China-Abteilung im Ledermuseum

Wege zum Reich der Mitte

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Die kostbaren Exponate des 17. bis 19. Jahrhunderts zeugen von einer Periode wirtschaftlichen Wohlstands in China.

Offenbach - „Wir sind der Ausputzer fürs Deutsche Ledermuseum“, sagt Dr. Thomas Wurzel, Geschäftsführer der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen. Von Reinhold Gries

„Wir kennen die Schwierigkeiten bei der Anschaffungspolitik und fördern deshalb bei der neuen Asien-Abteilung die Einordnung in eine Gesamtkonzeption.“

Guido Braun, Vorstandsvorsitzender der Städtischen Sparkasse, präzisiert bei der Übergabe weiterer 6000 Euro, die einen Teil dessen darstellen, was die Stiftung in den vergangenen zehn Jahren ins DLM fließen ließ: „Wir unterstützen Erhaltung und Sicherung einzigartigen Kulturgutes. Wir sind diesem Museum in Offenbach sehr gewogen, tragen allerdings nicht die Verantwortung.“

Weltweit einzigartiges Museum

Diese liegt im weltweit einzigartigen Museum, seit 1922 Anstalt des öffentlichen Rechts, beim Senat aus Vertretern der Stadt Offenbach, des Landes Hessen und der Wirtschaft. Direktor Christian Rathke schlüsselt auf: „Wir haben keinen eigenen Etat für Ankäufe. Ohne die Kulturstiftung hätten wir keine Kataloge drucken und keine Düncher-Galerie einrichten können. Und nicht Exponate ankaufen, wie das tibetanische Schatzkästchen.“

Die vom Schutzschirm gebremste Stadt hat die Personalkosten für elf feste Mitarbeiter zu stemmen. Dazu kommen viele Ehrenamtler, während das Land Projektkosten trägt. Die Sparkassenförderer wollen bei einem Deutschen Ledermuseum in Zukunft auch den Bund im Boot sitzen haben.

Rathke baut auf Selbsthilfe: „Ohne den Hausmeister als Innengestalter und Konstrukteur für Vitrinen, den tischlernden Magazinverwalter und die Restauratorinnen ginge nichts.“ Der von der Stiftung geförderte neunmonatige Werkvertrag mit einem Sinologen ist wichtig, um Exponate wissenschaftlich einzuordnen.

Am 14. April öffnet die China-Abteilung

Die Spende von Thomas Wurzel (Sparkassen-Kulturstiftung) und Guido Braun (Sparkasse) ist bei Christian Rathke (Ledermuseum, von links) gut angelegt.

Am 14. April öffnet die China-Abteilung als zentraler Baustein zur Dauerausstellung „Asien – China und die Hochkulturen am Rande des Reichs der Mitte“, im September folgt ein Saal zur Mongolei. Damit wird die mit Japan und Tibet neu eröffnete Asien-Abteilung samt Schattentheatersammlung zur Attraktion, die es woanders nicht gibt. Rathke: „In anderen Museen ostasiatischer Kunst stehen Porzellane, Lackarbeiten und Skulpturen im Vordergrund. Uns geht es mehr um Lebensbereiche – oft an Stücken, die nur hier zu sehen sind.“

Die Wege zum Reich der Mitte erhalten 120 Quadratmeter Fläche. „Vieles war im Magazin, oft seit Gründung 1917. Diese Kultfigur habe ich zwischen Schaufensterpuppen entdeckt“, sagt Rathke, seinen Weg gehend weg vom Sammelsurium hin zur Einbindung des Weltkulturerbes in Zusammenhänge. „In der China-Abteilung zeigen wir an Exponaten des 17. bis 19. Jahrhunderts eine Periode wirtschaftlicher Prosperität, militärischer Stärke und blühender Landwirtschaft. Rückgrat der Renaissance der Künste waren gelehrte Staatsdiener, die sich mit Insignien ihrer repräsentativen Existenz umgaben.“

Merkels China-Reise in Bildern

Merkels China-Reise in Bildern

Derlei Würdezeichen wurden in kostbar rotlackierten, mit Lederprägung und Lackschnitt versehenen Hüllen aufbewahrt und zu offiziellen Anlässen aus Futteralen und Schatztruhen geholt. Das DLM zeigt ringförmige Etuis für Mandarin-Hofketten, kegelförmige Hutkästen für zeremonielle Kopfbedeckungen oder „Drachenrollen“ für Rollbilder, Kalligrafien und dienstliche Schriftstücke. Auf einem Tisch ist das Werkzeug eines Beamten ausgebreitet. Papier, Pinsel und Tusche liegen neben dekorativen Behältern, Urkunden und Akten. Daneben stehen zwei Sessel, die Heinrich Böll gehörten.

Dazu kommen spektakuläre Stücke wie ein bemaltes, 1,7 mal 2,1 Meter großes Fragment eines Qianlong-Festzeltes aus Schafsleder. Dessen Päonien, Schmetterlinge und Fledermäuse leiten zur vier Meter breiten Stickerei auf Seide, auf der sich Generäle mit Beamten und Knoten mischen. Das kontrastiert mit eleganten Spiegelkästchen von Hofdamen, einer Tempelfigur der Ming-Dynastie oder der Kalligrafie von Li Tai Bo. Vis-à-vis zu Paneelen aus dem Pavillon des Gelehrten leuchten Schattenspiele der Stiftung Luise Thomae auf. Hinter Exponaten stehen konfuzianische Ideale: Mehr sein als scheinen, Maß halten, eine Kultur der Gegenseitigkeit unter Gleichgestellten pflegen. Das ist förderwürdig.

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