Corona in Offenbach

Offenbach im Notfallmodus

Auf Abstand: Der Krisenstab trifft sich täglich unter strengen Hygienevorgaben im Stadtverordnetensitzungssaal. Fotos: Sommer
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Auf Abstand: Der Krisenstab trifft sich täglich unter strengen Hygienevorgaben im Stadtverordnetensitzungssaal.

Offenbach in Corona-Krise: Der Verwaltungsstab im Rathaus regelt das tägliche Leben.

Offenbach – Der Zutritt ist beschränkt, gleich zwei Schilder an der Tür erinnern daran, vor dem Betreten die Hände gründlich zu desinfizieren: Im Stadtverordnetensitzungssaal im Rathaus hat seit Beginn der Corona-Krise der städtische Verwaltungsstab, der Krisenstab während der Corona-Pandemie, sein Domizil.

Tag für Tag treffen sich Oberbürgermeister, Bürgermeister und die Stadträte mit den Leitern von Gesundheits- und Ordnungsamt sowie dem Feuerwehrchef und weiteren Amtsleitern zusammen, um die Lage in der Stadt zu beurteilen. Links und rechts von allen Teilnehmern ist mindestens ein Platz frei, auf genügend Abstand wird während der gesamten Sitzung peinlich genau geachtet.

Behandelt wird so ziemlich alles, was mit dem Coronavirus zu tun hat. Ob mögliches Training der Profis vom OFC, die baldige Öffnung der Schulen oder wie mit geplanten Veranstaltungen umzugehen ist. Die Grundlagen stehen an einer Tafel geschrieben: Menschenleben retten sowie die medizinischen Kapazitäten der Krankenhäuser und die Handlungsfähigkeit der Stadt sicherzustellen.

Zu Beginn jeder Sitzung stellen Bernhard Bornhofen, Leiter des Gesundheitsamtes und Feuerwehrchef Uwe Sauer die aktuellen Zahlen der Corona-Infizierten und der medizinischen Kapazitäten vor. „Was die Anzahl der Erkrankungen anbelangt, liegt Hessen im Vergleich der Bundesländer im Mittelfeld“, sagt Bornhofen. 63 bestätigte Corona-Fälle gebe es in der Stadt, die Ansteckungsrate sei inzwischen gesunken. „Aber gerade deswegen müssen wir vorsichtig sein und uns wegen der bevorstehenden Lockerungen weiter anstrengen – es kann gut sein, dass es erneut losgeht und eine zweite Ansteckungswelle kommt“, sagt er.

Auch Sauer rät zur Vorsicht: Zwar stünden momentan knapp die Hälfte der Betten von Sana- und Ketteler-Krankenhaus zur Verfügung und auch die Zahl der Intensivbetten sei in Offenbach wie in Hessen gut, doch könne sich das jederzeit durch eine neue Ansteckungswelle ändern.

„Das kann ganz rasch exponentiell ansteigen: Es brauchen sich nur 25 Leute an der Hafentreppe zu treffen, bei denen einer die anderen ansteckt und schon breitet sich die Erkrankung aus“, sagt auch Oberbürgermeister Felix Schwenke in die Runde, die Teilnehmer nicken. Von einer Entwarnung ist die Situation trotz der von Bund und Land angekündigten Lockerungen der Einschränkungen im öffentlichen Leben weit entfernt.

Das macht sich auch sofort bei den zu bearbeitenden Anfragen und Aufträgen bemerkbar. Etwa bei der Frage nach Festen und Veranstaltungen. Für Monate sind größere Veranstaltungen undenkbar, zu groß die Gefahr der weiteren Ausbreitung von Covid-19. Da es bisher zwischen Hessischem Städtetag und der Landesregierung noch zu keiner Abstimmung über die erlaubte Personenanzahl bei Großveranstaltungen kam, wartet man in Offenbach auf eine Einigung. „Wir wollen keine Sonderwege gehen,“, betont Schwenke.

Sicher ist allerdings, dass Veranstaltungen mit mehr als 1 000 Teilnehmern bis Ende August abgesagt sind. Ebenso kleinere Feste, bei denen die Abstandsregeln nicht einzuhalten sind. Etwa „Kunst auf dem Wilhelmsplatz“. „Wir halten mit großer Anstrengung den Wochenmarkt offen und versuchen dort Engstellen zu verhindern“, sagt Bürgermeister Peter Freier, „eine weitere Veranstaltung dort ist nicht machbar.“

Bis Ende August werden sämtliche Veranstaltungen mit städtischer Beteiligung abgesagt. Leicht fällt den Beteiligten dies nicht. Dass das Mainuferfest für die Vereine eine wichtige Einnahmequelle ist, wissen alle im Verwaltungsstab. Auch die Absage der Offenbacher Woche samt des einzig verbliebenen verkaufsoffenen Sonntags schmerzt. Vereinen und Organisationen empfiehlt die Stadt, ihrem Beispiel zu folgen und Feste abzusagen.

Mit Wohlwollen wird dagegen die Selbstverpflichtung des OFC für Hygiene-Standards für ein mögliches Training aufgenommen. Das tägliche Leben, das zeigt die Beratung, wird noch lange Zeit von Hygiene-Fragen bestimmt sein.

So auch die Schulöffnung: Schuldezernent Paul-Gerhard Weiß erklärt, dass die Schüler im Schichtmodell unterrichtet werden müssen. Nur so ließen sich die Vorgaben, maximal 15 Schüler pro Klasse, umsetzen. Spezielle Reinigungspläne sollen erstellt werden, um durch penible Sauberkeit das Ansteckungsrisiko zu minimieren.

Den Schwächsten in der Krise beizustehen, gehört ebenfalls zu den Aufgaben des Verwaltungsstabs. „Die Plätze im Frauenhaus sind belegt, acht Frauen wurden von uns anderweitig untergebracht“, sagt Gesundheitsdezernentin Sabine Groß. Da entsprechende Kampagnen vom Land zu lange auf sich warten ließen, regen Groß und Schwenke an, dass die Stadt selbst eine Info-Aktion zu den Themen häusliche Gewalt und Kinderschutz starte.

Auch die  ab heute wieder genehmigte Öffnung der Eisdielen wird behandelt: Ordnungsdezernent Freier betont, dass laut Landesvorgaben zwar wieder an den Läden gekauft werden dürfe, ein Verzehr aber erst in 50 Metern Entfernung gestattet sei. „Aber immerhin, es gibt wieder Eis“, freut man sich im Gremium.

VON FRANK SOMMER

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