Reduzierung, Verkürzung, Verdichtung

Buslinien: Ausdünnung ab Winter 2014

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Die künftigen Offenbacher Busverkehre werden nicht mit der großen Sense zusammengestrichen. Gespart wird in vielen kleinen Einschnitten. (Grafik vergrößern)

Offenbach -  Das gewählte Vokabular ist ernüchternd: Reduzierung, Verkürzung, Verdichtung. Es beschreibt, was auf Buskunden ab Dezember 2014 zukommt. Das hat Auswirkungen auf nahezu das gesamte künftige Busliniennetz. Von Martin Kuhn

Bürgermeister Peter Schneider versucht als zuständiger Dezernent erst gar nicht, das schönzureden: „Es ist schmerzlich.“ Als Grünen-Politiker ist es ihm sicher ein Graus, ausgerechnet im Öffentlichen Personen-Nahverkehr den Rotstift anzusetzen. Daher stellt Schneider heraus, dass mitnichten am bestehenden Angebot der OVB gekürzt wird. Es betrifft künftige Verkehre, prognostiziert und eingearbeitet im Nahverkehrsplan 2013-2017. Nach den Vorschlägen der Experten haben wieder die Stadtverordneten das Wort – sie müssen den sogenannten Maßnahmenkatalog absegnen.

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Punktuelle Ausdünnung im Nahverkehr

Die massiven Auswirkungen listet Anja Georgi auf, die in Offenbach den Nahverkehr organisiert. Nahezu alle Buslinien trifft eine Reduzierung des werktäglichen „Bedienungsangebots zwischen 4 und 6 Uhr sowie ab 18.30 Uhr“. Dann fahren die Busse nur noch alle 30 Minuten anstelle des bisherigen 15-Minuten-Takts. Ausnahme ist die 101 aus Richtung Rumpenheim in die Innenstadt. Dort bleibt’s bei der kurzen Taktung. Das führt zu einer paradoxen Situation: Aus der City brausen die 101er als Leerfahrt zurück in den Stadtteil.

Massiven Auswirkungen auf den Nahverkehr

Zudem vorgesehen:

  • Linie 101: Reduzierung des Angebots auf dem Abschnitt Schlosspark–Biebernseeweg von 9 bis 15 und ab 18 Uhr auf 30-Minuten-Takt. Verdichtung des durchgängigen 10-Minuten-Takts auf einen 5-Minuten-Takt nur noch zwischen Hans-Böckler-Siedlung und Marktplatz.
  • Linie 102: Reduzierung der Fahrten von Markwaldstraße nach Bieber-Waldhof, ebenso zwischen Goethering und Areva am Kaiserlei (Abstimmung auf Ankunftszeiten der Regionalzüge am Hauptbahnhof).
  • Linie 106: Der Linienweg wird durch Führung von Klinikum Offenbach über Tulpenhofstraße um etwa 300 Meter pro Fahrt verkürzt. Eine Bedienung der Haltestelle Arndtstraße gibt es nicht mehr (Erschließung ist durch Linie 104 gewährleistet). Eine neue Halteposition am Klinikum in Richtung Marktplatz ist einzurichten.
  • Linie 107: Die erste Fahrt samstags entfällt auf dem gesamten Linienweg. Die für 2015/16 geplante Ausweitung wird auf unbestimmte Zeit ausgesetzt.

Die Maßnahmen fußen auf einer detaillierten Fahrgastzählung im Februar/März. Es summiert sich auf Einsparungen von 220.000 Leistungskilometern ab Dezember ’14, 470.000 ab Dezember ’15. In Euro: zunächst 660.000, dann 1,2 Millionen Euro. Merke: auf künftige, also hypothetische Ausgaben. Wären keine anderen Optionen möglich? „Nein“, sagt Georgi. Zu prüfen war beispielsweise ein flächendeckender 20-Minuten-Takt in Offenbach. Da hätten die OVB allerdings in den Hauptverkehrszeiten Verstärkerbusse einsetzen müssen. „Unterm Strich bedeutet das sechs Fahrzeuge mehr. Das war nicht darstellbar“, so Georgi.

Der politische Aspekt

Zurück zum politischen Aspekt: Erklärtes Ziel der Stadt ist ein Strukturwandel. Arbeitende Steuerzahler, für die Wohnraum in Waldheim-Süd, am Hafen oder in Bürgel-Ost geschaffen wird, sollen helfen, das immense kommunale Haushaltsloch nicht weiter wachsen zu lassen. Als wesentliches Ansiedlungskriterium sieht Peter Schneider ein „gutes ÖPNV-Angebot“. Dieses schließt etwa ein, dass mit dem Fahrplanwechsel in diesem Dezember die neue Buslinie 108 zwischen Innenstadt und Hafengebiet verkehrt – eine notwendige und logische Erweiterung des Angebots.

Vorgabe des Parlaments: Mehrausgaben sind an anderer Stelle des Liniennetzes zu kompensieren. Heißt: einzusparen. Der ohnehin defizitäre Öffentliche Personen-Nahverkehr darf in Offenbach keine zusätzlichen roten Zahlen schreiben. Wie das geschehen kann, liegt als Liste vor. Zu der sagt der Grünen-Bürgermeister: „Weniger geht nicht, wenn die Stadt ihr vorgenanntes Ziel erreichen will.“ Und das sei für eine Großstadt gerade noch ausreichend. Das ist mal eine Ansage...

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