Wo die Chemie stimmt

Offenbach (db) - In der Kulturregion Frankfurt-Rhein-Main stehen die diesjährigen Tage der Industriekultur unter dem Motto „Hier stimmt die Chemie“.

Der thematisch passende Aktionstag von Stadtentwicklern und Volkshochschule (Vhs) Offenbach legt am Samstag den Fokus auf die chemische Industrie. Titel: „Offenbacher Farben: Die Geschichte der chemischen Industrie in Offenbach“ auf dem Gelände der Firma Allessa.

Das chemische Farbwerk in Offenbach hat nach knapp 170-jähriger Geschichte im vergangenen Jahr die Produktion eingestellt. In diesem Zusammenhang schenkt die Firma Allessa der Stadt Offenbach das werkseigene Museum, nachdem es zu den Tagen der Industriekultur 2011 der Öffentlichkeit letztmalig am Standort zugänglich gemacht wird. Um 11 Uhr wird das Museum vom Allessa-Vorstand an Oberbürgermeister Horst Schneider übergeben. Gegen 11.30 Uhr spricht dann die Vhs-Dozentin Christina Uslular-Thiele über die bewegte Geschichte des Werks Offenbachs, von Dr. Sell bis zu Allessa.

Ergänzend führt die Kunsthistorikerin dann gegen 12.15 Uhr mit bauhistorischen Erläuterungen durch das Verwaltungsgebäude an der Mainstraße. Und um 14 Uhr wird die Veranstaltung mit Winfried B. Sahms Lesung „Das allerwichtigste ist die teure, furchtbar gefährliche Salzsäure“ - Eine lyrische Experimentierstunde“ abgerundet. Der Eintritt aufs Gelände (Werksmuseum, Mainstraße 169, Gebäude Nr. 120) ist frei.

Für Sonntag, 11 Uhr, lädt dann Werner Kempf zur Führung „Offenbacher Industriegeschichte unter besonderer Berücksichtigung der Chemiebetriebe“ ins Haus der Stadtgeschichte (Herrnstraße) ein. Im Wirtschaftsleben der Stadt Offenbach am Main spielte die Chemieindustrie im 19. Jahrhundert eine wichtige Rolle.

Die Firma Schramm beispielsweise nahm bereits anno 1810 die Lackproduktion auf. Gegründet wurde das Unternehmen von Christoph Schramm. Er hatte seine Manufaktur zunächst im Großen Biergrund, später in der Sandgasse. Damals fertigte er Silberwaren, Puppen- und Pfeifenköpfe an, die mit Firnis veredelt wurden. Die von ihm gedrechselten Rauchutensilien oder Spielwaren überzog er zum Schutz mit glänzendem Lack, den er selbst herstellte. Bald rentierte sich die Produktion der Lacke mehr als die Drechselarbeiten.

Und noch eine Firma hat ihren Ursprung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts: 1842 nahm das Teerfarbenwerk Oehler, gegründet von den Chemikern Dr. Ernst Sell und Karl Gottlieb Reinhard Oehler, seinen Betrieb auf. Es destillierte aus Teer Farbe. Die Firma avancierte zum ersten selbstständigen Hersteller von Asphaltprodukten in Deutschland. Im Jahr 1905 verkaufte dann der Sohn des Firmengründers an die Firma Griesheim-Elektron. Damals lag der Jahresumsatz bei 7,5 Millionen Reichsmark - eine ungeheure Summe für die Verhältnisse im Kaiserreich.

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