Coffee-Bike in der Innenstadt

Stilvoll auch im Pappbecher

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Minz-Choc-Latte oder heiße Schokolade laufen bei 30 Grad aufwärts nicht allzu gut. Neben Kaffee in allen möglichen Variationen bringt Benny Scholz (Bild unten) aber auch frisch gepressten Orangensaft und andere kalte Getränke ans Offenbacher Volk. Täglich bis 17 Uhr ist das Coffee-Bike in der Innenstadt aufzufinden.

Offenbach - Wie stilvoll die mühsam von Hand gelesene und sorgfältig geröstete Kaffeebohne nach dem unvermeidlich rabiaten Mahlvorgang eine Melange mit schnödem Trinkwasser und derber Milch einzugehen vermag, ist eine Kunst für sich. Sie findet in Europa höchste Anerkennung. Von Fabian El Cheikh

Doch die Zeiten ändern sich – und auch der Kaffeegenuss. Gemütlich war einmal. Heute muss es schnell gehen, darf der Koffeinschub schon mal aus dem Automaten in den Pappbecher schießen.

Den Anspruch an dennoch schmackhaften und erstklassigem Kaffee halten Klaus Nowak und Benny Scholz hoch. Sie schenken dem Wandel der traditionsreichen Kaffeekultur nicht nur Beachtung, sie gestalten ihn mit. Wusste die amerikanische Kaffeehaus-Kette Starbucks auch als erste, die Nachfrage Jugendlicher und besonders Eiliger nach hochwertigem Coffee to go (Kaffee zum Mitnehmen) zu stillen, sind die beiden Gastronomen aus Steinbach und Babenhausen schon einen Schritt weiter. Nicht per pedes, sondern auf dem Velo.

Designtes Coffee-Bike

Seit gut einer Woche steht ihr historisch designtes Coffee-Bike in der Offenbacher Innenstadt, wo es sich großer Aufmerksamkeit erfreut, nicht nur ob seiner Optik. Es liegt wohl auch am gewählten Standort vor dem Bürgerbüro, der sich für alle Beteiligten lohnt. Die vielen Wartenden freuen sich über heißen Kaffee und die Stadt über das neue Angebot, das vielleicht, so die Hoffnung, des einen oder anderen Ungeduld ein wenig zügelt.

Ob’s daran liegt? „Jedenfalls hatte die Stadt anders als Frankfurt sofort ein offenes Ohr für das Konzept“, verrät Benny Scholz. Man habe Ausnahmegenehmigungen für drei Standorte am Rande der Fußgängerzone und am Main erhalten. „Wir wären zwar gerne auch auf der Zeil, aber die Frankfurter sind zu streng.“ Dafür hätten schon einige Offenbacher Gastronomen vorbeigeschaut und die Idee rundheraus gelobt. „Uns kann man übrigens mieten!“ Ein wenig ist Benny Scholz das Gespräch unangenehm, betreibt doch sein Partner Klaus Nowak als Franchise-Nehmer das Coffee-Bike, nicht er. „Ich habe ihn am Anfang nur etwas beraten.“ Und er stellt sich in den vorlesungsfreien Zeiten seines Studiums auch gerne mal selbst ans Rad, betätigt die Kaffeemühle, dreht an den Hebeln des imponierenden Vollautomaten, presst frische Orangen und mixt trendige Aromen in den Wachmacher.

Freundlich lächelnd sucht der 28-Jährige den Augenkontakt zur Laufkundschaft an der Herrnstraße, die neugierig stehen bleibt, mit dem mobilen Barista ins Gespräch kommt und spontan eine der trendigen Kaffeespezialitäten ausprobiert. Die bereitet eine traditionelle, italienische Siebträgermaschine zu, die bei Bedarf mit Strom, ansonsten mit Gas betrieben wird. „Das macht uns autark, sodass wir auf vielen Flächen stehen können, die für andere nicht in Frage kommen.“

Kaffee zum Mitnehmen in Pappbechern

Serviert wird der bio-zertifizierte Kaffee zum Mitnehmen in Pappbechern, doch auch die wirken angesichts des Gesamt-Ambientes irgendwie stilvoll. Die Zutaten für den Latte von heute, für Schwarzwälder-Kirsch oder Mint-Choc, greift der gelernte Gastronom aus dem Mahagonikasten heraus, der das Bike erst zu dem macht, was es ist.

Die Handgriffe beweisen Routine. Jahrelang betrieb Benny Scholz mit Geschäftspartnern ein Bistro in Aschaffenburg, bis ihm die SiebenTage-Wochen zu viel Kraft kosteten. „Das wollte ich nicht ein Leben lang machen.“ Also schmiss er hin und entschied sich für einen banaleren Bürojob, für den er zunächst noch die typischen BWL-Instrumente während seines Studiums an der Fachhochschule Frankfurt erlernt. Dort kam er auch mit Kommilitonen Klaus Nowak in Kontakt und die Fortentwicklung der Offenbacher Kaffeekultur nahm ihren verheißungsvollen Anfang.

Bis das Geschäft – im wahren Sinne des Wortes – so richtig in Fahrt kommt, setzt sich Benny Scholz persönlich montags bis freitags frühmorgens in die S-Bahn, fährt nach Offenbach, schwingt sich hier auf das in einer Garage nächtigende Fahrrad, freut sich über den Elektroantrieb und trifft ohne große Anstrengung gegen 7.30 Uhr am auserwählten Standort ein. Vielleicht bald auch an Samstagen, sicher im wiedererkennbaren Dress. „Das gehört einfach dazu, allerdings machen Turnschuhe durchaus Sinn, wenn man sich die Beine in den Bauch steht.“

Kaffee: Die fünf wichtigsten Studien

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Für den Stehhocker hinter dem Fahrradaufbau ist der junge Mann eigentlich sehr dankbar, „weil der Verkauf sonst ziemlich ins Kreuz geht“. Allerdings erwischt er sich oft genug dabei, wie er auf dem Stuhl rumlümmelt. „Man ist halt immer unter Beobachtung, aber nur da stehen und den ganzen Tag grinsen, funktioniert auch nicht.“ Diese Erkenntnis wandelnder Würstchenverkäufer bringt eben auch die neue, mobile Kaffeekultur mit sich.

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