Grüne wollen Religionsfreiheit wahren

Kontroverse um Schleier

+
In Afghanistan tragen streng gläubige Frauen blaue Burkas. Die schwarze Nikab ist eher in Saudi-Arabien verbreitet.

Offenbach - Der Europäische Gerichtshof hat entschieden: Frankreichs Burka-Verbot verstößt nicht gegen die Menschenrechte. Das gibt Verschleierungs-Kritikern in Europa neuen Auftrieb. Von Sarah Neder

Kürzlich forderte der Heusenstammer CDU-Landtagsabgeordnete Ismail Tipi ein Gesetz gegen die Ganzkörperverhüllung. Unterstützung erhält er vom Offenbacher CDU-Fraktionsvorsitzenden Peter Freier. Eine Burka ist ein wallendes Gewand, das Körper und Gesicht vollständig verhüllt. Die Frauen nehmen ihre Umwelt durch ein schmales Stoffgitter wahr. Fehlt dieses, handelt es sich strenggenommen nicht um eine Burka, sondern um den „Nikab“ genannten Ganzkörperschleier mit Sehschlitz. Manche Gläubige tragen zusätzlich Handschuhe und geschlossenes Schuhwerk.

Basak Taylan von den Offenbacher Grünen ist Mitglied der Kommission zur Gleichstellung der Frau. Problematisch an der Burka-Debatte findet sie vor allem die Pauschalisierungen: „Nicht jede Frau, die eine Burka trägt, wurde dazu gezwungen.“ Für viele sei es eine bewusste Entscheidung. Ein Gesetz gegen die Burka bedeute demnach einen radikalen Einschnitt in die Religionsfreiheit. Und Frauen, die zur Verschleierung gezwungen würden, so Taylan, könne man mit Verboten nicht helfen. „Das ist der falsche Ansatz.“ Vielmehr müsse man einen gesellschaftlichen Nährboden für Gleichberechtigung schaffen, so die Grünen-Stadtverordnete.

Die Meinung der CDU, Burka-Trägerinnen könnten als Bedrohung empfunden werden, weist Taylan zurück: „Klar, es ist für das Miteinander schöner, wenn Menschen sich zu erkennen geben. Aber wenn nicht, geht von ihnen doch keine Gefahr aus.“ Die Diskussion beweise nur, welcher Aufklärungsbedarf in Deutschland vorhanden sei. Das Land Hessen hat schon ein Verbot erlassen: Seit 2011 dürfen Mitarbeiterinnen im Öffentlichen Dienst keine Burka tragen.

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion