Busumleitung trifft Behinderte der Awo-Werkstätten hart

Offenbach - Etwa 40 Mitarbeiter der Behindertenwerkstätten Hainbachtal haben bald ein Problem: Ab dem 7. Mai wird die Landesstraße zwischen Heusenstamm und Offenbach (Waldstraße) wegen des Brückenneubaus an der Autobahn 3 voraussichtlich acht lange Monate gesperrt sein. Von Fabian El Cheikh

Dann muss die Buslinie OF-30 eine Umleitungsstrecke über die Müllverbrennungsanlage fahren. Die Haltestelle „Hainbachtal“ und damit die Werkstätten der Arbeiterwohlfahrt (Awo) liegen dann nicht mehr auf dem Fahrweg und werden in diesem Zeitraum nur noch sehr eingeschränkt bedient.

Lediglich zwei Verbindungen morgens aus Offenbach wird es geben: montags bis freitags jeweils 7.19 und 8.19 Uhr (Ankunftszeit). Zurück nach Offenbach fährt nur um 14.40 und 15.40 Uhr ab Hainbachtal ein von der Nahverkehrsorganisation Offenbach (NiO) eingerichteter Shuttle zur Stadthalle. Dort kommen die Fahrgäste mit den Linien 101 und 104 weiter.

Fußweg durch den Wald

So weit, so gut, doch „das reicht nicht“, findet Awo-Sprecher Rudi Schell. „Unsere Mitarbeiter kommen über den Tag verteilt in mehreren Arbeitsschichten, die können wir leider nicht ändern für die Zeit der Busumleitung.“ Nun bliebe den auch gehbehinderten Mitarbeitern nur der Fußweg durch den Wald. „Das ist weit, und ab Herbst ist es im Wald dunkel.“

Der NiO und die Kreisverkehrsgesellschaft (KVG), die die Linie OF-30 betreibt, sehen jedoch keine Möglichkeit, mehr Verbindungen einzuplanen. Zu groß sei der Betriebsaufwand, wenn etwa der Bus bei jeder Fahrt den Umweg ins Hainbachtal nehmen würde. „Das würde die Fahrtzeit pro Strecke um zehn Minuten erhöhen“, sagt KVG-Verkehrsplaner Klaus Böttcher, „die Anschlüsse zur S-Bahn am Bahnhof Heusenstamm könnten nicht gehalten werden, und wir müssten einen zusätzlichen Bus mit Fahrer auf den Weg bringen.“

Gewaltige Kosten

Gewaltige Kosten entstünden. Und die zu übernehmen ist die KVG nicht bereit. Man habe keine Verpflichtung, die Haltestelle anzufahren, sondern nur eine Verbindung zwischen Heusenstamm und Offenbach zu gewährleisten, heißt es und schiebt die Verantwortung den Offenbacher Verkehrsbetrieben (OVB) zu. Dort wiederum sieht man die KVG in der Pflicht. Ein ganztägiger Shuttle-Verkehr zwischen Hainbachtal und Stadthalle sei auch keine Lösung. „Zu teuer“, erteilt OVB-Sprecherin Christine Wüst-Rocktäschel dieser Überlegung eine Absage.

Beide Verkehrsgesellschaften hatten versucht, Wiesbaden an den Kosten zu beteiligen. Das Land Hessen ist Verursacher der Bauarbeiten. Doch die ÖPNV-Vertreter sind mit diesem Ansinnen abgeblitzt. „Die nüchterne Erkenntnis ist“, so Wüst-Rocktäschel, „dass das Land nicht verpflichtet ist, finanziell einzuspringen.“ Da habe auch das Regierungspräsidium nichts bewirken können.

Rubriklistenbild: © Pixelio.de/Sascha Böhnke

Kommentare