Familie um Spenden

„Keine Einnahmen“ wegen Corona: Zirkus bangt um Existenz

Hoffen, dass es auch für ihre Tiere endlich weitergeht: Zirkuschef Marco Frank und Enkel Schwansie mit den Kamelen Ivan und Aladdin. Foto: Sommer
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Hoffen, dass es auch für ihre Tiere endlich weitergeht: Zirkuschef Marco Frank und Enkel Schwansie mit den Kamelen Ivan und Aladdin.

Dass der Circus Barus in Offenbach in diesem Jahr vom Pech verfolgt sei, möchte Zirkuschef Marco Frank trotz Corona-Krise so nicht sagen.

  • Aufgrund der Coronavirus*-Pandemie bangen viele Menschen um ihre Existenz
  • Der Zirkus „Circus Barus“ musste in Offenbach alle Veranstaltungen absagen
  • Um überleben zu können, bittet die Betreiberfamilie um Spenden

Offenbach – „Meine Familie ist gesund, unsere Tiere sind gesund. Das ist erst einmal die Hauptsache“, sagt er und fügt dann hinzu: „Auf die ganze Aufregung zuletzt hätte ich allerdings gut verzichten können.“

Corona in Offenbach: Zirkus muss alle Veranstaltungen in der Stadt absagen

Was ist geschehen? Wie berichtet, musste der Zirkus schon wenige Tage nach seinem Saison-Auftakt in Offenbach alle Vorstellungen wegen der Corona-Pandemie absagen. Da das Winterquartier von anderen Zirkussen der Artistenfamilie belegt ist, blieben die Franks vorerst mit ihren rund 40 Tieren auf dem ehemaligen Clariant-Parkplatz an der Offenbacher Straße. Eine Anfrage bei der Stadt um ein Gespräch bescherte ihnen im März einen Räumungsbescheid. Nach Berichten in der Offenbach-Post und anderen Medien wurde der jedoch zurückgezogen, der Zirkus durfte bleiben.

Nun aber erneutes Ungemach: Der sogenannte Haken-Abroller-Lkw, mit dem die Futter- und Heuvorräte transportiert werden, ist defekt, der TÜV erloschen. Eine Reparatur ist laut Auskunft von Hersteller MAN nicht rentabel. Für Familie Frank ein Tiefschlag. „Unter normalen Umständen wäre das zwar unschön, aber wir könnten die Neuanschaffung stemmen“, sagt der Zirkusleiter. „Aber jetzt, da wir keine Einnahmen haben, nur von Spenden leben, ist eine solche Investition unmöglich.“

Offenbach: Zirkus-Veranstaltungen trotz Corona-Lockerungen nicht planbar

Zumal der Zirkus erst im vergangenen Jahr eine größere Investition getätigt hat und diese noch immer abbezahlt: Ein wichtiges Standbein des Unternehmens ist der „Weihnachtscircus“, der alljährlich in Hanau-Steinheim gastiert. „Dieses Jahr feiern wir zehnjähriges Jubiläum und haben dafür extra ein neues Zelt angeschafft“, sagt Frank.

Auch Vorstellungen sind momentan noch nicht planbar: Unter den aktuellen Abstandsregeln dürften gerade einmal 40 Personen in das für 250 Personen ausgelegte Zelt. „Da sind die Unkosten höher als die Einnahmen.“

Daher ist die Zirkusfamilie weiterhin auf Spenden angewiesen, besonders im Hinblick auf den defekten Lkw. „Wir sind unendlich dankbar, dass bisher so viele Menschen uns Futter oder Geld für unsere Tiere gespendet haben“, sagt Bianca Frank. K&K Getränke liefert etwa kostenlos Erfrischungen, die Firma Eismann versorgt sie mit Tiefkühl-Lebensmitteln. Regelmäßig schauen Anwohner vorbei und helfen bei der Pflege der Tiere. Oder sie zeigen ihren Kindern Ponys, Kamele und Lamas. Und die genießen sichtlich die Bewunderung der Besucher.

Corona in Offenbach: Zirkus bangt um Existenz – Hoffentlich heißt es bald wieder „Manege frei!“

Andere, wie der Fechenheimer Jens Dirk Drinks, packen mit an: Der gelernte Elektriker hat momentan Kurzarbeit und hilft in den freien Stunden seines Tages im Zirkus aus. „Beleuchtung, Steckdosen – es gibt doch immer was zu tun und ich helfe gern“, sagt er. Aktuell überarbeitet er die Popcorn-Maschine. „Ich hoffe, dass die bald wieder vor den Vorstellungen zum Einsatz kommen kann.“

Für Helfer wie Spender ist Marco Frank dankbar. Dass er nun erneut die Bevölkerung um Hilfe bitten müssen, fällt ihm nicht leicht. „Wir wollen uns nicht bereichern, wir wollen wieder arbeiten und Vorstellungen geben“, betont er. Im Zelt ist ein kleiner Fitness-Bereich eingerichtet, denn die Artisten der Familie müssen täglich trainieren, um in Form zu bleiben. Damit es möglichst bald wieder heißt: Manege frei!

Zirkusfamilie bittet wegen Corona-Krise in Offenbach um Spenden

Wer einen gebrauchten Lkw zum moderaten Preis vermitteln kann, meldet sich unter 0177/3907355. Geldspenden werden unter IBAN DE27 8709 5974 0050 0756 05 (Volksbank Glauchau) entgegengenommen.

VON FRANK SOMMER

Dank Corona-Lockerungen dürfen ab 29. Juni wieder alle im Waldschwimmbad auf der Rosenhöhe in Offenbach baden. Viel Spaß verspricht das jedoch nicht.

Die Zahl der Neuinfektionen steigt weiter nur langsam. Trotzdem ist das Coronavirus noch in der Region aktiv. Alle Entwicklungen zur Corona-Krise in und um Offenbach gibt es im News-Ticker.

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