Uniklinik Frankfurt

Streit um Corona-Tests für Schüler: Wer hat Schuld an der Überfüllung?

Das Testzentrum an der Uniklinik Frankfurt musste am Mittwochnachmittag geschlossen werden.
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Das Testzentrum an der Uniklinik Frankfurt musste am Mittwochnachmittag geschlossen werden.

Die Stadt Offenbach weist die Vorwürfe der Kassenärztlichen Vereinigung zurück: Keine Schulklasse sei unangemeldet nach Frankfurt gekommen.

  • Das Corona-Testzentrum am Frankfurter Uniklinikum ist wegen Überfüllung geschlossen worden.
  • Das Gesundheitsamt Offenbach weist die Schuld von sich, Kinder umsonst dorthin geschickt zu haben.
  • Die Stadt Offenbach wünscht sich ein eigenes Corona-Testzentrum.

Offenbach/Frankfurt – Wegen Überfüllung vorzeitig geschlossen: Weil der Andrang am Mittwochvormittag zu groß war, stellte das Corona-Testzentrum am Frankfurter Uniklinikum vorzeitig seinen Betrieb ein. Zahlreiche vergeblich mit ihren möglicherweise infizierten Kindern angereiste Eltern machten ihrem Unmut Luft.

Kassenärztliche Vereinigung Hessen beschuldigt das Gesundheitsamt Offenbach

Laut der Pressestelle der zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KV) war daran das Gesundheitsamt Offenbach schuld: Es habe eine ganze Schulklasse ohne Ankündigung geschickt, was einen immens hohen Andrang zur Folge gehabt habe, der nicht mehr zu bewältigen gewesen sei, erklärte KV-Sprecher Alexander Kowalski. Normalerweise seien zwischen 220 und 250 Abstriche am Tag möglich. Die Mitteilung des Offenbacher Gesundheitsamts an die Eltern einer 7. Klasse des Leibnizgymnasiums, es seien Termine mit dem Testcenter vereinbart, entbehre der Grundlage: Es würden grundsätzlich keine Termine vergeben.

Dem hält Stadtsprecher Fabian El Cheikh das vereinbarte Prozedere entgegen: Nach Rücksprache werde der KV ein bis zwei Tage vor dem Testtag die Liste mit den zu testenden Personen per Mail übermittelt. So auch im Fall der 23 Leibnizschüler.

Testzentrum am Bürgerhospital in Frankfurt ist geschlossen

El Cheikh: „Wir sehen das Problem nicht darin, dass wir wie in der Vergangenheit vereinbart Schüler mit Vorankündigung an das Testzentrum vermittelt haben, sondern dass aufgrund der steigenden Fallzahlen in der gesamten Region die Kapazitäten nicht mehr reichen.“ Das zweite von der KV betriebene Testzentrum am Frankfurter Bürgerhospital ist kürzlich geschlossen worden, einen Ersatz dafür gibt es nicht.

Nicht erst jetzt wünscht sich die Stadt Offenbach ein eigenes Testcenter, das auch für den Kreis Offenbach von Vorteil wäre. Dass in Corona-Verdacht stehende Bürger, besonders Schüler, extra nach Frankfurt reisen müssen, wird als unbefriedigend erachtet. Mit der Kassenärztlichen Vereinigung liefen Gespräche, die bislang allerdings ergebnislos geblieben seien, ist die einzige Aussage, die offiziell aus dem Rathaus zu erhalten ist.

Räumlichkeiten für Testcenter in Offenbach werden gesucht

KV-Sprecher Kowalski bestätigt den Kontakt. Eine Lösung gebe es allerdings noch nicht, was daran liege, dass bislang keine geeigneten Räumlichkeiten hätten gefunden werden können. Es bestehe eine „unterschiedliche Sicht der Dinge“; Offenbach habe verschiedene Vorschläge gemacht. „Aber die haben nicht funktioniert“, sagte Kowalski, ohne konkret werden zu wollen.

Aus inoffizieller Quelle sind die bisherigen Ideen der Stadt Offenbach jedoch nachzuvollziehen: Zunächst wurde die Stadthalle vorgeschlagen. Die fand keine Gnade, weil das Testcenter auch für Frankfurter gut erreichbar sein soll, vorzugsweise also im Kaiserleigebiet.

Tanzclub MTW in Offenbach erfüllt nicht die Auflagen des Regierungspräsidiums Darmstadt

Als Alternative bot die Stadt Offenbach den derzeit coronabedingt brach liegenden Tanzclub MTW („Musikterrasse Wiking“) am Nordring an, dessen Betreiber sich sicherlich über Mieteinnahmen gefreut hätte. Diese Örtlichkeit soll die KV jedoch mit Hinweis auf dort nicht erfüllbare Auflagen (Barrierefreiheit, Belüftungsmöglichkeiten) des Regierungspräsidiums Darmstadt abgelehnt haben. Das wiederum soll der Stadt auf deren Anfrage hin mitgeteilt haben, es habe mit der Einrichtung von Testzentren überhaupt nichts zu tun. (Von Thomas Kirstein)

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