Den Blick auch zu den Mitarbeitern wenden

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Verabschiedung und Begrüßung: Heinz-Martin Hofmann (rechts) geht als Offenbacher Caritasdirektor, Michael Klein (Mitte) ersetzt ihn an der Seite von Bernd Bleines (links). Der Segen kommt von Dekan Michael Kunze (Zweiter von links) und Prälat Hans-Jürgen Eberhardt.

Offenbach - Als Beate Winnige, Leiterin der Sozialstation in Rödermark, dem scheidenden Caritasdirektor Heinz-Martin Hofmann ein mit seinem Namen bedrucktes Kickers-Trikot schenkt, schaut der nicht unbedingt euphorisch drein. Schließlich ist Hofmann Anhänger von Mainz 05. Von Stefan Mangold

Aber ein Mann der Caritas müsse sich auch mit denen identifizieren, die weiter unten stünden, erläutert Winnige ihr Geschenk. Nach dem Abschieds-Gottesdienst an der Schumannstraße dankt Offenbachs Dekan Michael Kunze am Montag auch Hofmanns Gattin Elisabeth. „Sie musste sich bestimmt so manchen Bericht über Ärger bei der Arbeit nach Feierabend anhören“, vermutet der Priester. Kunze nutzt die Gelegenheit, vor zahlreichen Gästen den Zweck der Caritas zu betonen. Sie verrichte ihre Arbeit nicht nur aus dem Geist der Humanität, sondern auch, „weil wir uns dem Auftrag von Jesus Christus verpflichtet fühlen“.

Seit 1996 arbeitet Hofmann, der als gelernter Sozialversicherungsfachmann in Freiburg Anfang der 70er Jahre Sozialwesen studierte, beim Verband in Offenbach – zu Beginn als Dienststellenleiter des angegliederten Kreises Groß-Gerau, bis ihn der Chef der Diözese, der Mainzer Kardinal Karl Lehmann, 2004 zum Direktor beförderte.

„Mehr Mitsprache hätten wir uns manchmal gewünscht“

Barbara Kremer, Vertreterin der Arbeitnehmer, deutet in ihren Abschiedsworten an, was Dekan Kunze gemeint haben könnte, als er von anstrengenden Momenten für den scheidenden Direktor während dessen achtjähriger Dienstzeit sprach. „Sie haben es schwer mit uns gehabt, aber wir auch mit Ihnen“, resümiert Kremer Hofmanns Dienstzeit: „Mehr Mitsprache hätten wir uns manchmal gewünscht.“

Worin Nachfolger Michael Klein ein erfüllbares Anliegen sehen könnte. Für ihn definiert sich die Caritas nicht nur darin, „sich um Menschen zu kümmern, die Hilfe brauchen“. Sie sei nicht nur ein Arbeitgeber, „der tariftreu bezahlt“, sondern habe aus dem christlichen Selbstverständnis auch den Anspruch, „auf die persönlichen Bedürfnisse der Mitarbeiter einzugehen“. Ein Anliegen, das, wie er meint, den Sozialverband von den meisten Unternehmen in der Wirtschaft unterscheidet.

Diplomkaufmann in der Einarbeitungsphase

Seit zehn Jahren lebt Klein mit seiner Frau Barbara in Tempelsee, obwohl er zuvor in Darmstadt bei der „Mission Leben“ arbeitete. Er kommt aus Fulda, seine Frau aus Darmstadt: „So haben wir unseren Sitz ungefähr in die Mitte gelegt.“ Wie es sich anfühlt, anderen in der Not zu helfen, kennt Klein von Jugend an. Als Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr seiner Heimat sah er früh konkretes Leid.

Im Moment befindet sich der Diplomkaufmann in der Einarbeitungsphase. Ende des Monats verabschiedet sich Heinz-Martin Hofmann in den Ruhestand, und Michael Klein übernimmt offiziell das Zepter über 500 Mitarbeiter in Pflege und Gesundheit. Bei denen scheint ihm ein guter Start gelungen zu sein. „Ein schnuckliger Kerl“, kommentiert eine Angestellte.

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