Das Capitol als Wartesaal

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Ein „Warm-Up-Mann“ macht Kreisch-Übungen mit den Mädels und stimmt die Jungs, die als Begleiter dabei sind, aufs richtige Gröhlen ein. Erst wenn die Kulisse stimmt, zeichnen die Kameras auf, wie Choreograf Detlef D! Soost und seine Jurykollegen die potentiellen Popstars im Capitol begrüßen.

Offenbach ‐ Sie heißen Melissa, Jessy, Janina oder Jacky. Sie tragen High Heels und sehr enge Tops, sie glitzern um die Wette. Weil ProSieben sich wieder auf die Suche nach neuen Popstars macht, sind sie aus allen Teilen des Landes nach Offenbach gepilgert. Von Barbara Hoven

Im Gepäck nicht nur Lipgloss und Puder, sondern vor allem der Traum, einmal ein Star zu sein. Bei den No Angels hat das damals ja schließlich auch so angefangen.

Der Aufriss für das erste Casting der neuen Staffel, bei der diesmal getreu dem Bandmotto „Girls forever“ ausschließlich weibliche Sanges-talente gefragt sind, ist gewaltig. Seit Donnerstag ist der ProSieben-Tross in Offenbach, rund 70 Leute kümmern sich um Redaktion, Produktion, Aufbau und den reibungslosen Ablauf. Sieben Kamerateams sind rund ums Capitol unterwegs, um die höchsten Freudensprünge, die feuchtesten Tränen und das lauteste Gekreische einzufangen.

Die erste Lektion, die die jungen Damen gestern lernen: Wer Star sein will, muss warten. Schon vor acht Uhr reihen sich die Mädchen in der Kaiserstraße auf, ölen ihre Stimmen mit Energydrinks, einige ziehen nervös an ihren Zigaretten. Wer endlich rein darf, muss erst einen Teilnahmebogen ausfüllen, wird vom Mädchen zur Castingnummer, durchläuft dann stundenlang diverse Etappen. Zwei Minuten wird eine Kandidatin, so sie es denn überhaupt bis vor die Jury schafft und nicht schon im Pre-Casting ausgesiebt wird, am Ende des Tages Zeit gehabt haben, um sich zu verkaufen. „Je nach Talent, bei manchen sieht man schon nach Sekunden, dass es keinen Sinn hat“, sagt ProSieben-Pressemann Frank Wolkenhauer.

Bilder vom Casting

Popstars-Casting im Capitol

Die Jury, das ist auch diesmal Choreograf Detlef D! Soost in Gesellschaft von Musikproduzent Thomas Stein, der früher bei „Deutschland sucht den Superstar“ neben Dieter Bohlen in der Jury saß. Zum ersten Mal komplettiert „Die Happy“-Sängerin Marta Jandová das Trio. Und auch Moderatorin Charlotte Engelhardt lässt sich für die Aufzeichnung in Offenbach blicken.

„Sehr geil, ich hätte nicht gedacht, dass die Stars hier wirklich auftauchen“, schwärmt Sophie. Die 21-jährige Freiburgerin sitz seelenruhig im Foyer und singt sich mit voller Stimme zu Rea Garveys „Hallelujah“-Version warm, die Mutter dient als Notenständer. Dass sich um sie herum sicher hundert Menschen lümmeln, stört die junge Frau überhaupt nicht. Überall streunen stolze Eltern mit Fotoapparaten zwischen Schweinwerfern und Schminktischen herum, halten jeden Schritt, jedes Pudern, jeden Biss ins Brötchen fest. Auch für die 21-jährige Janina mit der Krawatte aus Glitzersteinen ist das Casting eine ernste Sache. Und ihr zweiter Anlauf nach 2009, wo sie´s immerhin ins Fernsehen schaffte. „Popstar zu sein ist mein Traum, die Musik ist mein Leben, meine Liebe“, sagt sie. „Das geb ich nicht auf, nur weil es beim ersten Mal nicht geklappt hat.“

Andere nehmen die Sache locker, wollen wohl nur mal einen Blick auf die Glitzerwelt werfen. „Ich will jetzt wissen, was Sache ist“, motzt eine Blondine bereits um kurz vor Zehn. „Wenn ich eh nicht rein darf, kann ich auch in Ruhe Fußball gucken.“

  • Weil ProSieben zum ersten Mal zwei Casting-Termine in einer Stadt angesetzt hat, kann auch heute bis 18 Uhr in der Goethestraße 1-5 noch sein Glück versuchen, wer weiblich ist, nicht jünger als 16, und meint, über Ausstrahlung und Stimmkraft zu verfügen. Im Fernsehen wird das Casting aus Offenbach wahrscheinlich im August gesendet.

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