Container Richtung Zukunft

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Nüchtern und nötig: So wird die Erweiterung für Verwaltung und Cafeteria der Theodor-Heuss- und Käthe-Kollwitz-Schule aussehen.Grafik: Stadt

Offenbach ‐ Nach einer qualvoll langen Aufwärmphase stehen die Beethovenschule und das Berufsschulzentrum am Buchhügel kurz vor dem Start Richtung Zukunft. Bis zum Ziel wird ihnen nochmal einiges an Kondition abverlangt werden. Von Marcus Reinsch

Denn während die Grundschule abgerissen und neu gebaut und das Theodor-Heuss-/Käthe-Kollwitz-Schuldoppel saniert und erweitert wird, müssen Schüler und Lehrer ins Exil. Heißt: Unterricht im Container.

Außer für die in städtischer Eigenregie geplante Kollwitz-Sanierung ist die „Hochtief PPP Solutions GmbH“ für das Komplettpaket verantwortlich. Die Verträge wurden am Dienstag dieser Woche unterzeichnet. Die Abkürzung PPP meint Public Privat Partnership, ist mittlerweile als Öffentlich-Private Partnerschaft (ÖPP) eingedeutscht und bedeutet Folgendes: Ein öffentlicher Auftraggeber (hier die Stadt Offenbach) gibt einem Privatunternehmen (dem Ableger des Baukonzerns Hochtief) den Auftrag, ein von der Stadtverwaltung exakt definiertes Bauten-Bündel zu planen, zu verwirklichen und dann auch zu bewirtschaften und instandzuhalten.

„ÖPP spart der Stadt im Vergleich 4,3 Prozent“

Die Stadt sieht ihren Vorteil zum einen im höheren Tempo, weil eine Firma von weniger behördlichen Zwängen ausgebremst werden kann und nicht jedes Angebot annehmen muss. Zum anderen muss nicht die Stadt, sondern das Unternehmen erstmal alles vorfinanzieren. Und: Der Auftragnehmer trägt später auch das Risiko teurer Mängel. Hochtief seinerseits spekuliert darauf, dass es die Kosten für alle vereinbarten Bauten und Dienstleistungen beispielsweise per Weitergabe der einzelnen Aufgaben an Subunternehmer unter dem mit der Stadt vereinbarten Festpreis halten kann. Die Differenz wird als Gewinn verbucht.

Die vertraglich festgeklopfte Vergütung für die drei Offenbacher Schulen beträgt 89,2 Millionen Euro, zu zahlen in mehreren Etappen. Gut 60,6 Millionen davon entfallen auf die Bauleistungen und 28,6 Millionen auf die Bewirtschaftung der Bildungstempel für die nächsten 22 Jahre. Billiger - das ist die von ÖPP-Kritikern schon beim riesigen Schulbauprogramm des Kreises Offenbach immer wieder angezweifelte Theorie - könnte es die Stadt auf eigene Faust niemals machen. Hochtief-Sprecherin Sandra Arendt nennt zwei Zahlen, die sich der Stadt zufolge „im Rahmen des Wirtschaftlichkeitsnachweises über Nettobarwerte“ ergeben haben: ÖPP spare der Stadt im Vergleich mit der Eigenerledigung etwa 4,3 Prozent, rund 3,5 Millionen Euro. Selbst auf 22 Jahre verteilt scheint das für „eine Stadt in der jeder Pfennig zählt“ (Kämmerer Michael Beseler) immer noch ein dicker Betrag.

Unterricht in Schulcontainern

Doch der eigentliche Vorteil der pauschalen Fremdvergabe ist die Zeit. Davon gibt es in Offenbach nach der Anpassung der ursprünglichen Pläne an die Finanzkrise und gehörig viel Streit hinter den Rathauskulissen sogar noch weniger als Geld. Zumindest, was einige Schulen betrifft. Durch manche Risse in den Mauern der architektonisch schönen, aber unrettbar im berüchtigten Offenbacher Rupelton versinkenden Beethovenschule könne man schon durchgucken, hieß es gestern. Eine Sanierung sei finanziell unvertretbar gewesen.

Stattdessen gibt es südlich der Beethovenstraße nun Abriss (vermutlich ab Herbst), Unterricht in Schulcontainern und einen Neubau des Schulkomplexes, der kein „ästhetischen Absturz“ sei, wie Oberbürgermeister Horst Schneider sagt. Umfassen wird das aus der Vogelperspektive an ein „H“ mit gebrochener Hüfte erinnernde Ensemble neben Betreuungsbereich, Zweifeldsporthalle, Cafeteria und Stadtteilbüro im Erdgeschoss die Klassenräume in den beiden oberen Etagen.

Das soll dann reichen, frohlockt Stadtrat Paul-Gerhard Weiß als Schuldezernent, um nicht nur die nötige Fünfzügigkeit mit 450 und mehr Schülern zu ermöglichen, sondern auch den Ganztagsbetrieb. Geplante Fertigstellung: Juli 2012, rechtzeitig zum Beginn des Schuljahres. Insgesamt werden 9 600 Quadratmeter bebaut und 6 600 Quadratmeter Außenanlagen gestaltet.

Neue Dreifeldhalle umfasst 2 200 Quadratmeter

Auf dem Buchhügel, Ziel für rund 3 400 Vollzeitschüler und Auszubildende, wird alles noch ein paar Nummern größer. Mit dem Erweiterungsbau, der sowohl die Verwaltung als auch die Cafeteria für Theodor-Heuss- und Käthe-Kollwitz-Schule aufnehmen soll, kommen zum Bestand 11 600 Quadratmeter hinzu. Die neue, zusätzliche Dreifeldhalle umfasst 2 200 Quadratmeter, der zu sanierende Heuss-Schul-Bestand 5 900 Quadratmeter. Da werde sich der von Platzmangel erzwungene „Tourismus“ der Berufsschüler zu den ungeliebten Außenstellen erledigen, versprechen Schneider und Weiß.

Aber auch hier steht ihnen erstmal ein Ortswechsel bevor, wiederum in Container. Zwölf Klassen werden vorübergehend umziehen müssen.

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