Außer Kontrolle?

Bürger beschweren sich über mangelnde Corona-Kontrollen in Offenbach

Ein ganz normaler Pandemie-Sonntag auf der Hafentreppe: Mund-Nasen-Schutz trägt hier trotz Vorschrift fast keiner.
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Ein ganz normaler Pandemie-Sonntag auf der Hafentreppe: Mund-Nasen-Schutz trägt hier trotz Vorschrift fast keiner.

Obwohl Offenbach in Sachen Corona-Bußgeldern deutschlandweit Spitze ist, gibt es immer wieder Beschwerden, dass das Ordnungsamt viel zu wenig präsent sei.

Offenbach – Fest steht: Offenbach ist ganz vorne mit dabei. Nicht nur, was die aktuellen Infektionszahlen angeht, sondern auch bei den Corona-Kontrollen. Bis Ende 2020 verhängte die Stadt mehr Bußgelder als jede andere in Deutschland seit Ausbruch der Pandemie. Doch vielen Offenbachern scheint das nicht zu reichen. Im Gegenteil. Sie unterstellen in Leserbriefen, in den sozialen Medien und in der Kommentarfunktion unseres Online-Auftritts immer wieder, das Ordnungsamt komme seinen Aufgaben nicht nach.

Offenbacher ist sich sicher: Ordnungsamt meidet bei Corona-Kontrollen Problemstraßen

Sven K. schreibt: „Wenn man gewisse Problemstraßen meidet und sich dagegen sträubt, Ordnung reinzubringen, (...) dann kann der Inzidenzwert auch nicht runter gehen(...). Hier geht es um die Machtlosigkeit.“ Andere bezweifeln gleich, dass überhaupt kontrolliert wird. In einer Offenbacher Facebook-Gruppe schreibt eine Hafen-Anwohnerin: „Ich habe hier noch keine Kontrollen gesehen. In FFM vorbildlich und in Hanau auch, aber in Offenbach definitiv nicht.“

Aber was haben solche Behauptungen mit der Realität zu tun? Laut Ordnungsamtsleiter Peter Weigand wenig: „Unsere Leute sind permanent im Einsatz.“ Zur Zeit seien maximal drei Doppelstreifen rund um die Uhr unterwegs. „Und die beschäftigen sich aktuell fast ausschließlich mit der Einhaltung der Coronaregeln.“

Corona in Offenbach: Kaum Kontrollen in der Stadt? Ordnungsamtsleiter äußert sich

Aber: „Vieles von dem, was wir tun, wird gar nicht registriert“, nimmt Weigand seine Leute in Schutz. So die Kontrolle verordneter Quarantäne. Das Gesundheitsamt fordere das an, die Stadtpolizei muss liefern. Das heißt, sie hält nicht nur den öffentlichen Raum im Blick, sondern sorgt auch dafür, dass Infizierte wirklich zuhause bleiben. „Das ist zeitaufwendig“, sagt Weigand. Dennoch seien seine Leute jeden Tag unterwegs und ahndeten Verstöße in der Öffentlichkeit.

Weigand räumt aber auch ein: „Wir sind zu wenige, um überall zu sein.“ Für die Zeit vor Corona sei das Ordnungsamt personell einigermaßen gut besetzt gewesen. „Für das, was wir zur Zeit erleben, reicht‘s aber vorne und hinten nicht.“ Ein Problem, gerade wenn es um Massenaufläufe geht, wie rund um die Hafentreppe jetzt am Sonntag.

Ordnungsamt über Massenaufläufe in Offenbach: „Da sind wir einfach chancenlos“

„Da sind wir einfach chancenlos“, sagt Weigand und schildert, was passiert, wenn er trotzdem jemand hinschickt: Taucht eine Streife auf der Hafentreppe auf und spricht eine Dreiergruppe ohne Mund-Nasen-Schutz an, gehen bei den übrigen hundert im Hintergrund sofort die Masken hoch. „Um alle zu kontrollieren, bräuchte ich eine Hundertschaft“, sagt der Amtsleiter. „Für Menschen, die sich fragen, warum wir also im Hafen mal nicht vor Ort sind, sieht das natürlich so aus, als wenn wir nichts machen.“

Aufmerksame Zuhörer: Ein Polizist belehrt am Montag gegen 17.30 Uhr drei junge Männer.

Dass die Stadtpolizisten währenddessen zahlreichen anderen Hinweisen aus der Bevölkerung nachgehen, geht da schnell unter. Um das zu untermauern, zückt Weigand das Einsatzprotokoll vom vergangenen Sonntag (siehe rechts). „Da bekommt man eine Ahnung, was wir bewältigen müssen.“

Zahl der Offenbacher Stadtpolizisten zu gering? - Bürgermeister spricht Klartext

Bleibt die Frage, warum nicht einfach mehr Personal eingesetzt wird. Bürgermeister und Ordnungsdezernent Peter Freier: „Wir haben nun mal nur 38 Stadtpolizisten und zwei in Ausbildung. Das können wir nicht einfach mal schnell erhöhen.“ Stadtpolizisten müssten erst angeworben und dann aufwendig geschult werden. Aber selbst, wenn das möglich wäre, „der Stellenplan lässt das nicht zu“. Das neu gewählte Stadtparlament werde aufgrund der aktuellen Erfahrungen über Verstärkung diskutieren müssen. Freier ist überzeugt: „Die Bilanz wird zeigen, dass wir dauerhaft mehr Stadtpolizisten benötigen.“

Am frühen Montagabend folgt eine Überraschung für alle Zweifler. Die Polizei fährt mit drei Einsatzwagen nahe der Hafentreppe vor und kontrolliert mit Unterstützung eines Hundeführers zahlreiche Menschen, die ausgelassen in der Sonne feiern – ohne Maske, ohne Abstand, dafür mit Alkohol. Polizeisprecherin Andrea Ackermann: „Wir haben neun Verstöße geahndet.“ (Christian Reinartz)

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