Wartehäuschen an Bushaltestellen

Die Werbung macht’s

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Nicht an jeder Bushaltestelle steht automatisch ein Wartehäuschen. Mitentscheidend für die Aufstellung sind aber nicht örtliche Gegebenheiten, sondern eher die Kundenfrequenz. Unterschiedliche Sichtweisen: Für den einen oder anderen Kunden ist es schlicht unsinnig, dass etwa unter der Bahnüberführung Waldstraße zwei Wartehäuschen stehen, während andere Bushaltestellen keinerlei Unterstellmöglichkeiten bieten. Für die notorisch finanzschwache Kommune ist es eine durchaus lukrative Einnahmequelle.

Offenbach - Der Anrufer, vernehmbar der älteren Generation zugehörend, bringt’s auf den Punkt, die Redaktion formuliert es mal so: „Ich verstehe das nicht. “ Tja, der Mann, der Bus und Bahn nutzt, hat Recht – aus seiner subjektiven und eng begrenzten Sicht. Von Martin Kuhn

Er fragt: Warum gibt es etwa am Rumpenheimer Kurhessenplatz kein Häuschen, das die wartenden Buskundschaft vor Regen schützt? „An der Bahnüberführung Waldstraße stehen gleich mehrere. Und zwar direkt unter der Brücke. Das ist doch doppelt gemoppelt...“

Der Anruf bei den Offenbacher Verkehrs-Betrieben ist eher ernüchternd. „Da können wir nur bedingt Einfluss nehmen“, gesteht Sprecherin Christine Wüst-Rocktäschel. Das verwundert. Für den Laien ist’s bislang ein Gesamtpaket, geschnürt in der Hebestraße: Busse, Buslinien, Busfahrer und Bushaltestellen gehören untrennbar zusammen. Dem ist nicht so. So obliegt zwar der forcierte barrierefreie Ausbau der Haltestellen mit speziellen Borden und profilierten Belägen der OVB, nicht aber die gesamte Möblierung.

Beileibe keine neue Forderung

„Aber wir nehmen diesen Hinweis gern auf und geben ihn weiter.“ Für die OVB ist’s beileibe keine neue Forderung. Auch an anderen Haltestellen würden die Kunden gern etwas geschützter warten. Wüst-Rocktäschel nennt stellvertretend den Halt an der Arbeiterwohlfahrt im Hainbachtal. Dass es durchaus bauliche Veränderungen geben kann, zeigt sich an anderer Stelle des annähernd 220 Kilometer langen Streckennetzes. Wenn auch etwas anders. An der Geschwister-Scholl-Schule Bieber wurde ein Wartehaus erst demoliert, später demontiert.

Aber wer ist letztlich für diese Unterstände verantwortlich? Darum kümmert sich die Offenbacher Stadtinformation. Heißt: Die Stadt vermietet passende Flächen an ein Unternehmen. Dieses organisiert Aufstellung, Pflege, Instandhaltung und platziert dafür Werbeflächen. Für die notorisch klamme Stadtkasse ist’s eine Einnahmequelle, die OSG-Geschäftsführer und Stadtsprecher Matthias Müller nicht missen möchte. „Wir erwirtschaften da einen Überschuss.“

Stark frequentiert Fläschen gesucht

Was ehemals die Deutsche Städte Reklame machte, hat 2004 die Kölner Firma Ströer Out-of-Home Media übernommen, die neben Wartehäuschen noch Plakatwände, digitale Bildschirme, Busse, Bahnen und vieles mehr mit Werbung bestückt.  Dabei gilt: Das Unternehmen sucht vor allem Flächen, die stark frequentiert und im besten Sinne öffentlich sind; eben dort, wo Werbung deutlich wahrgenommen wird.

Müller verwahrt sich jedoch gegen den Eindruck, dass es der Stadt allein um den schnöden Mammon gehe: „Es gibt weitere Einschränkungen für den Bau von Häuschen.“ So seien an einigen der gut 270 Bushaltepunkte die Bürgersteige zu schmal. „Oder es liegen zu viele Versorgungsleitungen im Untergrund.“ In der Aufstellung der Häuschen unter der Bahnüberführung sieht er keinen Widerspruch: „Mit einem solchen Häuschen sollen die Kunden auch vor Seitenwinden geschützt werden. Und die gibt es vor allem in solchen Unterführungen...“

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