Capitol in Offenbach

Macher im Hintergrund

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Wirkt und werkelt hinter den Kulissen des Capitols: Hausmeister Jochen Treude. „Es ist ein ganz besonderes Haus“, sagt er.

Offenbach - Der Anschaltknopf der Kaffeemaschine ist meist das Erste, was Jochen Treude bedient, wenn er frühmorgens das Erdgeschoss des Hauses betritt. Sie ist fast das wichtigste Utensil im Raum mit der Aufschrift „Technik“. Von Katharina Skalli

Der Mitarbeiter des Capitols arbeitet seit etwa acht Jahren hinter den Kulissen des Veranstaltungshauses und weiß, wie man auch nachts, am Wochenende oder frühmorgens einen klaren Kopf behält. Dass er arbeitet, wenn andere schlafen, ist für ihn mittlerweile normal. „Das gehört während der Veranstaltungszeit einfach dazu“, sagt er. Sein Leben folgt dem Rhythmus von Tourplänen und Veranstaltungskalendern.

Letztere sind im Winter ordentlich gefüllt. Während seine Kollegen im Saal und auf der Bühne die Spuren der letzten Capitol Classic Lounge beseitigen, geht Jochen Treude das Protokoll für die nächste Veranstaltung durch. Das Unternehmen Fresenius Kabi hat sich mit etwa 300 Gästen für ein Bankett angekündigt. Für Treude und die Umbauhelfer bedeutet das, dem Capitol ein neues Gesicht zu geben. Auf der Bühne werden die Podeste abgebaut, auf denen noch am Abend vorher 100 Sänger und 50 Musiker der Neuen Philharmonie Frankfurt Platz gefunden haben. Die weißen Verkleidungen aus Mollton werden wieder gelöst und die großen Schallsegel abgehängt. Die Stuhlreihen verschwinden und der Boden im Saal wird geputzt und poliert. Auf der Empore bauen die Mitarbeiter Lounge-Landschaften auf, und die hintere Theke im Saal wird zum Buffet. 24 Stunden nachdem die letzten Streichakkorde verklungen sind, erinnert nichts mehr an das Weihnachtskonzert der Philharmoniker. Dann ist das Capitol kein Konzertsaal mehr, sondern eine moderne Veranstaltungsstätte für Unternehmen.

In der Hosentasche von Jochen Treude klingelt sein Handy. Letzte Details müssen besprochen, der Umbau bis ins Kleinste organisiert werden. „Das Meiste passiert, wenn keiner hinschaut“, fasst der gelernte Energieanlagen-Elektriker zusammen. „Kaum einer weiß, was wir hier tun.“ Gäste, Kunden und Veranstaltungsbesucher sehen das Ergebnis: Die schneeweißen Tischdecken, das polierte Besteck und die bunten Spots, das warm erleuchtete Foyer und die akkurat platzierten Stuhlreihen. Die Mannschaft von Capitol-Chefin Birgit von Hellborn arbeitet im Hintergrund. Unauffällig, fast unsichtbar setzen sie das um, was sich der Kunde wünscht. Egal, ob es um einen Winterwald auf der Bühne geht, ein Buffet, das von der Decke schwebt oder Artisten, die unter der Kuppel des Saales an einem Tuch Purzelbäume schlagen.

Renovierungen, Wartungen und Reparaturen

Für Jochen Treude ist vieles Routine, was für andere etwas ganz Besonderes ist. Einfach ist der 53-Jährige nicht zu beeindrucken. Die einzigen Veranstaltungen, die er privat besucht hat, waren ein Konzert von Alice Cooper und ein Auftritt von Otto. Die optimale Lage, das besondere Ambiente, die professionelle Umsetzung und die persönliche Betreuung machen das Capitol auch zu einem perfekten Ort für Business-Veranstaltungen. Und nicht zuletzt der Einfallsreichtum des Technik-Teams im Capitol. „Geht nicht, gibt"s nicht“, sagt Treude. „Lösungen für Probleme zu finden, ist unser Job.“

Außerhalb der Veranstaltungssaison ist das fünfköpfige Technik-Team unter der Leitung von Chris Müller, das auch die Stadthalle betreut, mit Renovierungen, Wartungen und Reparaturen gut beschäftigt. Vieles was erneuert werden muss, machen sie selbst. „Das Capitol ist ein ganz besonderes Haus“, fasst es Treude zusammen und fährt mit seiner großen Hand über die massive Holzplatte eines Stehtisches. Er kann nicht sagen, wie oft er und seine Kollegen die Möbel schon abgebaut, eingelagert und wieder aufgebaut haben. Es spielt auch keine Rolle, denn er macht es immer wieder gern. Auch im neuen Jahr, wenn wieder neue Veranstaltungsprotokolle und Programmpläne auf seinem Schreibtisch landen und umgesetzt werden müssen.

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