Hilfe für Obdachlose

Caritas hofft auf weitere Förderung der Offenbacher Straßenambulanz

Helferinder Caritas-Straßenambulanz versorgt einen Bedürftigen
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Mit ihrem Bus fahren die Helferinnen und Helfer der Caritas-Straßenambulanz verschiedene Punkte in der Stadt an. Kümmern sich dort unter anderem um die medizinische Erstversorgung Obdachloser.

Wenn Magret Schenck und Sonja Döme vormittags gegen 10.30 Uhr in das große rote Auto steigen, wissen sie eigentlich nie, was genau sie an diesem Tag erwartet. „Das kann man eigentlich nie sagen, jeder Tag ist anders“, erzählt Magret Schenck. Sie ist Krankenschwester, wie ihre Kollegin Sonja Döme. Gemeinsam arbeiten sie bei der Straßenambulanz der Caritas, helfen Menschen, die wohnungslos sind oder keine Krankenversicherung haben.

Offenbach - Seit Oktober 2018 läuft das Projekt des Caritasverbands Offenbach, finanziert von der Skala-Initiative und der Glücksspirale. Im Herbst dieses Jahres läuft die Förderung aus, derzeit bemühen sich die beiden Hauptverantwortlichen seitens der Caritas – Projektleiterin Edith Heilos und Bereichsleiterin Anette Bacher – um die Fortführung der Straßenambulanz. Rund 87 700 Euro werden im Jahr für Personalkosten benötigt. Wie wichtig die Arbeit ist, die die beiden Krankenschwestern gemeinsam mit den ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern leisten, das wurde in den vergangenen Jahren mehr als deutlich.

„Gerade im vergangenen Jahr, haben wir gesehen, wie wertvoll die Arbeit ist, als wegen Corona fast alle Hilfsangebote zu waren, nur unsere Schwestern waren unterwegs, um die Leute auf der Straße zu unterstützen“, sagt Anette Bacher. Bei der Caritas ist man stolz darauf, wie sich das Projekt Straßenambulanz entwickelt hat. Seit dem Start verzeichnete man 1200 Patientenkontakte, 180 Menschen nahmen das Angebot in Anspruch.

Montags bis freitags fahren Magret Schenck und Sonja Döme mit Unterstützung von insgesamt 10 Freiwilligen täglich einen anderen Standort im Stadtgebiet an: Mathildenplatz, die Teestube der Diakonie an der Gerberstraße, die Fußgängerzone in der Innenstadt, Martin-Luther-Park, Goetheplatz. Dort unterstützen sie die, die ihre Hilfe brauchen. Es seien viele Menschen mit Migrationshintergrund, denen es bislang nicht gelungen sei, richtig Fuß zu fassen, berichtet Krankenschwester Magret Schenck. „Aber nicht nur.“ Auch Trennungen, Suchtprobleme, persönliche Verluste stecken oft hinter dem Leben auf der Straße.

Bei der Straßenambulanz wird ihnen geholfen, egal ob es die fehlende Krankenversicherung ist, die sie vom Arztbesuch abhält, oder die Scham. Das Caritas-Team versorgt Wunden, misst Blutdruck, vermittelt wenn nötig an Ärzte und gibt Medikamente. Außerdem verteilen die beiden Krankenschwestern und ihre Helferinnen und Helfer frische Kleidung, Schlafsäcke und in Zeiten von Corona auch Masken, unterstützen bei der Körperhygiene. Sie geben aber Ratschläge bei vielen anderen Problemen, die die Menschen umtreiben, informieren über Beratungsangebote und Unterbringungsmöglichkeiten.

„Die Straßenambulanz nimmt dabei eine Brückenfunktion ein“, erläutert Anette Bacher. Und die sei gerade an dieser Stelle so entscheidend. „Diese Leute sind oft sehr scheu, leben versteckt, schämen sich.“ Bei vielen dauert es lange, bis sie vertrauen, Hilfsangebote annehmen, freiwillig wiederkommen. Magret Schenck, Sonja Döme und ihre Mitstreiter haben das in den vergangenen Jahren in vielen Fällen geschafft. Mit Beharrlichkeit und Ausdauer. „Oft müssen wir immer wieder auf die Leute zugehen, bis sie sich öffnen“, erzählt Magret Schenck. Aber wenn es sein muss, tun sie auch das.

„Mittlerweile ist es auch so, dass Passanten uns Bescheid geben, wenn sie Obdachlose sehen, eventuell Hilfe brauchen“, erzählt Edith Heilos. Einmal zum Beispiel seien sie auf eine junge Familie mit Kleinkind aufmerksam gemacht worden, die in einem Verschlag an der Bahnstrecke gehaust hätten. Das Team machte sich auf, suchte und fand die Familie, half ihnen bei Verwandten unterzukommen.

Kein Fall ist wie der andere, die Helfer wissen nie so richtig, was auf sie zukommt. Dennoch konnten sie seitdem der rote Bus durchs Stadtgebiet rollt, vielen helfen. „Das gibt einem auch wahnsinnig viel“, sagt Magret Schenck. Auch wenn der Job natürlich fordernd sei, gerade in Corona-Zeiten, wo durch die verschärften Hygienemaßnahmen zusätzlich Arbeit anfällt. Mittlerweile sind die Straßenambulanz-Schwestern aber zumindest geimpft. Eine Erleichterung für ihre alltägliche Arbeit, bei der es auf Nähe ankommt, nicht auf Distanz.

Infos im Internet unter caritas-offenbach.de.

Von Lena Jochum

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