahmen abrechnen, nach Hause fahren, mich um meine Familie kümmern und schlafen. Die Schlafstörungen kriegt man dann nur mit Tabletten in den Griff.“

Die Konsequenzen der hohen Arbeitsbelastung führt Klaus P. eindrucksvoll vor Augen: „Viele Fahrer sind depressiv, schlafen am Steuer ein, mir sind auch schon die Augen zugefallen.“ Die Kollegen seien ausgebrannt, die Krankheitsrate und die Fluktuation unter den Beschäftigten hoch. „Manche fahren zwei, drei Wochen am Stück durch wegen des Geldes.“

Zusätzlich werde Druck ausgeübt, behauptet er, etwa dann, wenn zur Urlaubs- oder Ramadanzeit die Belegschaft stark ausgedünnt sei und die Kollegen mit zehn Euro Extralohn zurück ans Steuer gelockt würden. „Oft genug fallen dennoch Busse aus, dann allerdings meist auf den Offenbacher Strecken zugunsten der Frankfurter Linien, auf denen die Offenbacher Main Mobil ein Plus einfährt.“

„Viele Busse in Offenbach sind ausgefallen“

Dass sein Arbeitgeber mit diesem Beschäftigungsmodell an Grenzen stößt, habe sich erst kürzlich im August herausgestellt: „Viele Busse in Offenbach sind ausgefallen, angeblich weil Fahrer an einem Magen-Darm-Virus litten“, erinnert sich Klaus P., „Tatsache ist: Wir sind ausgebrannt, der Akku ist leer! Kein Wunder, dass so viele krank werden.“

Den zumindest zeitweise hohen Krankheitsstand verhehlt Main-Mobil-Geschäftsführer Volker Lampmann nicht. Er verweist jedoch auf unterschiedliche Belastbarkeit unter den Mitarbeitern. Gleichzeitig betont er, dass sich sein Unternehmen an den Tarif des Landesverbands Hessischer Omnibusunternehmer (LHO) halte. „Wir wissen, dass die Dienste gefühlt lang sind und niemanden glücklich machen – die branchenüblichen Arbeitszeitregelungen halten wir aber ein.“ Die Branche sei eben eine sehr schwierige.

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