Angehörige nicht ersetzbar

Corona-Isolation belastet Bewohner in Altenheimen massiv

Magherita Stiewi und die Bewohner des Seniorenzentrums senden ein Zeichen nach draußen: Uns geht es gut.
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Magherita Stiewi und die Bewohner des Seniorenzentrums senden ein Zeichen nach draußen: Uns geht es gut.

Ein Bewohner des Caritas-Altenheims St. Elisabeth in der Schumannstraße in Offenbach wurde am vergangenen Donnerstag positiv auf das Coronavirus getestet.

  • Die Corona-Krise belastet die Gesellschaft stark
  • In den Altenheimen in Offenbach ist das besonders zu spüren
  • Bewohner sind isoliert, die Angehörigen leiden darunter

Offenbach – Wie Katja Roßwog, die Leiterin für Gesundheit und Pflege, versichert, arbeitet die Einrichtung eng mit der zuständigen Offenbacher Behörde zusammen, um eine Ausbreitung des Erregers zu verhindern: „Es werden alle mit dem Gesundheitsamt vereinbarten Maßnahmen umgesetzt. “ So müssen die Bewohner des betroffenen Stockwerks in Zimmerisolation verweilen; Mitarbeiter dürfen die Zimmer nur noch in entsprechender Schutzkleidung betreten.

Corona in Offenbach: Physische und psychische Belastung in Altenheimen steigt

Sorgen um Angehörige müsse sich aber niemand machen, verspricht Roßwog, die Einrichtung sei für den jetzt eingetretenen Fall gerüstet gewesen. „Alle Eventualitäten sind durchdacht, der Schutz ist gewährleistet.“ sagt die Leiterin.

Für das Personal ist klar: Durch den aktuellen positiven Test ist die physische und psychische Belastung in den Caritas-Altenheimen St. Elisabeth und St. Ludwig nochmals gestiegen. Bereits zuvor war sie für Mitarbeiter und Bewohner aufgrund des geltenden Besuchsverbots und der damit einhergehenden sozialen Isolation der Pflegebedürftigen schon hoch genug. „Bei allem, was wir tun, können wir keinen Ehepartner, die Kinder oder Enkelkinder ersetzen“, ist sich Roßwog bewusst.

Eine Begegnung bleibt ihr besonders im Gedächtnis: Durch eine Glasscheibe getrennt treffen sich Tochter und Mutter, enger darf der Kontakt nicht werden. „Die Mutter steht drinnen und weint, draußen steht die Tochter und weint“, beschreibt Roßwog die Szene. Sie hofft, dass dieser Zustand nicht mehr lange anhält: „Irgendwann muss eine Diskussion geführt werden, ob das wieder gelockert wird.“

Corona in Altenheimen in Offenbach: Für demente Menschen ist Situatin besonders schwierig

Verständnis für die Kontaktsperren sei bei den meisten Beteiligten vorhanden, ist Katja Roßwogs Eindruck. Wirklich schwierig aber sei es für an Demenz Erkrankte: „Sie verstehen nicht, warum sie keinen Besuch mehr empfangen dürfen.“

Kaum Akzeptanz findet bei den Bewohnern der katholischen Einrichtungen die Tatsache, dass sie nicht mehr in den Gottesdienst dürfen. Viele sind der Meinung, dass sie in diesem Punkt selbst in Zeiten des Krieges in ihrer Freiheit nicht so eingeschränkt waren. „Für sie ist das schwer zu akzeptieren“, meint Roswog.

Um trotz der Distanz den Kontakt zwischen den Familien aufrecht zu erhalten, sind kreative Ideen gefragt. Im städtischen Seniorenzentrum in der Elisabethenstraße und am Hessenring hat eine Angehörige ein Gartenkonzert gegeben, das die Bewohner von ihren Balkonen aus verfolgen konnten. Zudem haben die Senioren Osterpost mit Texten und Fotos an ihre Familien geschickt, um ihnen die Sorgen zu nehmen und zu zeigen, dass es ihnen gut geht.

Corona in Offenbach: Botschaften aus Altenheimen„an die Welt da draußen“

Am Zaun hängen Plakate mit Botschaften „an die Welt da draußen“, wie es Saskia Schäfer vom Zentrum für Beratung und Begleitung formuliert.

In den Caritas-Heimen setzt man derweil auf moderne Kommunikationsmittel. Damit es Bewohnern möglich ist, sich trotz Besuchsverbots mit Angehörigen von Angesicht zu Angesicht zu unterhalten, wird auf Tablets Bildtelefonie eingerichtet.

Unterdessen hat das städtische Altenheim seinen Beschäftigungsdienst an die Situation angepasst und versucht die Flut an Telefongesprächen zu organisieren. Besonders die Wochenendbetreuung wurde aufgestockt.

Für alle Einrichtungen ist aber nicht nur die geistige, sondern auch die körperliche Unversehrtheit der Bewohner eine Herkulesaufgabe. Das Beschaffen der geeigneten Schutzkleidung wird zunehmend problematisch, da Lieferungen oft unvollständig kämen. „Es ist momentan für alle Heimleiter eine Tagesaufgabe, Schutzkleidung zu besorgen“, sagt Caritas-Frau Roßwog. FFP2-Schutzmasken sowie Schutzkittel und Handschuhe seien an der Schumannstraße aber noch vorhanden.

Corona in Altenheimen in Offenbach: „Es gibt einfach kaum noch Schutzkleidung“

An der Elisabethenstraße stehen den Pflegern in Diensten der Stadt-GmbH seit vergangener Woche FFP2-Schutzmasken zur Verfügung. Diese werden aber nur im Umgang mit Bewohnern benutzt, die zuvor im Krankenhaus waren. Bevor die alten Menschen wieder in der Einrichtung aufgenommen werden, müssen sie negativ auf Corona getestet worden sein, nach der Wiederaufnahme verbringen sie 14 Tage in Quarantäne. Da alle Bewohner in Einzelzimmern leben, stellt dies kein Problem dar.

Trotz des sorgsamen Umgangs mit den Patienten: „Es gibt Angehörige, die das Gesundheitsamt informieren, dass die Pfleger nicht immer Schutzkleidung tragen“, sagt Katrin Weiskopf, Pflegedienstleiterin des Seniorenheims. „Es gibt einfach kaum noch Schutzkleidung. Wir müssen haushalten und gucken, wie wir sie eventuell wiederverwenden können.“

Aber was, wenn es dem städtischen Heim wie der Caritas ergeht? Auf einen möglichen positiven Corona-Test sei man vorbereitet, sagt Weiskopf: „Ich habe mir Gedanken gemacht, was wir machen, wenn wir einen Fall in unser Einrichtung haben sollten. Aber ich will sie selbstverständlich nicht umsetzen müssen. Wir versuchen, unsere Schutzblase aufrecht zu erhalten.“

Rund um Offenbach, Hanau und Darmstadt gibt es nur ein Thema: Corona. In Hanau wird das Tragen eines Mundschutzes verpflichtend. Alle Entwicklungen gibt es im News-Ticker. Auch bei Beerdigungen in Offenbach wirkt sich das Coronavirus aus. Wie gehen Trauernde damit um? 

Die Pandemie hat auch im Seniorenheim Aurelius-Hof in Mainhausen (Kreis Offenbach) mehrere Corona-Tote gefordert. Inzwischen schöpft man dort neue Hoffnung.

VON THERESA RICKE UND JOSHUA BÄR

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