Wahl-Offenbacher legt Fantasy-Roman vor

Klischees stehen auf dem Kopf

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Eine homosexuelle Liebesgeschichte, der Verzicht auf gängige Fantasy-Klischees und die Liebe zum Detail sind die Zutaten für Christian Tobias Krugs Debütroman.

Offenbach - Eineinhalb Jahre hat der Offenbacher Christian Tobias Krug an seinem Debütroman geschrieben, seit knapp zwei Monaten ist „Klagelied des Teufels – Raziels Erwachen“ im Handel erhältlich. Von Vanessa Koller und Eva-Maria Lill 

Das düstere, detailverliebte Fantasy-Epos wartet mit einer ungewöhnlicher Liebesgeschichte auf. Ein dunkler Wald, Baumgeflüster, Flügelrascheln; schwarze Schatten auf der Suche nach dem Unbekannten. Das Genre der Fantasy lebt seit jeher von Mythen und Legenden, von Ungesagtem und Schreckgestalten. Mit dem Siegeszug der Harry-Potter-Reihe hat das Märchenhafte eine unerwartete Rückkehr gefeiert. Um an Nachschub für den Schmökerhunger zu kommen, müssen Leser nicht in die Ferne schweifen. Mit Christian Tobias Krug ist die lokale Fantasy-Szene um ein Talent reicher.

Der in Nordrhein-Westfalen geborene Jungautor hat in Frankfurt Soziologie und Sinologie studiert, Auslandserfahrung sammelte er in China. Vor etwa zwei Jahren zog der 27-Jährige nach Offenbach und schätzt dort vor allem lange Spaziergänge und einen Ausflug ins Waldschwimmbad.

Für das Schreiben begeistert sich der Wahl-Offenbacher schon seit der Grundschule. Anfangs verfasste er Märchen, im Jugendalter Kurzgeschichten und Parabeln. An einem umfangreichen Roman versuchte sich Krug bereits mit 13 Jahren: „Ich musste beim späteren Lesen über meine kindlichen Ideen lachen“, erinnert er sich, „außerdem habe ich mich nie so recht getraut, eine Veröffentlichung in Betracht zu ziehen. Ich hatte Angst, dass mir für einen längeren Text das Durchhaltevermögen fehlt.“

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt

Doch wie heißt es so schön: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Mit „Klagelied des Teufels: Erste Strophe – Raziels Erwachen“ legt Krug beim Dead-Soft-Verlag sein Debüt vor. Ein waschechtes Fantasy-Epos, das genre-typisch eine mehrteilige Reihe begründet. Sechs Romane sind geplant, der zweite ist gerade fertig.

Seine Angst vor mangelndem Durchhaltevermögen hat Krug inzwischen verloren: „Man muss jeden Tag ein kleines bisschen schreiben. Egal ob eine Zeile oder eine ganze Seite.“ Am liebsten sitzt er dabei in einem Offenbacher Café. „Hintergrundgeräusche helfen mir beim Arbeiten. Wenn ich allein zu Hause bin, verliere ich schnell die Lust.“

Die Liebe zur Fantasy kommt nicht von ungefähr: Auch privat schmökert der Jungautor gern. „Vor allem düstere Geschichten, besonders Mystery und Horror.“ Diese Präferenz bemerkt der Genrekenner bereits auf den ersten Seiten von „Klagelied des Teufels“: Mit heiler Welt und kunterbunter Kinder-Fantastik hat der Roman wenig gemein.

„Ich hoffe, die Leser mit meinem Buch zu überraschen“, verrät Krug. Dabei bedient er sich auch aus dem Koffer handelsüblicher Fantasy-Klischees, stellt diese jedoch gehörig auf den Kopf: „Bei mir gibt es kein klares Gut und Böse, keinen eindeutigen Himmel, keine eindeutige Hölle.“

Fantasy und Romanze

Auch inhaltlich präsentiert sich der Debütroman als eine Mischung aus eingängigen Motiven und eher unüblichen Themen. So geht es im Buch nicht allein um einen jahrhundertealten Krieg zwischen Engeln und Dämonen, um Wiedergeburt und Rache, sondern auch um das Erwachsenwerden.

Nicht nur, dass im Innern des Protagonisten Julian die Seele des mächtigen Dämons Raziel schlummert. Zu allem Überfluss ist Julian in seinen besten Freund Kyu-Min verliebt. „Ich wollte gesellschaftskritisch schreiben und habe mich deshalb für eine homosexuelle Liebesgeschichte entschieden. Für mich hat die schwierige und oft heimliche Liebe zwischen zwei Männern etwas Romantisches und fasziniert daher besonders“, erklärt Krug.

„Klagelied des Teufels“ ist deshalb nicht nur Fantasy, sondern auch einfühlsame Romanze. Die Glaubhaftigkeit seiner Protagonisten liegt Krug besonders am Herzen: „Sie entwickeln ein Eigenleben und überraschen mich gerade in Dialogen immer wieder “, schmunzelt er.

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Stilistisch arbeitet Krug mit besonderer Liebe zum Detail. Immer wieder sind ausufernde Landschaftsbeschreibungen und psychologische Einblicke in das Seelenleben seiner Figuren anzutreffen. Um eine angemessene Atmosphäre entwickeln zu können, recherchiert Krug in historischen Büchern oder der Bibel. Für einige erzählerische Rückblenden saß der Offenbacher wochenlang in der Bibliothek: „Eine Szene spielt im 15. Jahrhundert. Es war nicht einfach, sich dort hineinzuversetzen.“

Mit „Klagelied des Teufels“ entführt Krug den Leser nicht nur in mythisch-ferne Welten. Er erschafft eine denkbar detailgenaue Fantasiewelt zwischen Hölle und Himmel in Verbindung mit einer komplizierten Liebe, die gegen alle äußeren Widrigkeiten kämpft.

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