Immer mehr Bürger weisen auf illegale Ablagerungen hin, Sperrmülldetektive erfolgreich

Die Bußgelder verdoppelt

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Bisweilen türmt es sich spektakulär - wie hier 2006 in der Hermann-Steinhäuser-Straße.

Offenbach (tk) ‐ Am Anfang stand das Entsetzen über immer mehr Abfall im Stadtbild. Seit den frühen 90er Jahren füllten Bilder von Sperrmüllhaufen, nach Hinweisen von Bürgern, die Zeitung, sozusagen als gedruckte Hinweise an die Stadt, wo gesäubert werden müsste. Endlich kam die „Müllfeuerwehr“. Der Stadtdienstleister ESO schickte seine Abräumer fortan nicht mehr nur bei Bedarf los, sondern auch auf Such-Tour. Inzwischen hat sich ein funktionierendes System entwickelt. Am Ende ist der illegale Abfall in Offenbach zwar ein weiterhin häufiges Phänomen, aber immerhin eins, das den Verantwortlichen nicht mehr über den Kopf wächst.

Für den zuständigen Stadtrat Paul-Gerhard (FDP) ist das auch ein Erfolg der Zusammenarbeit von Bürgern und Verwaltung. Die „Müll-Hotline“ ist inzwischen eine der gefragtesten Rathaus-Telefonnummern.

Fast 2000 Mal klingelte der Ordnungsamts-Apparat im vergangenen Jahr. Am anderen Ende der Leitung meldeten Anwohner fast immer eine wilde Müllablagerung.

Meist sind das keine Abfallberge, die in nächtlichen Aktionen heimlich von außen in die Stadt gekarrt werden. Sie bestehen vielmehr häufig aus nicht mehr brauchbarem Mobiliar aufgegebener Wohnungen. Entweder es hat sich noch nicht in den vielen Sprachen der Stadt herumgesprochen, dass man einen Sperrmülltermin vereinbaren kann, oder es wird der bequemste Weg gewählt.

Ordnungsdezernent Weiß mahnt: „Die Kosten für die Beseitigung müssen von allen Bürgern getragen werden. Für Müllsünder habe ich kein Verständnis, denn Sperrmüll wird in Offenbach kostenlos abgeholt.“ Für Meldungen ist er dankbar: „Wir haben intensiv auf unsere Hotline aufmerksam gemacht. Diese Werbung und die schnelle Reaktionszeit des Eigenbetriebs sind Gründe, dass immer mehr Menschen auf Unrat aufmerksam machen.“

Die Zahl der Meldungen hat sich gegenüber 2006 verfünffacht, obwohl sich die Menge des illegal deponierten Mülls laut ESO nicht vergrößerte. Vor vier Jahren wurden in zwölf Monaten rund 400 Ablagerungen mitgeteilt - das war, statistisch betrachtet, jeden Tag mindestens eine.

In Offenbach ist es freilich nicht mit dem Wegräumen auf Gebührenzahlers Kosten getan. Es wird intensiv versucht, Verursacher zu ermitteln. „Um den Druck zu erhöhen, haben wir im Jahr 2007 einen zweiten Mülldetektiv eingestellt“, erinnert Weiß und belegt Erfolge: Die Zahl der erwischten Verursacher und der verhängten Bußgelder hat sich in den vergangenen Jahren deutlich erhöht. Ein Blick in die Statistik des Ordnungsamtes zeigt: 2006 wurden rund 11 000 Euro an Verwarn- und Bußgeldern für illegale Entsorgung eingenommen. Bis zum Jahr 2010 verdoppelte sich die Summe auf 22 100 Euro.

Um illegalen Sperrmüll zu erfassen, setzt Offenbach auch auf ein dichtes Netz eigener Beobachter. Die Kompetenzen wurden beim Ordnungsamt gebündelt. So sollen auch die Überwacher des ruhenden Verkehrs ein waches Auge auf Ablagerungen haben. In Nordend, Lauterborn und Mathildenviertel sehen „Rundgänger“ der Initiative „Besser leben in Offenbach“ nach dem Rechten. Die ESO-Qualitätssicherung, die täglich auf den Straßen unterwegs ist, gibt Meldungen ans Ordnungsamt weiter.

Dort sorgt ein zusätzlicher Mitarbeiter für die zeitnahe Einleitung von Bußgeldverfahren. Wird ein Müllhaufen gemeldet, prüft das Amt zunächst, ob ein Abholtermin vereinbart wurde. Ist das nicht der Fall, nimmt einer der beiden Mülldetektive die Ablagerung unter die Lupe. Ein Brief, ein Versicherungsschein, eine achtlos weggeworfene Wahlkarte führen oft zu den Verursachern. „Unsere beiden Mitarbeiter müssen manchmal wirklich detektivisches Gespür entwickeln, denn eindeutige Spuren sind nicht immer vorhanden“, sagt Christian Broos vom Ordnungsamt. Wichtig für den Ermittlungserfolg ist jedoch, dass zeitnah agiert wird. „Anwohner erinnern sich dann oftmals noch.“

Können die Mülldetektive keinen Verursacher ermitteln, wird an die Anwohner per Sperrmüll-Flugblatt appelliert, Beobachtungen zu melden. „Den Verursachern wird so signalisiert, dass ihre Liegenschaft im Fokus steht. Sie sollen nicht mehr sicher fühlen“, sagt Christian Broos.

Unter z 8065-4747 können wilde Ablagerungen gemeldet werden, außerhalb der Dienstzeiten auf Anrufbeantworter. Einen Sperrmülltermin erhält man unter z 8065 4545, wenn es schnell gehen muss, gibt der ESO gegen wenig Geld einen Expresstermin.

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