Charme der Selbsthilfe

Offenbach - Es ist eines jener Förderprogramme, bei denen man sich zunächst fragt, ob das wirklich gut angelegtes Geld ist: Insgesamt 600 000 Euro erhält die Stadt Offenbach von Bund und EU, um in den nächsten drei Jahren in der östlichen Innenstadt und im Nordend benachteiligten Jugendlichen und Frauen zu helfen, „Menschen, die von keinem anderen Programm erreicht werden“, wie Bürgermeisterin Birgit Simon gestern bei der Vorstellung des Projekts im Rathaus erklärte. Von Matthias Dahmer

„Stärken vor Ort“, so dessen Name, ersetzt das mittlerweile ausgelaufene Förderprogramm LOS (Lokales Kapital für soziale Zwecke), mit dem in den vergangenen Jahren bereits in der östlichen Innenstadt gearbeitet wurde.

Dass das frische Geld was bringt, die eingangs formulierte Skepsis unangebracht ist, daran haben die Bürgermeisterin sowie Agnes Thölking und Claudia Kaufmann-Reis vom Jugendamt keinen Zweifel. Frauen mit Migrationshintergrund, die das Abitur nachgeholt haben, zunächst kaum interessierte Mütter und Väter, die mittlerweile im Stadtelternbeirat sitzen, Netzwerke, die geknüpft wurden - nennen sie gelungene LOS-Beispiele.

„Stärken vor Ort“ soll nun ähnliche Erfolg bescheren. Das Charmante dieses Programms ist, so Kaufmann-Reis, nicht das Jugendamt erhält das Geld, sondern der Initiator des jeweiligen Projekts verfügt darüber. „Es sollen Aktivierungsanreize zur Selbsthilfe geschaffen werden“, ergänzt Bürgermeisterin Birgit Simon. Mehr als 30 Ideen sind laut Agnes Thölking aus den beiden Fördergebieten schon eingegangen, für einige hat ein eigens installierter Begleitausschuss bereits grünes Licht gegeben.

Wer Vorschläge für Projekte hat oder sich über das Programm „Stärken vor Ort“ informieren möchte - Ansprechpartnerin im Jugendamt ist Agnes Thölking, 8065-4332; agnes.thoelking@offenbach.de

So ist ein interkulturelles Lerncafé in Trägerschaft der Awo geplant, an der Schillerschule soll sich ein Kompetenz-Center um Schüler kümmern, die abzustürzen drohen, und eine Lernwerkstatt für Frauen will Migrantinnen Perspektiven auf dem Weg in die Arbeitswelt bieten.
Pro Mikroprojekt in freier Trägerschaft werden maximal 10 000 Euro bewilligt. Initiatoren der Vorhaben können Vereine, Schulen, Unternehmen oder auch Einzelpersonen sein.

Das Programm ist auf drei Jahre ausgelegt. Pro Förderjahr fließen 100 000 Euro in den beteiligten Stadtteil, der Eigenanteil Offenbachs liegt bei jeweils 25 000 Euro.

Jugendamtschef Hermann Dorenburg sieht einen weiteren positiven Effekt des Programms: „Es zwingt uns Bürokraten, sich mit Menschen auseinander zu setzen, die bislang für uns nur eine statistische Größe waren.“

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