Corona in Offenbach: Eltern wissen nicht mehr, wie sie ihre Kinder unterhalten sollen

Marika Guttau nimmt die Essensspende des Caterers Maikel Kling in Empfang. 
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Marika Guttau nimmt die Essensspende des Caterers Maikel Kling in Empfang. 

Stadtteilbüros haben zum Ziel, das gute Zusammenleben in den jeweiligen Vierteln der Stadt zu fördern. Dafür arbeiten Akteure aus der Sozial- und Bildungspolitik sowie der Stadtentwicklung zusammen. Wegen der Corona-Pandemie muss das Angebot derzeit stark angepasst werden. 

  • In Offenbach zwingt Corona das städtische Angebot in die Knie.
  • Dafür arbeitet die Stadtentwicklung mit Akteuren aus der Sozial- und Bildungspolitik zusammen.
  • Die Stimmung ist dennoch überraschend gut.

Offenbach – Auf dem sonnengefluteten Vorplatz des Stadtteilbüros Lauterborn packt Marika Guttau eine handvoll eingeschweißter Essenspakete in den Korb ihres Dreirades. Mit Mundschutz ausgestattet nimmt sie die vorgekochten Rationen entgegen, die Maikel Kling von dem Offenbacher Unternehmen Lofthouse Catering gerade erst als Spende geliefert hat, um ein regelmäßiges Angebot in den Räumen des Stadtteilbüros auch in Zeiten der Kontaktsperre weiterführen zu können.

Denn im Zuge des Projekts „Gut Leben und Altern im Lauterborn“ des Caritasverbands Offenbach kochen normalerweise einmal wöchentlich Ehrenamtliche für knapp 25 Senioren ein frisch zubereitetes Mittagsessen in den Räumen des Stadtteilbüros. Um diesen regelmäßigen Termin nicht komplett absagen zu müssen, ist Initiatorin Ingrid Wittfeld nun dazu übergegangen, den sonstigen Gästen ihre bereits vorgekochten Essensportionen direkt nach Hause liefern zu lassen.

Offenbach: Trotz Corona - Stimmung im Viertel durchweg positiv

Auch einige Arbeitsplätze, an denen Ehrenamtliche sich am gemeinsamen Herstellen von Atemschutzmasken beteiligen können, sind im Büro eingerichtet, „Wir haben in der vergangenen Woche bereits knapp 80 Masken ausgegeben und die restlichen an das Freiwilligenzentrum gespendet“, erzählt Ingrid Wittfeld.

Die Stimmung im Viertel bezeichnet sie als „durchweg positiv“, auch von hoher Bereitschaft zur gegenseitigen Nachbarschaftshilfe weiß sie zu berichten. „Ich bin mir sicher – wenn das alles hier vorbei ist, dann wird das Leben im Viertel anders aussehen. Da wächst gerade viel zusammen.“

Offenbach und Corona: Im Nordend hilft man sich miteinander

Marcus Schenk vom Stadtteilbüro Nordend dazu: „Das Schöne ist ja gerade, dass sich allerorts ganz stark untereinander geholfen wird.“ Die regelmäßigen Rundgänge durch die Quartiere fänden weiterhin statt. Bei diesen Rundgängen sprechen Schenk und seine Kollegen auch immer wieder Gruppen an, die zusammen auf der Straße unterwegs sind und damit gegen die bestehenden Verordnungen verstoßen. „Es wird ja immer wieder über die steigende Verrohung der Gesellschaft gesprochen, aber wenn wir die Leute mit einem freundlichen Lächeln auf ihr Fehlverhalten ansprechen, erleben wir viel positive Rückmeldungen und Einsicht“, erzählt Schenk.

Insgesamt hat er einen positiven Eindruck von der Stimmung im Viertel: „Klar ist der Bedarf nach Freiraum immer wieder zu hören, aber allgemein scheint ein Großteil der Leute nicht unbedingt deprimiert zu sein.“Im Stadtteilbüro soll demnächst ein neues Projekt an den Start gehen. „Wir wollen Schülern die Gelegenheit geben, bei uns einzeln und stundenweise einen Computerarbeitsplatz zu nutzen, wo sie sich in Ruhe hinsetzen können und ihre Hausaufgaben erledigen können“, verrät Schenk vorab.

Offenbach und Corona: Viele Eltern wissen nicht, wie sie ihre Kinder unterhalten sollen

Eine besondere Aktion hat auch Julia Wahl vom Stadtteilbüro Mathildenviertel auf die Beine gestellt. In Zusammenarbeit mit Musikern aus dem Viertel hat sie vor Kurzem ein Hinterhofkonzert für die Hochhausbewohner der Hermann-Steinhäuser-Straße veranstaltet. Das habe großen Anklang gefunden.

Darüber hinaus erzählt Wahl, dass viele Eltern im Mathildenviertel mit der Zeit nicht mehr wüssten, wie sie ihre Kinder daheim unterhalten sollen. Dafür weist sie auf die Aktion „Kinder fragen zu Corona“ der Frankfurter Kinderbuchautorin Susan Schädlich hin. Via Instagram beantwortet diese kindergerecht Fragen rund um Covid-19.

„Uns ist es wichtig, dass Kinder in der Krise nicht nur bespaßt und berieselt werden, sondern, dass ihre tatsächlichen Bedürfnisse gehört werden“, erläutert Julia Wahl den Hintergrund der Aktion. Die Fragen können entweder direkt über die Instagram-Seite an die Kinderbuchautorin geschickt werden, oder per E-Mail an info@mathildenviertel.quartier-offenbach.de, von wo aus sie dann an Schädlich weitergeleitet werden.

Von Joel Schmidt


Hier gibt es einen Überblick über die Corona-Zahlen in Offenbach.

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