Rare Ware reicht acht Tage

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Tanz war Trumpf, Mitsingen mit Sänger Motti Shitrit möglich bei der fröhlichen Chanukkafeier am Rathaus. Zuvor war der Leuchter entzündet worden.

Offenbach - „Fröhliches Chanukka Offenbach am Main“ stand gelb auf roten Schals, die gratis ausgegeben und gern getragen wurden. Mehr als 100 Menschen hatten sich am Donnerstagabend auf der Rathaus-Nordseite eingefunden. Von Markus Terharn 

„Kommen Sie bitte vor“, forderte Rabbiner Mendel Gurewitz sie auf. Gute Tradition ist, dass die ersten Lichter am Chanukkaleuchter vom geistlichen Oberhaupt der Jüdischen Gemeinde und vom weltlichen Chef der Stadt gemeinsam entzündet werden. Diesmal begrüßte Oberbürgermeister Horst Schneider ein zu bundesweiter Bekanntheit gelangtes Mitglied des Gemeindevorstands: Mark Dainow, seit Kurzem einer der beiden Vizepräsidenten im Zentralrat der Juden in Deutschland. „Wir sind sehr stolz, dass du die Stadt so prominent vertrittst“, wandte sich der OB an seinen Duzfreund. Der bedankte sich und sagte: „Ich hoffe, dass ich für die Stadt noch viel bewirken kann.“

Für Schneider passt das jüdische Fest in die multikulturelle Stadt. Ohne auf Ereignisse wie den Rücktritt des Stadtschulsprechers Max Moses Bonifer wegen antisemitischer Anpöbeleien explizit einzugehen, erteilte er eine klare Absage an Nationalismus, Rechtsextremismus sowie andere Erscheinungsformen der Intoleranz. Es war eine Botschaft, die auch die Mitgestalter unterschreiben konnten: Kulturbüro, Amt für Kulturmanagement sowie Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit.

Rabbi Gurewitz erinnerte an den Ursprung des Festes: Nachdem fremde Truppen Judäa besetzt und den Tempel zu Jerusalem geschändet hatten, musste dieser neu geweiht werden. Schon damals war Öl eine rare Ware. Doch ein Wunder geschah, und der Vorrat, eigentlich nur für einen Tag ausreichend, genügte für acht Tage. Dieses Jahr fallen sie auf die Zeit vom 17. bis 24. Dezember. „Es ist ein fröhliches Fest“, betonte Gurewitz und wünschte viel Spaß, ehe er mit Schneider erste Lichter aufsteckte.

An einem Stand servierten freundliche Damen frische Krapfen gegen den Hunger, Tee und Wodka gegen die Kälte. Dann wurde der Willy-Brandt-Platz zum Tanzboden: Sänger Motti Shitrit schnappte sich das Mikro und stimmte in hebräischer Sprache Lieder an, bei denen Unkundige nur das Wort „Chanukka“ verstanden. Der Rhythmus ging indes allen in die Beine. Viele klatschten begeistert mit; Frauen und Kinder reihten sich zum Tanz. Ja, es war ein sehr fröhliches Fest!

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