Renommierter Wettbewerb

Koch-Kunst unter Zeitdruck

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„Für einen Bürojob bin ich zu hibbelig“: Sebastian Neuss ist Koch im Offenbacher Sheraton.  

Offenbach - Ein Korb mit Lebensmitteln und nur drei Stunden Zeit, daraus ein exklusives Drei-Gänge-Menü zu kreieren: Sebastian Neuss, Nachwuchskoch im Sheraton, stellte sich einem schweren Wettbewerb. Von Veronika Schade

Kunst und Kochen liegen nah beisammen – vor allem, wenn beides auf hohem Niveau betrieben wird. Aus einem Korb von Lebensmitteln aus dem Stegreif ein erlesenes Drei-Gänge-Menu zu kreieren, ist echte Koch-Kunst. Und eine Herausforderung, die Nachwuchskoch Sebastian Neuss vom Offenbacher Sheraton-Hotel nicht scheut. Er nahm am renommierten Wettbewerb „Concours Régional des Jeunes Chefs Rôtisseurs“ teil, den der Verein zur Förderung der Ess- und Tafelkultur, Chaîne des Rôtisseurs, jährlich ausrichtet.

Der deutschen Chaîne gehören mehr als 2300 Mitglieder an. Das Sheraton Offenbach ist eins der Mitgliedshäuser. Darauf ist Geschäftsführer Dirk Wilhelm Schmidt stolz – wie auch auf seinen jungen Koch, der sich bereits zum zweiten Mal für den anspruchsvollen Wettkampf qualifiziert hat. Pro Regionalentscheid qualifizieren sich sechs, höchstens sieben Teilnehmer. „Man muss eine abgeschlossene Ausbildung haben, nicht älter als 27 sein und bestimmte Fertigkeiten in der Küche beherrschen“, erläutert Schmidt.

Großer Ehrgeiz

Vor zwei Jahren wurde Neuss Dritter, entsprechend groß war sein Ehrgeiz. „Ich habe zur Vorbereitung alles aufgefrischt aus meinem Lehrbuch aus der Ausbildung“, erzählt er. Der Wettbewerbsort war das Best Western IB Hotel Friedberger Warte in Frankfurt. Dort bekamen die jungen Köche einen Korb mit „Pflichtwaren“ für jeden Gang. Dann hatten sie knapp dreieinhalb Stunden Zeit, ihr Menü aufzuschreiben und zuzubereiten. Anschließend bewertete eine sechsköpfige Jury aus Chaîne-Mitgliedern (drei Profis, drei Amateure) die Gerichte.

Als Vorspeise kredenzte Neuss Rahmblattspinat mit einem Duett von Zander und Lachs, dazu eine Crevette sowie Kirschtomaten auf Rieslingschaum. Sein Hauptgang waren Kalbsrückenmedaillons unter einer Kräuterkruste mit Rotweinbuttersauce, dazu grüner Spargel, Babykarotten und Vanillekartoffeln. Zum Nachtisch servierte er ein Schokoladenküchlein an Mango-Kokos-Sauce mit frischen Beeren.

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Der 25-Jährige belegte diesmal den vierten Platz, ist nicht zufrieden mit sich. „Es hätte besser sein müssen. Aber in einer fremden Küche kocht es sich anders.“ Sein Fazit aber ist positiv: „Danach haben wir uns mit den Jurymitgliedern ausgetauscht, das Feedback war hilfreich, wir bekamen gute Tipps.“

Seine Ausbildung als Koch schloss Neuss 2010 beim Hessischen Rundfunk ab. „Ich wusste schon immer, dass ich keinen Bürojob möchte, dafür bin ich zu hibbelig“, schmunzelt der Frankfurter, der seit Oktober 2011 im Offenbacher Sheraton arbeitet und sich dort sehr wohl fühlt. Und aufgeschlossen ist gegenüber Neuem, wie den Nudelkreationen der Produktdesign-Studenten von der Hochschule für Gestaltung, die auf der Messe Ambiente gezeigt wurden (wir berichteten) und bis Oktober als Bestandteil der neunten „Goût“-Ausstellung die Wände des Hotelrestaurants „Pure“ schmücken.

„Es wäre interessant, das mal auszuprobieren“, sagt er und betrachtet die Entwürfe. „Die Schwamm-Nudel zum Beispiel könnte man mit Käse füllen und einrollen wie Cannelloni.“ Doch die Umsetzung scheitere, vermutet er, an der Massenproduktion. „Das Projekt zeigt aber, dass Lebensmittel und Essen auch Kunst sein können.“ Und wenn der junge Koch frei hat? „Ich lasse mich gern von meiner Freundin bekochen. Aber da gehe ich lieber raus aus der Küche...“

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