Rasierer endet im Container

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Vorbildlich: Der ausgediente Handstaubsauger ist Elektroschrott – allerdings ohne Akku.

Offenbach - Der urbane  Goldgräber kommt ohne Spitzhacke aus. Er sammelt einfach das, was andere wegwerfen und verdient nicht schlecht daran. In Offenbach übernimmt das der Stadtdienstleister. Sein ohnehin weit gespanntes Tonnen- und Behälternetz weitet der ESO aus. Von Martin Kuhn

An zwei Standorten (Ostendplatz, Frankfurter Straße gegenüber dem Ledermuseum) stehen Container, die Elektrokleingeräte aufnehmen.

Da darf ab sofort alles rein, was bislang nur in den Wertstoffhof an der Daimlerstraße zu bringen war oder – auch das weiß ESO-Geschäftsführer Markus Patsch – im Restmüll landete. Grob: vom Handy bis zum Staubsauger; allerdings ohne Akkus oder Batterien. Etwa 150 Euro sind pro Tonne Kleinelektronik am Markt zu erzielen, wobei die Preise stark schwanken. Begehrlichkeiten wecken Metalle, ohne die die Alltagshelfer nicht funktionieren: Gold, Kobalt, Kupfer. Mit Großgeräten wie Kühlschränke kommen gut 1100 Tonnen zusammen in Offenbach – pro Jahr.

Für Bürgermeister Peter Schneider (Grüne) spielt da selbstverständlich die Wiederverwertung der Rohstoffe eine Rolle. „Wir wollen das Trennverhalten fördern. Und für den Bürger bedeutet das in der Summe weniger Restmüll und dadurch eine Gebühren-Ersparnis.“ Aber auch der Umweltschutz ist nicht zu vernachlässigen. Den neben den Edelmetallen können Kleinelektrogeräte vom Handy bis zum Handrührer Blei, Cadmium und Quecksilber enthalten. Sind die Apparate erst mal im Restmüll, geht’s direkt durch den (mit Filtern) versehenen Schornstein der Müllverbrennung in die Atemluft. „Das ist teuer und vermeidbar“, findet der Bürgermeister.

Ausweitung des Container-Angebots

Daher ist die Ausweitung des Container-Angebots und des Service-Gedankens in seinen Augen sinnvoll. Die zwei (Test-) Behälter stehen dort, wo Offenbacher bereits Glas und Textilien entsorgen. „Wir wollen die Wege für die Bürger kurz halten.“ Im Gegensatz zu den runden Öffnungen der Altglascontainer verfügen die neuen Behälter über einen rechteckigen Schacht mit den Maßen 92 mal 34 Zentimeter. Generell gilt, dass alle Elektrogeräte die den Maßen entsprechen auch in die Container dürfen. Eine spezielle Klappe verhindert, dass Schrottler die ESO-Container auf eigene Rechnung entleeren und verkaufen. Laut Patsch ist das schon bei der regulären Sperrmüllabfuhr ein Riesenproblem; stehen etwa Aluminiumfelgen erst mal am Straßenrand, sind sie Eigentum der Stadt. Die Mitnahme ist demnach eine Ordnungswidrigkeit.

Ob sich aus dem Testlauf eine dauerhafte Einrichtung etabliert, liegt an den Bürgern. Der Container an der Frankfurter Straße ist jedenfalls zum Pressetermin bereits mit Elektrogeräten gefüllt – für Peter Schneider ist das ein gutes Zeichen...

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