Grimme-Preis-Nominierung

TV-Oscar für Offenbacher Carsten Strauch?

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Der Filmemacher vor der prägenden Kulisse des Isenburger Schlosses: Offenbach ist Carsten Strauchs Heimat und bleibt eine seiner Wirkungsstätten.

Offenbach - „Hallöchen, hier sind Inge und Renate. Und wir sind Gott.“ So provokant beginnt jede Folge von „Götter wie wir“, die der Offenbacher Schauspieler, Regisseur und Filmemacher Carsten Strauch produziert hat. Von Klaus Ackermann

Die Fernsehparodie über Gott und die Welt war bei ihrer Erstausstrahlung in ZDFkultur ein Hit. Dass der digitale Spartenkanal aus Spargründen eingestellt werden soll, ist eine Pointe. Immerhin ist die Strauch-Comedy für den deutschen TV-Oscar, den renommierten Grimme-Preis, nominiert, der am kommenden Freitag verliehen wird.

Adrett sind sie anzuschauen, die Gottheiten Inge und Renate – Rainer Ewerrien (mit Nina Werth, Co-Autor) und Carsten Strauch –, aus dem Nähkästchen über ihre Schöpfung plaudernd, mit der sie so gar nicht zufrieden sind. Schon in der ersten der sechs Folgen kommt die fatale göttliche Erkenntnis im schönsten Sächsisch und Südhessisch: „Der Mensch macht viel Dreck!“

Satire entsteht, weil es auf himmlischer Ebene herrlich menschelt. Gott kennt keinen Feierabend. Und in der Hölle ist der Teufel los, der eine Quotenregelung verlangt. Zu viele Immobilienhändler und Volksmusikanten – um nur zwei von vielen Feindbildern der TV-Komödianten zu nennen. Auch der Vatikan gehört dazu. Hat er doch den neuerlich auf der Erde wandelnden Jesus wieder nach oben geschickt. In Person des Kulturmoderators Dieter Moor („Titel, Thesen, Temperamente“, ARD), der selbst als Kardinal eine stattliche Erscheinung ist und Jesus glatt abwimmelt: „Versuchen Sie es doch mal bei einer anderen Religion.“ Wie überhaupt sich Fernseh-Lieblinge nicht zu schade sind für einen Kurzauftritt.

Christoph Maria Herbst mit Kurzauftritt

Christoph Maria Herbst, als „Stromberg“ ein echtes Ekelpaket, ist ein zorniger Pharao. Oder Oliver Welke, Frontmann der gerade von Zuschauern zur besten ZDF-Sendung der vergangenen 50 Jahre gewählten „heute show“, als Wetteranbieter Lothar. Der macht zwar mit seinem Sorglos-Paket Petrus arbeitslos, ist aber bei göttlichen Anfragen übers Ozonloch nicht zu sprechen. Kein Wunder, dass Inge und Renate final mit ihrem Bodenpersonal hadern. „Die Menschheit an sich müsste man sanieren...“

„Kardinal“ Dieter Moor wimmelt sogar Jesus ab.

Zu der Idee, dass Gott von oben erschaut, was bei der Menschheit alles schief läuft, kam Strauch über Umwege. Mit Ewerrien hatte er in Sketchen die Frauenrollen erprobt, in einer Telefonzentrale kommentierend, was auf der Welt passiert. Mit Dialekt arbeite er gern, weil die regionale Farbe authentischer wirke. Er verweist auf sein Vorbild, die britische Comedy. Je selbstverständlicher die Figuren seien, umso ernster würden sie genommen – was letztlich ein großer Spaß ist.

Parodie auf religiöse Fundamente

Am Anfang stand das von Werth, Strauch und Ewerrien erarbeitete Gerüst, dann hat jeder allein das Drehbuch zu den diversen Folgen geschrieben. Weit mehr als 1000 Einstellungen hat das Team in fünf Wochen in einem Studio in Berlin-Spandau abgedreht. Ein Jahr lang dauerte die digitale Überarbeitung am Computer bei Magna Mana Production in Frankfurt. Dass er bibelfest sei, weist Strauch amüsiert von sich. Natürlich habe er ein Basiswissen, der Rest sei Wikipedia.

Der Chef weist an.

Dass eine Parodie auf religiöse Fundamente massive Proteste zeitigt, damit müssen Filmkomiker leben. Vor allem evangelikale Gruppen hätten Druck auf den öffentlich-rechtlichen Sender ausgeübt. Doch gab es auch Zuspruch von christlicher Seite. Eine Ordensschwester habe die Serie, mittlerweile als DVD erhältlich, sogar im Religionsunterricht genutzt, so Strauch. Und auf der Facebook-Seite von „Götter wie wir“ wird heftig diskutiert. Bei Fans sind Inge und Renate Kult , werden gar zu religiösen Themen befragt.

Seine Familie stehe hundertprozentig hinter ihm, so Strauch. Für die TV-Serie hat sie Baumaterial gesponsert. Filmen ist zwar der Hauptberuf des Albert-Schweitzer-Abiturienten und Absolventen der HfG (Visuelle Kommunikation), der seit seinem Kurzfilm-Debüt „Das Taschenorgan“ (2000, im HR gelaufen) nationale und internationale Preise sammelt wie andere Leute Briefmarken. Auch als Regisseur und mit Schauspielerei ist Strauch gut im Geschäft, vielfach ausgezeichnet, zwischen Offenbach, Berlin und Frankfurt pendelnd.

Immer gibt es neue Ideen und Projekte. Und das ist Ehrensache: Darüber wird erst gesprochen, wenn sie bestätigt sind. Die Fortsetzung von „Götter wie wir“ steht noch in den Sternen. Doch zunächst hofft Carsten Strauch auf eine in Aussicht gestellte Zweitauflage im ZDF.

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