Bereichsvorstand berichtet im Interview über Niederlassungen in der Region

Commerzbank vor neuer Filialstruktur

Offenbach - Die Finanzkrise hatte auch die Commerzbank schwer getroffen. Als Folge der Turbulenzen wird Deutschlands zweitgrößte Bank unter anderem umstrukturiert.

Das hat auch Konsequenzen für Offenbach, wie Sabine Schmittroth, Bereichsvorstand für Privat- und Geschäftskunden in der Marktregion Mitte, im Interview mit unserem Redaktionsmitglied Marc Kuhn sagt.

Die Commerzbank wird umstrukturiert. Wie stellt sie sich in Stadt und Kreis Offenbach auf?

Im nächsten Jahr wird sich einiges ändern. Wir haben in Stadt und Kreis Offenbach sieben Filialen, die bisher zur Regionalfiliale Offenbach gehören. Dazu zählen die Standorte Offenbach, Mühlheim, drei Filialen in Hanau, eine in Dörnigheim und eine in Gelnhausen. Ab Juni 2016 gehören aus dem Verbreitungsgebiet der Offenbach-Post die Filialen in Offenbach, Neu-Isenburg, Mühlheim, Heusenstamm, Langen, Obertshausen, Seligenstadt, Dreieich und Dietzenbach zur Niederlassung Darmstadt.

Sie untersteht Ihnen?

Ja, ich bin für die Marktregion Mitte zuständig, die Hessen, Rheinland-Pfalz, das Saarland und Teile von Baden-Württemberg umfasst. Ich verantworte etwa 150 Filialen mit rund 1,2 Millionen Kunden. Damit bin ich einer von bundesweit fünf Bereichsvorständen für Privat- und Geschäftskunden. An mich berichten die Niederlassungsleiter, die die bisherigen Gebiets- und Regionalfilialleiter ersetzen. Eine Führungsebene haben wir bei der Neuausrichtung des Vertriebs der Commerzbank so eingespart. Wir können so schneller Entscheidungen für unsere Kunden treffen.

Sabine Schmittroth leitet als Bereichsvorstand bei der Commerzbank die Marktregion Mitte.

Wie hat sich die Commerzbank in der Region entwickelt?

Offenbach ist ein starker Standort mit etwa 17 000 Kunden. Wir wachsen hier und haben 2015 alleine in der Stadt Offenbach netto etwa 400 neue Kunden gewonnen. In der Zuständigkeit der bisherigen Regionalfiliale sind es mehr als 1 000 neue Kunden. Das Geschäftsvolumen - also alle Anlagen und Kredite der Kunden - wird in diesem Jahr auf rund 1,3 Milliarden Euro wachsen. Zwei von drei Neukunden beantragen übrigens auch die Zugänge zum Online- und Mobil-Banking. Zudem hat die Commerzbank etwa 42 Millionen Euro für neue Baukredite in der Region ausgegeben. Das heißt, etwa 250 Haushalte in der Region haben ihre Immobilie über uns finanziert.

Sind die Immobilienpreise in Stadt und Kreis gestiegen?

Ja, natürlich. Wegen der niedrigen Zinsen und mangelhafter Anlagealternativen sind Immobilien sehr attraktiv geworden. Die Preise im Rhein-Main-Gebiet haben deutlich angezogen.

Wie legen Ihre Kunden das Geld an?

Sie sind vorsichtig und legen ihr Geld häufig auf Spar- oder Tagesgeldkonten an. Null Zinsen und Inflation sorgen aber dafür, dass Kapital vernichtet wird. Sparen für die Rente funktioniert heute so nicht mehr. Wir weisen die Leute darauf hin, dass das eine schwierige Situation ist. Wer den Wert seines Geldes erhalten will, muss auch andere Anlagen wählen.

Also ins Risiko gehen und Aktien kaufen.

Risiko zu nehmen in einer Größenordnung, mit der man noch ruhig schlafen kann. Eine gute Struktur des Portfolios aus Renten, Aktien und Immobilien ist wichtig.

Mit der Lehman-Pleite 2008 ist die Commerzbank in Turbulenzen geraten. Seit drei Jahren läuft der Umbau des Instituts. Zuletzt konnte das operative Geschäft gesteigert werden, vor allem, weil die Risikovorsorge halbiert wurde. Ist die Commerzbank wirklich über den Berg?

Unser operatives Ergebnis im Privatkundengeschäft steigt, weil wir die Erträge deutlich ausgebaut haben. Zum Beispiel im Kreditgeschäft, wo wir mit angemessener Risikovorsorge wachsen. Wir wollen aber auch auf der Kundenseite zulegen. Bis 2016 wollen wir eine Million zusätzliche Kunden gewinnen. Seit Ende 2012 sind wir bereits um 750 000 Kunden gewachsen. Das entspricht fast der Einwohnerzahl von Offenbach und Frankfurt.

Die Commerzbank strebt eine Eigenkapitalrendite von zehn Prozent nach Steuern an. Investoren schauen aber eher auf die Eigenkapitalquote. Ist die Commerzbank auf dem richtigen Weg?

Ja, absolut. Unserer Ziel für die Kernkapitalquote von über zehn Prozent für Ende 2016 haben wir bereits jetzt erreicht.

Die Commerzbank buhlt mit 50-Euro-Guthaben um Kunden. Nicht nur Konkurrenten stößt die Strategie auf. Geht das Institut den Weg weiter?

Es ist eine gute Möglichkeit, auf uns aufmerksam zu machen. In einem Verdrängungswettbewerb ist es natürlich normal, dass Konkurrenten uns auch beobachten. Doch wir bieten das Startguthaben seit 2006. Wer sich beschwert, hatte also fast zehn Jahre Zeit, eine Antwort zu finden.

Wie sieht die Strategie der Commerzbank im Privatkundegeschäft aus?

Unsere Strategie ist digital, aber auch persönlich. Wir sagen Ja zu unserem Filialgeschäft, weil wir von unseren Kunden wissen, dass sie Menschen als Ratgeber wollen, wenn weitreichende Entscheidungen getroffen werden. Noch wachsen wir in den Filialen stärker als im Online-Kanal. Wir bieten aber auch neue digitale Anwendungen an. Die Prozesse dahinter müssen hier möglichst einfach und papierlos sein.

Sie sind auch für Geschäftskunden zuständig. Wie hat sich das Geschäft entwickelt?

Im Beratungszentrum Offenbach, das diese Kunden in der Region betreut, ist die Zahl der Kunden stabil. Die Kredite legen zu. Mit unserem neuen Dispokredit für Geschäftsleute kommen diese einfacher an Kreditlinien.

Wie hat sich das Zins- und Provisionsgeschäft in Ihrem Bereich entwickelt?

Unser Zinsgeschäft ist wegen der niedrigen Zinsen am Markt gesunken. Diese Rückgänge müssen wir kompensieren. Über die Kredite für Geschäftskunden können wir das etwas ausgleichen. Im Provisionsgeschäft hat die Commerzbank ihr Modell geändert. Es geht nicht mehr um den Verkauf, sondern um die Beratung. Wir gehen deshalb von Verkaufsprovisionen hin zu strukturierten Lösungen gegen Pauschalentgelt.

Aber wenn Sie Kunden bei der Altersvorsorge für Aktien begeistern wollen, sind Sie wieder beim herkömmlichen Provisionsgeschäft.

Wo Provisionen fließen, machen wir das transparent. Aber der Kunde kann auch andere Abrechnungsmodelle wählen. Ein Beispiel ist unser Premiumdepot, bei dem die Bezahlung abhängig vom Volumen ist - es ist eine Art Flatrate. Außerdem bieten wir Vermögensverwaltungs-Produkte.

Die sind aber für Vermögende.

Eine individuelle Vermögensverwaltung startet bei 250 000 Euro. Zugleich bieten wir ähnlich strukturierte Produkte bereits ab dem ersten Euro an. Der Anleger entscheidet dabei über seine Risikobereitschaft. Das Geld wird dann von Profis in Rentenpapiere, Aktien, Immobilien und Liquidität angelegt.

Andere Banken schließen Filialen. Warum macht die Commerzbank das nicht?

Filialen zu schließen ist für uns keine Strategie – auch wenn wir natürlich Standorte prüfen. Wir wissen von den Kunden, dass sie Filialen wollen. Sie brauchen die Niederlassungen, wenn es um schwierige Fragestellungen oder hohe Beträge geht. Bei Umfragen hat sich sogar gezeigt, dass auch junge Menschen, von denen ich gedacht hätte, dass sie keine Filiale betreten, eine persönliche Beratung wollen. Zugleich investieren wir auch in unseren Online- und Mobil-Angebot.

Was bietet die Commerzbank in diesem Bereich an?

Wir bieten das PhotoTAN-Verfahren beim Online-Banking an. Über unsere App können Überweisungen und Wertpapierkäufe erledigt werden. Über die Kontostand-App werden die letzten zehn Umsätze angezeigt. In diesem Jahr ist eine App zum Kontowechsel dazugekommen. Das klappt in zehn Minuten. Bei einer Kontoeröffnung ist die Prüfung der Identität jetzt im Videochat möglich. Und: Wir geben für unser Online-Banking eine Sicherheitsgarantie. Seit Herbst gibt es bei der Commerzbank darüber hinaus das digitale Haushaltsbuch. So können Ausgaben überprüft und Einsparmöglichkeiten erkannt werden. Seit wenigen Tagen funktioniert auch unser Online Dialog - Bankgeschäfte können sieben Tage die Woche per Video, Audio und Chat erledigt werden.

Bietet die Commerzbank Paydirekt als Konkurrenz zu Paypal an?

Online-Kunden können seit einigen Tagen mit wenigen Klicks Paydirekt freischalten. Die Anmeldung erfolgt mit einem selbst wählbaren Benutzernamen und Passwort. Beim Bezahlvorgang bleiben die Kontodaten bei der Hausbank. Beim Händler kann man dann die Bezahlmöglichkeit aussuchen - zum Beispiel Paydirekt. Bisher gibt es 17 Online-Shops. Das werden natürlich mehr. Mit Paydirekt kann man sicher im Internet einkaufen.

Rubriklistenbild: © dpa

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