Nahbare Superstars

Coldplay stellen neues Album exklusiv im Capitol vor

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Sie feiern das Leben: Chris Martin, Sänger der britischen Band Coldplay, beim Auftritt im Offenbacher Capitol.

Offenbach - Sie gelten längst als Stadion-Band, umso mehr Aufsehen erregte der Auftritt von Coldplay im Offenbacher Capitol. Gestern Abend stellten die Briten vor 1200 Zuhörern ihr neues Album vor – als Deutschlandpremiere. Von Julia Radgen

Karten für das Konzert in Offenbach konnte man nicht kaufen, nur gewinnen. Zwei Freunde posieren für ein Erinnerungsfoto im Foyer des Capitols. „Wer hätte gedacht, dass die mal hierher kommen“, sagt einer der jungen Männer begeistert. „Die besten Bands, wie sie keiner erwartet“ – damit wirbt die vom Telekom-Konzern gesponserte Konzertreihe „Street Gigs“. Die kostenlosen Tickets für das rund einstündige Konzert wurden verlost. „Die gute Nachricht kam erst letzten Donnerstag“, sagt ein Glückspilz aus Stuttgart. Die Vorfreude ist groß. Aus ganz Deutschland sind Fans angereist, standen Schlange in der Kälte und können drinnen ihr Glück nicht fassen. Gespannt warten sie auf den Auftritt von Coldplay.

Es ist das einzige Deutschlandkonzert in diesem Jahr. Ein Großereignis: Im Internet und auf einigen Fernsehsendern wird es übertragen. Ein besonderes Konzert. Was auch am Veranstaltungsort liegt: dem 1912 als Synagoge erbauten Capitol mit seiner 30 Meter hohen Kuppel, seiner erhabenen Ausstattung mit roten Stoffbespannungen an den Wänden und den Oscar-ähnlichen Goldstatuen. Alles andere als majestätisch gibt sich die Rockband um Sänger Chris Martin auf der Bühne. Ganz nah kommt der Sänger den Zuschauern, macht sogar ein Selfie mit zweien aus der ersten Reihe. In brüchigem Deutsch erklärt der Brite, die Band sei sehr glücklich, wieder in Deutschland zu sein und entschuldigt sich für seine Aussprache.

Ausgelassen, in T-Shirt und bunten Sneakers umherhüpfend, präsentiert er Stücke aus dem siebten Album „A Head Full of Dreams“. Das gleichnamige Lied und die erste Single „Adventure Of A Lifetime“ sind fröhliche und beschwingte Nummern. Dazu passt die bunte Blumen-Deko über der Bühne sowie auf Instrumenten und Verstärkern, zwischen denen bunte Radios Farbtupfer setzen. Verträumt und lebensbejahend wirken diese Songs. Das Publikum hat Coldplay damit auf seiner Seite – es wippt, wackelt und singt tüchtig mit. Begleitet wird das Konzert von protziger Bühnentechnik: Farbige Laserstrahlen zerschneiden die Dunkelheit, Kaleidoskop-artige Grafiken und aufwendige Animationen flimmern über eine Videoleinwand.

Coldplay im Offenbacher Capitol: Eindrücke des Konzerts

Die Capitol-Besucher hören aber auch ältere Coldplay-Songs: das melancholische „Fix You“ etwa oder „Clocks“ mit Chris Martin am Klavier, das hymnische „Viva La Vida“, für das Schlagzeuger Will Champion an die zuvor hereingebrachten Kesselpauken wechselt. Zu „A Sky Full Of Stars“ rieseln Unmengen kleiner Papiersterne auf das Publikum herab. Einen besonderen Dank richtet Chris Martin an die „weltbesten deutschen Ärzte“, die ihn fit für die Bühne gemacht haben. Anzumerken war ihm von dem angeblichen Hexenschuss nichts.

„Up And Up“, ein neues Lied, an dem die Band lange gefeilt hat, wie Chris Martin erzählt, beschließt das Konzert nach über einer Stunde. Bis es ein Wiedersehen gibt, müssen sich die Fans gedulden: Erst im nächsten Sommer stehen Coldplay wieder auf den großen deutschen Bühnen. Dort werden sie ihr Publikum genauso verzaubern wie im kleinen Offenbacher Konzertsaal. Und dabei das Leben feiern.

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