Coronavirus und Bürokratie

Impfzentrum weist Musiklehrer trotz Termin ab

Obwohl er eine Terminbestätigung hatte, ist Musiklehrer Elard Mey vom Impfzentrum weggeschickt worden.
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Obwohl er eine Terminbestätigung hatte, ist Musiklehrer Elard Mey vom Impfzentrum weggeschickt worden.

Weil Elard Mey Musiklehrer an der Offenbacher Newmusic-Academy ist, sollte er eigentlich am 8. April im Offenbacher Impfzentrum seine Spritze gegen das Coronavirus erhalten. Doch vor Ort wird er trotz gültigen Termins abgewiesen.

Offenbach – „Ich hab wirklich gedacht, dass die mich auf den Arm nehmen wollen“, sagt Elard Mey. Der Offenbacher arbeitet als Musiklehrer an verschiedenen Musikschulen. Auch an der Offenbacher Newmusic-Academy. Von deren Leiterin sei er Mitte März darauf aufmerksam gemacht worden, dass er als Musiklehrer die Möglichkeit habe, sich priorisiert gegen das Coronavirus impfen zu lassen.

Nach dem Studium der entsprechenden Impfverordnung steht für Mey fest: Er lässt sich impfen. Noch am selben Tag macht er bei der Impfhotline einen Termin. Er bekommt den 8. April zugeteilt. „Ich habe mich so gefreut und war erleichtert“, sagt Elard Mey. „Schließlich bin ich beim Unterrichten einem hohen Risiko ausgesetzt.“ Mey hakt die Sache erstmal gedanklich ab, bekommt am 31. März dann noch einmal eine Terminbestätigung geschickt. „Ich war total beruhigt und dachte noch, dass das ja alles ziemlich gut organisiert ist“, sagt Mey.

Offenbach: Keine Corona-Impfung trotz Termin - Priorisierung wurde kurzfristig geändert

Als er dann am 8. April um 18 Uhr seinen Termin beim Corona-Impfzentrum in der Offenbacher Stadthalle antreten will, bekommt er schon am Schalter erste Zweifel. „Ich sollte alle Unterlagen vorlegen und man wunderte sich, dass ich einige Dokumente nur digital vorzeigen konnte“, sagt Mey. Aber ich habe sie ja auch in digitaler Form geschickt bekommen. Die Mitarbeiterin vor Ort habe deshalb Rücksprache mit dem Leiter der Impfzentrums gehalten.

Dann platzt die Bombe. „Die haben mir erklärt, dass ich laut der aktuellen Verordnung gar nicht priorisiert geimpft werden dürfte“, sagt Mey. „Und zwar, weil die Verordnung kurzfristig nochmal geändert worden sei.“ Demnach fallen Musiklehrer wie Elard Mey nicht mehr in die vorgezogene Gruppe der Corona-Impfberechtigten. „Und dann haben sie mir gesagt, dass diese Änderung erst ab dem 8. April, also genau dem Tag gelten würde, an dem ich vom Land Hessen meinen Termin zugeteilt bekommen hatte.“

Musiklehrer Mey wird von Security aus dem Corona-Impfzentrum in Offenbach begleitet

Elard Mey fühlt sich vor den Kopf gestoßen, bleibt aber ruhig und freundlich. „Ich war eher verstört und hab das so hingenommen“, beschreibt er die Minuten, als seine Hoffnung auf die beruhigenden Impfung zerplatzte.

Er habe dann das Impfzentrum verlassen wollen. „Aber das durft ich nicht alleine. Die haben die Security gerufen, die mich dann aus dem Gebäude und bis an die Grundstücksgrenze eskoriert hat.“ Elard Mey kann die Situation kaum fassen. „Die haben mich behandelt wie einen, der da widerrechtlich eine Impfung erschleichen wollte.“ Selbst der Wachschutz habe sich bei ihm für den Vorgang entschuldigt.

Der Sprecher des Innenministeriums Michael Schaich nimmt indes die Entscheidung der Kollegen vor Ort in Schutz, Elard Mey wegzuschicken, sei nach Einschätzung des Ministeriums nicht zu beanstanden. „Nach der bundesweit geltenden Impfverordnung des Bundes liegt in diesem Fall aktuell keine Impfberechtigung aufgrund des Berufs vor.“ Private Musikschulen seien darüber hinaus noch nie bei der Impfung gegen das Coronavirus priorisiert worden.

Mey kann das nicht fassen. „Kollegen von mir sind am gleichen Tag im Impfzentrum in Gelnhausen geimpft worden“, sagt er. „Da war die Verordnung kein Problem.“

Keine Corona-Impfung für Musiklehrer aus Offenbach: Stadt kündigt Aufklärung an

Während für das Ministerium der Fall klar zu sein scheint, ist man sich bei der Stadt Offenbach und im Impfzentrum nun wohl selbst nicht mehr ganz sicher, richtig gehandelt zu haben. Stadtsprecher Fabian El Cheikh sagt dazu: „Es ist nicht zweifelsfrei geklärt, ob in diesem speziellen Fall der Lehrer einer nicht-staatlichen Musikschule in die Impfberechtigung fällt.“

Auch der Berater der Task-Force-Impfkoordination des Landes hier vor Ort habe das nicht bestätigen können. „Daher läuft eine Anfrage beim Land Hessen, wie in diesem Fall vorzugehen ist“, sagt El Cheikh. „Sofern das Land grünes Licht für die Impfung gibt, erhält Herr Mey selbstverständlich kurzfristig einen neuen Termin.“ (Christian Reinartz)

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