Männer dringend gesucht

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Das Bild täuscht: Die Herren (mit Chorleiter Peter Krausch am Flügel) sind praktisch vollzählig versammelt, die Damen dagegen nur zum allerkleinsten Teil.

Offenbach - Neue Männer braucht der Chor: Dieses Problem haben die Just Harmonists nicht für sich gepachtet. Ein Alleinstellungsmerkmal besitzt das Ensemble dagegen als Offenbachs einziger Rock- und Popchor. Von Markus Terharn

Auch in lokalpatriotischer Hinsicht lassen sich die 30 Mitglieder nicht lumpen: Unvergessen ist ihr Programm „Ach wie schee is Offebach“, das sie vergangenes Jahr in der frei-religiösen Gemeinde aufführten. Und da setzen Vorsitzende Ingrid Ortmann sowie Stellvertreter Axel Künkel an. Sie bauen darauf, dass dieses ungewöhnliche Konzept andere Offenbacher anlockt. Denn die viele Arbeit soll nicht in einer einmaligen Aufführung verklungen sein. Künkel: „In Teilen zumindest würden wir das Programm gern noch ein paarmal bringen.“ Er denkt zum Beispiel an einen Auftritt in der österreichischen Partnerstadt Mödling, quasi als Botschafter Offenbachs, aber auch in Frankfurt oder erneut in der Lederstadt.

Denn die Just Harmonists vermitteln ein schönes Bild. Aufnahmen von Wilhelmsplatz oder Wetterpark, Capitol oder Kickersstadion, als bunte Diaschau gezeigt, sind in Bezug zu Liedern gesetzt. Verbindende Texte babbeln „Wilma“ (Manuela Schwing) und „Hebbert“ (Achim Ortmann) in breitem Dialekt. Bei der Uraufführung kam das prima an. „Und zwar über drei Generationen hinweg“, wie sich Ingrid Ortmann erinnert. „Das war mir gar nicht so bewusst“, sei eine typische Reaktion gewesen. „Auch uns hat es viel Spaß gemacht“, bilanziert die Vorsitzende.

Und daran wollen die Sänger anknüpfen. Idee diesmal: Mit einer Zeitmaschine durch die Musikwelt, auf Reise quer durch die jüngsten Jahrzehnte Rock- und Popgeschichte, mit lokalen Akzenten. Noch steht die Stückauswahl nicht fest. Aber der rührige Dirigent Peter Krausch hat bereits drei Seiten Vorschläge zur Auswahl vorgelegt. Ort der Aufführung ist wieder die frei-religiöse Weihehalle (Schillerplatz), ein großer Saal mit guter Akustik. „Pfarrer Heinrich Keipp hat kein Problem mit weltlichen Liedern“, ist Künkel dankbar. Geplanter Termin ist Samstag, 1. November. Zurück zum Männermangel: Von den 30 Aktiven sind zehn männlich. „Es gibt immer mal Zu- oder Abgänge, aber eigentlich sind wir gut besetzt“, sagt Künkel, selbst Tenor. Problem ist, dass die Frauen und Männer oft allein singen. „Und wenn von drei Bässen nur einer fehlt, hört sich das nicht mehr gut an.“ Der Chor sei deshalb darauf angewiesen, dass immer alle kämen. „Ausfälle sind schwer zu kompensieren.“

Bässe, aber auch Tenöre sind also hochwillkommen. „Auch Frauen können bei unserem Projekt mitmachen – sofern sie einen Mann mitbringen“, scherzt Künkel, der die Öffentlichkeitsarbeit des Chors verantwortet. Er denkt sowohl an solche, die schon früher gesungen haben, als auch an Einsteiger, die es einfach mal versuchen möchten. Das Angebot ist, was man niedrigschwellig nennt: „Sie müssen nicht eintreten, keine Dienste oder Ähnliches verrichten“, hebt Künkel hervor. Noten muss dafür niemand lesen können: Chorleiter Krausch singt alle Stimmen einzeln ein und verteilt sie zum Üben. „Ich bin ja der Meinung, singen kann jeder“, betont Altistin Ortmann.

Wünschenswert wäre, dass die Neuen am Probenwochenende vom 7. bis 9. März in Grebenhain (Vogelsberg) teilnehmen. Das festigt die Gemeinschaft. „Wir sind ein lustiger Haufen, im Schnitt Mitte 40. Aber wir können auch ernsthaft arbeiten“, versichern die Vorsitzenden.

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