Carrée-Konzept gescheitert

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Miete nicht mehr bezahlt: Seit Dienstag ist das Carrée geschlossen.

Offenbach - Es sollte ein „gastronomisches Aushängeschild“ werden, garniert mit der Idee eines „Renditeobjekts für lokale Anleger“. Das Konzept ging indes nur ein Jahr auf: Das „Carrée“, ein Café und Restaurant in bester City-Lage an der Berliner Straße, ist seit Dienstag dicht. Von Matthias Dahmer

Weil die Betreiber mehrere Monate mit ihren Mietzahlungen im Rückstand gewesen seien, habe er ihnen fristlos gekündigt, sagte Vermieter Matthias Winter auf Anfrage unserer Zeitung. Einen Nachfolger gibt es noch nicht. Er werde sich nun in Ruhe Gedanken machen, wie es weitergehen solle, so Winter. Angesichts der zentralen Lage der Immobilie müsse dabei auch beachtet werden, was der Stadt gut tue. So kann sich Winter kaum die Filiale eines Hamburger-Bräters dort vorstellen.

Die beiden Betreiber Raoul Flauaus und Patrick Krämer waren Ende Juli 2008 in dem Flachbau an S-Bahn-Ausgang und Französisch-reformierter Kirche eingestiegen. Zuvor hatten dort fünf Jahre lang die Köksel-Brüder das „ZO“ betrieben, bevor sie mit ihrem Gastro-Imperium Insolvenz anmeldeten.

Flauaus und Krämer, die am Dienstag und gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen waren, setzten auf ein Konzept aus qualitativ hochwertigem Restaurantangebot und Renditeobjekt: Es richtete sich an einen ausgewählten Kreis von Offenbachern, die 2 000 bis 5 000 Euro übrig hatten, um sie ins Carrée zu stecken; mit einer Verzinsung von zehn Prozent bei einer Laufzeit von fünfeinhalb Jahren plus einem Essensgutschein über 100 bis 250 Euro.

Das ambitionierte Angebot schmeckte offenbar nicht so vielen Leuten wie gedacht. „Die Umsätze stimmten nicht“, nannte Vermieter Matthias Winter den Grund, warum es im Carrée nicht rund lief. Dass es nicht florierte, habe man schon an der Außenbewirtschaftung erkennen können. Ursprünglich für mehr als 100 Gäste konzipiert, sei Mobiliar nur für rund 40 Besucher gestellt gewesen. Als den Betreibern ein potenzieller Geldgeber abgesprungen sei, so Winter weiter, habe es Gespräche gegeben, ob er mit frischem Geld einsteigen solle, was aber letztendlich nicht passierte. Damit das Lokal nicht so lange leer steht, hat der Immobilien-Eigner den Betreibern sogar angeboten, bis ein Nachfolger gefunden ist, auf die Miete zu verzichten und lediglich die Nebenkosten zu verlangen. „Selbst das konnten sie nicht mehr zahlen“, so Winter.

Für Oberbürgermeister Horst Schneider ist die Carrée-Pleite zwar eine „befürchtete Hiobsbotschaft“. Doch das schmälert seine optimistische Sicht aufs ganze Viertel nicht. Gar von einer hohen gastronomischen Fluktuation dort zu sprechen, hält der Verwaltungschef für übertrieben. Ein Italiener, ein Vietnamese, das Mittagsbuffet im Sheraton und dazu mit dem ehemaligen Carrée eine „architektonische Perle in 1a-Lage“, wo ohne Zweifel bald ein Nachfolger gefunden sei - für Schneider alles Beispiele dafür, dass es im Kultur-Karree pulsiert.

Abstriche muss indes die Initiative Jazz-Session machen. Die Berliner Straße 109 war für die Jazzer bislang einmal im Monat feste Adresse für Konzerte. „Wir hoffen, dass es gastronomisch weitergeht“, sagte Hans-Jörg André, Gründungsmitglied der Initiative. Einen echten Engpass befürchtet er bis dahin nicht. Zum einen ist jetzt Sommerpause, zum anderen gibt es als Session-Ort noch die Lounge im alten Schlachthof.

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