Ehemaliger Massa-Komplex

Farbtopf statt Abrissbirne an Berliner Straße

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So stellt sich Künstler Michael Fischer die künftige „Massa“-Fassade vor: „In seiner Bildsprache bedient er sich satter Farben, großer Flächen mit einfachen Strukturen und comicartigen ,Muppets’, wodurch ein hoher Wiedererkennungswert entsteht“, schwärmen die Eigentümer.

Offenbach -  Eine in Offenbach verbreitete städtebauliche Hoffnung hat sich vermutlich zerschlagen: Der massige Betonklotz des Toys’R’Us-Gebäudes an der Berliner Straße wird vorläufig nicht verschwinden. Er wird nur viel bunter. Von Thomas Kirstein 

Die Hinterlassenschaft des in den 70er Jahren pleite gegangenen Baulöwen Karl-Heinz Reese hat einen neuen Eigentümer. Der Leipziger Immobilienvermarkter Publity verrät zwar nicht viel über seine Pläne mit den Verkaufsflächen, hat aber schon einen Künstler in der sächsischen Stadt mit einem Entwurf für die künftige Fassadengestaltung beauftragt. Die Vision von Michael Fischer lässt Knalliges erwarten; der seinerzeit stadtbekannte Offenbacher Kunstlehrer Harald Hansen hätte angesichts der Verwendung sämtlicher Grundfarben gut seine Gegenüberstellung von Farbigkeit und Buntigkeit belegen können. Im gegenüberliegenden Sparkassenbau tätige Mitarbeiter von Bank und Kanzleien dürfen sich jedenfalls auf einen ausgesprochen fröhlichen Anblick freuen.

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„Dieser Kauf eines nicht typischen Gewerbeobjekts der Publity AG in belebter Innenstadtlage schafft Möglichkeiten für eine erfolgreiche und langjährige Nutzung des Objektes“, heißt es, dem Vorstandsvorsitzender Thomas Olek zugeschrieben, auf der Internetseite des Unternehmens. Dieses ist bereits in Offenbach – und zwar an noch prominenterer Stelle – vertreten: Die Leipziger haben im vergangenen Jahr den 140 Meter hohen City-Tower erworben und vermarkten ihn als „Landmark-Immobilie“. Dazu würden bereits Gespräche mit potenziellen Großmietern geführt.

Thomas Olek: „Wir sind sicher, nach Durchführung der notwendigen Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe, eine erfolgreiche Vollvermietung zu erreichen und für unsere Investoren eine weitere Erfolgsstory zu schreiben.“ Das könnte auch das Interesse am benachbarten, auf einem 5600 Quadratmeter großen städtischen Erbbaugrundstück stehenden Reese-Bau erklären: Die 750 Parkplätze von dessen Parkhaus sind sicher ein Argument in Verhandlungen mit überregionalen Konzernen.

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Eine mit vielen Arbeitsplätzen verbundene Ansiedlung dürfte dem Oberbürgermeister die kleine Enttäuschung wert sein, dass es zunächst mit dem auch von ihm favorisierten Abriss der sanierungsbedürftigen Städtebausünde nichts wird. Horst Schneider, der Stadtplanungsdezernent, ist aber guten Mutes, dass die Fassadenneugestaltung nicht ganz so grell ausfallen muss: „Der erste Entwurf begeistert mich nicht unbedingt, aber ich gehe davon aus, dass die endgültige Umsetzung in enger Abstimmung mit der Stadt geschieht.“

Über die zukünftige Nutzung der Gewerbeflächen ist derzeit noch nichts bekannt. Der Spielzeuggroßmarkt Toys‘R’Us will das Haus, wie berichtet, Ende des Jahres verlassen, bekundet allerdings Interesse an einer Rückkehr. Die US-Firma war einst im Zusammenhang mit dem S-Bahn-Start als großer Frequenzbringer gefeiert worden. Die Realität erwies sich als weniger großartig: Toys schrumpfte seine Verkaufsfläche. Andere Shops haben zwischenzeitlich den Räumungsverkauf begonnen. Der Komplex war als Domizil des Elektrohändlers Bieberhaus errichtet worden. Nach Reeses Konkurs übernahm Massa und richtete einen Lebensmittelsupermarkt ein. Publity kaufte die Immobilie von den Erben des Massa-Gründers Karl-Heinz Kipp.

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