„Nicht überdimensioniert“

Offenbach - Die Oberurseler Unternehmensgruppe Casa Reha ist überraschend abgesprungen, dennoch wird das große, neue Pflegeheim am Spessartring im Frühjahr eröffnet. Der Investor konnte kurzfristig einen anderen namhaften Träger aus Berlin gewinnen.  Von Fabian El Cheikh

Über die genauen Gründe wurde Stillschweigen vereinbart. Eines aber betonen beide Seiten: Sie seien einvernehmlich auseinandergegangen.

Überraschend hat sich die Oberurseler Unternehmensgruppe Casa Reha von den ursprünglichen Plänen verabschiedet, das neue Seniorenpflegeheim am Spessartring zu betreiben. Es handelt sich dabei um den dritten Neubau eines Altenheims in Offenbach innerhalb von nur zwei Jahren.

Schon wurde spekuliert, die Oberurseler bewerteten die Marktsituation neu, bliesen zum Rückzug angesichts eines von Experten und der städtischen Altenplanerin Heidi Weinrich immer wieder kritisierten Überangebots an Pflegeplätzen in Offenbach. Das will Casa Reha-Sprecher Ralf Krenzin so nicht bestätigen, sieht er das Pflegeangebot in den modernen Häusern seines Unternehmens doch als wirtschaftlich erfolgreiche Ergänzung zu älteren schon bestehenden Einrichtungen. Aber: Die eigene Zielsetzung sei am Spessartring nicht erreicht worden. „Wir haben hohe Anforderungen und architektonische Ansprüche und wollen eine angenehme Umgebung für unsere Bewohner, aber auch unser Personal“, gibt er sich unverbindlich.

Ursprüngliche Eröffnung verzögert sich

Kritik an einem überdimensionierten Objekt mit 164 Betten weist der Bauherr, die Care-Center Invest GmbH aus Hannover, namentlich Thomas Zethin, weit von sich: „Es ist ein sehr schönes Haus geworden, das mit einer überdurchschnittlichen Gebäudetiefe sehr großzügig gestaltet ist.“ Aus seiner Sicht haben Verzögerungen, bedingt auch durch den Beinahe-Unfall mit einem gekippten Kranund anschließendem zweimonatigem Baustopp, zum Rückzug von Casa Reha geführt: „Wir sind nicht schnell genug fertig geworden.“ Ursprünglich sei die Eröffnung in der ersten Jahreshälfte 2012 vorgesehen gewesen.

Für Thomas Zethin ist das ohnehin Schnee von gestern, auf einer Bauruine sieht er sich nicht sitzenbleiben. Im eigenen Optimismus bestätigt („Jede Immobilie findet ihren Käufer, hier Mieter!“) kann er bereits einen neuen namhaften Träger des Seniorenheims verkünden: die Vitanas Unternehmensgruppe aus Berlin, die seit mehr als 40 Jahren bundesweit Pflegeheime betreibt und das hiesige Haus im Februar oder März eröffnen will.

Offenbach hat noch Potential

Auch Vitanas sieht noch Potenzial am Standort Offenbach, wie der Leiter des Regionalbüros in Nürnberg, Joachim Müller, unterstreicht: „Die Demografie wird sich weiter verschieben. Offenbach wächst, während es im Umland zum Teil eine Unterversorgung an Pflegeplätzen gibt.“ Der Standort am früheren Schlachthofgelände und in unmittelbarer Nachbarschaft zum Betreuten Wohnen der Arbeiterwohlfahrt gefalle ihm „sehr gut“.

Mit der Arbeiterwohlfahrt will Vitanas eng zusammenarbeiten, außerdem das neue Haus für die Offenbacher Bevölkerung öffnen. „Wir können uns dort externe Veranstaltungen vorstellen, aber auch, dass Klienten des Betreuten Wohnens später einmal in die stationäre Betreuung zu uns wechseln, ohne ihre Umgebung verlassen zu müssen.“ Müller spricht vom „vertrauten Kiez“ und einer „runden Versorgung“, lobt die geografische Lage an renaturiertem Hainbach und Grüngürtel. „Schön wäre es auch, dort mal eine Art von Straßenfest zu etablieren“, meint Müller, wieder fällt das Wort „Kiez“.

Doch auch für den neuen Träger muss der Investor noch einmal die Handwerker kommen lassen. So wird er auf Wunsch von Vitanas Verwaltungsräume und Empfangsbereich im Neubau an die modernen konzeptionellen Vorstellungen der Berliner anpassen. Es bleibt bei 164 Betten, 90 Prozent der Zimmer werden Einzelzimmer sein, für Wohngruppen mit Demenzkranken soll aber zunächst nur eine statt zwei Etagen eingerichtet werden. Von der Dachterrasse genießen die Bewohner einen Blick auf Frankfurts Skyline, in Gemeinschaftsräumen finden sie Gesellschaft.

Die Eröffnung ist für Februar oder März 2013 vorgesehen. Gemietet hat Vitanas das Heim auf 20 Jahre. Es soll fortan aber nicht mehr unter dem Casa Reha-Arbeitstitel „Lilihof“ firmieren, sondern „Vitanas Seniorencentrum Am Hainbach“ heißen.

Rubriklistenbild: © dpa

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