Offenbacher Verkehrs-Betriebe

Gut besetzt, nicht überfüllt

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Unterschiedliche Wahrnehmung: Die geschilderten Beobachtungen eines Fahrgastes sehen die OVB „nicht strukturell bedingt“.

Offenbach - Unpünktliche Abfahrt, verdreckte Busse, defekte Technik: Mit solchen Beschwerden haben die Offenbacher Verkehrs-Betriebe oft zu tun. Mitunter ist es aber Grundlegendes, was der Fahrgast anspricht. Roland Mühlbach etwa. Der hat die Linie 104 im Blick. Von Martin Kuhn 

Roland Mühlbach ist das, was man gemeinhin als überzeugten Kunden bezeichnet. Oder zumindest regelmäßigen. Seit Eröffnung der S-Bahn nutzt der Offenbacher den Öffentlichen Personen-Nahverkehr – zwei- bis dreimal pro Woche, im Sommer seltener. Bevor er sich an die Redaktion wendet, hat er die jüngsten Veränderungen im lokalen Busliniennetz genau beobachtet. Was die OVB mit der 104 machen, bleibt ihm ein Rätsel. Die wiederum setzen auf den zeitlichen Faktor, wischen seine Argumente allerdings auch nicht in Gänze vom Tisch. Schließlich ist nichts auf ewig in Stein gemeißelt, erst recht nicht der Offenbacher Nahverkehrsplan.

Aufhänger für Roland Mühlbachs Kritik ist ein Erlebnis an einem gewöhnlichen Werktag. Kurz und knapp: Der Bus 104, Abfahrt 12.50 Uhr, fährt vom Marktplatz bis zur Arndtstraße mit gut 15 Minuten Verspätung ein. „Über dieses Erlebnis könnte man schmunzeln, wenn die Busse der Linie 104 nicht regelmäßig überfüllt wären. Dies kommt seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2013 vor, hat sich meines Erachtens jedoch in der letzten Zeit deutlich verschärft“, schildert Mühlbach. Zudem sei häufig festzustellen, dass der Stellplatz für Kinderwagen, Rollstühle und Rollatoren nicht ausreiche.

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Hintergrund: Mit der kontinuierlichen Umsetzung des Nahverkehrsplans fährt die 104 von Lauterborn (Anton-Bruckner-Straße) bis zum S-Bahn-Halt Bieber. Was sich geändert hat: Zwischen Lauterborn und Innenstadt gibt es einen Tausch der Linienäste von 104 und 105. Dadurch sei eine „nachfragegerechte Bedienung des aufkommensstarken Einkaufszentrums Ring-Center“ möglich. Mühlbach führt aus: Die 104 sei mit Standard-Bussen ausreichend für das Fahrgastaufkommen bis Lauterborn ausgestattet gewesen. Man wolle die Zahl der Fahrgäste erhöhen, aber die Fahrgast-Kapazitäten der Busse seien nicht erhöht worden. „Das passt nicht zusammen.“

Reaktion auf kritische Worte

Auf die kritischen Worte reagieren die Verkehrsbetriebe, kontrollieren selbst die Situation in der Linie 104 an zwei Werktagen. Ergebnis: Die Busse waren gut besetzt, aber nicht überfüllt, eine „regelmäßige Verspätung“ nicht festzustellen. Einmal registrierte die OVB sechsminütige Verspätungen. In Anbetracht der Streckenlänge der 104 liege dies in der Toleranzgrenze des Linienbetriebs. Fazit: „Dass die Fahrzeuge ,regelmäßig überfüllt’ sein sollen und deshalb Verspätungen einfahren, konnten wir nicht feststellen“, sagt Sprecherin Regina Preis.

Die geschilderten Probleme sehen die OVB „nicht strukturell bedingt“, sondern führen sie zurück auf „temporäre Ereignisse“. Auf einen Gelenkbus können die Gäste nicht hoffen: „Das gibt unsere aktuelle Flottenkapazität nicht her.“ Eine der Kernvorgaben des Nahverkehrsplans sieht man an der Hebestraße übrigens mit der Linie 104 erfüllt – Schließung von Bedienungslücken.

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Ausgemachte Vorteile: Anbindung des Ortskerns Bieber an Tempelsee sowie über die Carl-Ulrich-Siedlung an Lauterborn und die dortigen (Berufs-) Schulen; Umsteigemöglichkeiten an der Eberhard-von-Rochow-Straße zur Linie OF-30 nach Heusenstamm sowie zur 101 nach Waldhof; Beseitigung unproduktiver Standzeiten in Lauterborn. Zudem habe sich der Tausch der Linienäste zwischen August-Bebel-Schule und Marktplatz bewährt.

„Selbstverständlich werden wir die Entwicklung der Linie 104 weiter verfolgen, das Fahrzeitprofil nochmals überprüfen und gegebenenfalls nachbessern“, verspricht die Sprecherin nicht nur Roland Mühlbach.

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