Verstöße gegen Maskenpflicht

Corona in Offenbach: Am Hafen ist „die Hölle los“ – Konsequenzen am Wilhelmsplatz

Wirkt idyllisch, dokumentiert aber Verstöße: An der Hafentreppe wird die dort geltende Maskenpflicht nur partiell befolgt.
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Wirkt idyllisch, dokumentiert aber Verstöße: An der Hafentreppe wird die dort geltende Maskenpflicht nur partiell befolgt.

Die sommerlichen Temperaturen locken die Menschen in Offenbach nach draußen – trotz Corona. Gegen das gemeinschaftliche Tummeln will die Stadt nun vorgehen.

Offenbach ‒ Frühlingsgefühle und Freiheitsdrang kollidierten am Wochenende wohl gewaltig mit den weiterhin geltenden Corona-Beschränkungen. Der Verwaltungsstab hat über weitere Konsequenzen beraten, mit denen auf Disziplinlosigkeit reagiert werden soll. Die eklatantesten Verstöße trugen sich allerdings nicht im Freien, sondern hinter verschlossenen Türen zu: Bereits in der Nacht zum Samstag sprengte die Stadtpolizei eine illegale Shisha- und Getränkeparty in einer Nordend-Bar.

Im Hafengebiet war am Wochenende, wie es ein Passant formuliert, „die Hölle los“. Die seit Anfang November dort geltende Maskenpflicht besaß kaum bindende Wirkung. Vor den Eisdielen bildeten sich lange Schlangen. Der Spaziergänger vermisste polizeiliche Präsenz.

Die aber habe es durchaus gegeben, heißt es seitens der Stadt. Allerdings beschränkte sich das Einschreiten auf deutliche Lautsprecherdurchsagen. „Sie haben die Leute zum Teil sehr barsch angekackt“, formuliert es ein Hafen-Bewohner drastisch.

Stadtpolizei in Offenbach: Hunderte Menschen tummelten sich am Hafenplatz

Die Stadtpolizei berichtet von 500 bis 600 Personen, die sich am Sonntag auf und um den Hafenplatz tummelten. Auf dem Spielplatz waren keine Abstände einzuhalten, Eltern verzichteten durchweg auf Mund- und Nasenschutz. Die Hafentreppe wurde zur Schlemmermeile, versorgt von der umliegenden Gastronomie – deren Speisen eigentlich nicht in unmittelbarer Nähe verzehrt werden dürfen. Die Beamten des Ordnungsamts sahen keine Möglichkeit, anders als verbal einzuschreiten. Eine angeforderte Verstärkung durch die Landespolizei sei nicht zu erlagen gewesen.

Andrang, der die Einhaltung der Abstandsregeln zur Herausforderung machte, gab es dank besten Wetters am Samstag auch auf dem Wochenmarkt – auf dem Wilhelmsplatz ließ nach Einschätzung von Beobachtern zumindest die Masken-Disziplin meist weniger zu wünschen übrig.

Offenbach: Am Wilhelmsplatz darf womöglich bald nichts mehr gegessen werden

Dennoch gibt es Konsequenzen für den Wilhelmsplatz. Gestern tagte der städtische Verwaltungsstab auch zur Problematik des zunehmenden Drangs nach draußen. Wie Stadtsprecher Fabian El-Cheikh berichtete, ist eine Allgemeinverfügung in Vorbereitung: Sie soll ein komplettes Verzehrverbot am Wilhelmsplatz enthalten, auch in den Seitenstraßen.

Weitere Überlegungen betreffen eine Maskenpflicht für Grünanlagen und Spielplätze sowie eine Neuregelung der Raucherlaubnis im Freien. Laut El-Cheikh registrierte das Gesundheitsamt sehr viele Ansteckungen während gemeinschaftlicher Zigarettenpausen.

Absperrungen am Hafen und anderswo sind derzeit nicht vorgesehen. „Wir wollen ja, dass die Leute rausgehen“, sagt der Stadtsprecher. Man setze auf die Vernunft und Appelle, überfüllte Plätze zu meiden. Jedoch werde die Stadtpolizei, nach Möglichkeit mithilfe ihrer Landeskollegen, Schwerpunktkontrollen vorbereiten.

Wilde Corona-Party in Shisha-Bar: Mehrere Menschen feiern ausgelassen ‒ das hat Konsequenzen

Corona-Kontrollen der Stadtpolizei hatten bereits in der Nacht von Freitag auf Samstag (20.02.2021) Ergebnisse gezeitigt. So fiel eine Bar im Nordend auf. „Mehrere Personen konsumierten Shishas und Getränke“, berichtet die Stadt. Ein Verstoß gegen die Hessische Corona-Kontakt- und Betriebsbeschränkungsverordnung (CoKoBev): Diese beschränkt soziale Kontakte und den Betrieb von Einrichtungen und Angeboten.

Der Rest vom illegalen Fest: Die Stadtpolizei stoppte den Betrieb einer Shisha-Bar.

Mund-Nase-Bedeckungen wurden in dem Lokal nicht getragen – kein Wunder, Wasserpfeife raucht es sich ja schlecht mit Maske. Abstands- und Hygienemaßnahmen fehlten außerdem. Von außen war die Bar komplett verschlossen gewesen, alle Rollos waren heruntergelassen. Zugang verschafften sich die Beamten durch den Hintereingang, der zunächst verschlossen war. Erst nach Androhung, man werde die Tür aufbrechen, öffnete der Inhaber schließlich. Einige Gäste wollten über einen Seitenausgang flüchten, was misslang. Alle Personalien konnten festgestellt werden. Das Ordnungsamt versiegelte die Bar.

Corona-Party in Offenbach: Stadtpolizei ahndet alle Vergehen „ohne Verwarnungen“

Stadtpolizei-Chef Lothar Haack verrät die Konsequenzen: „Die Gäste erwartet ein Bußgeld in Höhe von je 200 Euro. Der Betreiber muss mit einem Bußgeld von 500 bis 5000 Euro rechnen.“

Ordnungsdezernent Peter Freier betont angesichts des Vorfalls, dass Verstöße mit Nachdruck verfolgt werden: „Wer in einem geschlossenen Betrieb zusammensitzt und feiert, darf nicht mit Verständnis rechnen.“ Ein solches Verhalten gefährde die Gesundheit der Menschen.

Die deutschlandweiten Corona-Auflagen seien für alle Betriebe, egal welcher Art, eine sehr harte Einschränkung, zeigt der Bürgermeister Verständnis für Klagen. Sie müssten auch, so schnell es die Lage erlaube, wieder gelockert werden. „Dieses Ziel erreichen wir aber nicht, wenn die Menschen jetzt nachlässig werden, deshalb ahndet die Stadtpolizei alle Vergehen konsequent – ohne Verwarnungen“, macht Peter Freier deutlich. (Thomas Kirstein)

In vielen Orten in der Region steigen derweil die Corona-Inzidenzen.

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