Umstrittene Veranstaltung

Trotz hoher Corona-Zahlen genehmigt Offenbach Trödelmarkt

Seit einigen Tagen weisen Schilder rund um das Ring-Center auf den umstrittenen Flohmarkt hin.
+
Seit einigen Tagen weisen Schilder rund um das Ring-Center auf den umstrittenen Flohmarkt hin.

Der Flohmarkt in Offenbach hat eine lange Corona-Pause hinter sich. Die Wiedereröffnung bringt auch Kritik mit sich.

Offenbach – Der Flohmarkt auf dem Parkplatz des Einkaufszentrums Ring-Center gehört zu den umstrittensten Veranstaltungen in der Stadt: Anwohner beschweren sich regelmäßig über das Verkehrs- und Parkchaos, das der Markt mit sich bringt. Immer wieder haben Bürger, Initiativen und Parteien die Veranstaltung kritisiert, da die teils aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet angereisten Besucher wenig Rücksicht zeigen: Einfahrten wurden zugeparkt, in manchen Straßen gab es in der Vergangenheit kein Durchkommen mehr.

Nach corona-bedingter Pause soll diesen Sonntag wieder ein Flohmarkt abgehalten werden, der ausrichtende Kelkheimer Veranstaltungsservice Weiß hat entsprechende Schilder aufgestellt. Anwohner meldeten sich daraufhin bei unserer Zeitung und äußerten ihr Unverständnis darüber, dass die Stadt in Zeiten mit hohen Corona-Fallzahlen den Markt mit dem großen Besucheraufkommen genehmigt.

Offenbach: Corona-Warnstufe rot überschritten

Nun hat Offenbach am Mittwoch zum zweiten Mal die rote Warnstufe des Corona-Warnsystems von Land und Kommunen überschritten, die 7-Tage-Inzidenz liegt bei 56 Fällen pro 100 000 Einwohner. Die Stadt mahnt, unnötige Kontakte zu meiden, bei Veranstaltungen sind nur noch maximal 100 Personen gestattet. Doch auf den Flohmarkt hat dies alles keinen Einfluss: Für den Markt gilt weiterhin, dass bis zu 2 000 Besucher gleichzeitig auf der Fläche zusammenkommen dürfen.

Velimir Filipovic, Leiter des Centermanagements von ILG, der Eigentümergesellschaft des Ringcenters, erklärt, dass der Markt von der Stadt genehmigt wurde, da der Betreiber ein Hygienekonzept vorgelegt habe.

Während des Aufenthalts auf dem Gelände müssen alle Besucher einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Laut Veranstalter werden sie außerdem gebeten, das Ring-Center-Areal über den offiziellen Eingang an der Senefelderstraße zu betreten, dort werden Zählungen vorgenommen. Registrieren müssen sich die Besucher nicht. Sollte es am Eingang zu Warteschlangen kommen, bittet der Veranstalter, den 1,50-Meter Mindestabstand einzuhalten.

Massive Corona-Maßnahmen in Offenbach: Kopfschütteln bei den Anwohnern

Bei Anwohnern sorgen Genehmigung und Konzept für Kopfschütteln. So schreiben SPD-Fraktionsvorsitzender Martin Wilhelm und Anwohnerin Ursula Thiele, dass sie über „die Prioritätensetzung des Ordnungsdezernenten verärgert“ seien: Während Vereine oder Gaststätten mit massiven Einschränkungen zurecht kommen müssten, sei es „ein schlechtes Signal“, so viele Besucher zuzulassen. Dass die am Limit arbeitende Ordnungspolizei wegen „eines für Offenbach prioritär unwichtigen Flohmarktes“ weiter belastet werde, sei nicht hinnehmbar.

Auf Nachfrage heißt es bei der Stadt, dass der Trödelmarkt nach Paragraph 3 der hessischen Corona-Kontakt- und Betriebsbeschränkungsverordnung (CoKoBev) als Verkaufsstelle einzustufen sei und deshalb grundsätzlich öffnen dürfe. Das vom Veranstaltungsservice Weiß vorgelegte Hygienekonzept sei vom Gesundheitsamt genehmigt worden. Da der Parkplatz über eine große Fläche verfüge, haben die in der CoKoBev festgelegten Abstände von drei Quadratmetern pro Person zu der erlaubten Besucherzahl geführt. Außerdem ist zwar der Erwerb von Speisen und Getränke gestattet, deren Verzehr aber nur auf ausgewiesenen Flächen erlaubt.

Die Stadt kündigte gegenüber unserer Zeitung an, sowohl die Parksituation rund um den Markt als auch „die Einhaltung des selbstauferlegten Hygienekonzeptes durch den Veranstalter“ kontrollieren zu wollen. (Von Frank Sommer)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare