Verständnis ist vorhanden

Wie Angehörige mit Beschränkungen bei Beerdigungen wegen des Coronavirus umgehen

Trauerfeiern in der Corona-Krise laufen anders ab als sonst.
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Trauerfeiern in der Corona-Krise laufen anders ab als sonst.

Auch bei Beerdigungen wirkt sich das Coronavirus aus. Wie gehen Trauernde damit um?

  • Beerdigungen sind aufgrund der Corona-Krise noch schwieriger als sonst
  • Für Trauernde bedeuten Beerdigungen in der Krise größere Herausforderungen
  • Auch bei Beerdigungen gelten die gesetzlichen Corona-Bestimmungen

Offenbach – In Zeiten der Corona-Pandemie gelten die Kontaktbeschränkungen auch bei Bestattungen. Das nimmt vielen Angehörigen die Möglichkeit, sich von einem geliebten Menschen zu verabschieden.

Für Familien sei das eine schwierige Situation, gerade, wenn sie aus mehr als fünf Mitgliedern – der erlaubten Teilnehmerzahl an Trauerfeuern – bestehe, erzählt Adrian Koriath von der Pietät am Odenwaldring. So sieht es auch Janusz Piotrowski, Pfarrer der Kirchengemeinde St. Peter: „Den Leuten macht es unheimlich zu schaffen, viele haben ein schlechtes Gewissen, weil sie denken, dass sie etwas falsch machen.“

Beerdigung in Zeiten des Coronavirus: Gespräche am Telefon

Doch nicht nur Angehörige haben mit den neuen Verordnungen zu kämpfen, auch die Mitarbeiter der Friedhöfe müssen der Situation Rechnung tragen. „Es ist auch für uns eine ganz schwere Entscheidung gewesen, aber wir machen das zum Schutz“, sagt Gabriele Schreiber, Chefin der städtischen Friedhöfe. Daher verlasse das Personal nach der Beisetzung sofort die Grabstätte, um die Anzahl der zulässigen Personen nicht zu überschreiten.

Für Trauerbegleiter Ulrich Roth hat sich der Umgang mit Hinterbliebenen ebenfalls verändert. Da die sonst üblichen persönlichen Gespräche entfallen, ist inzwischen das Telefon die bevorzugte Verbindung zwischen ihm und den Familien geworden. „Ich hätte nie gedacht, dass ich mal ein Trauergespräch am Telefon führe“, sagt Roth.

Beerdigung sollte nicht verschoben werden

Trotz der Beschränkungen gebe es keine Proteste oder Diskussionen, wie Janusz Piotrowski, Gabriele Schreiber und Ulrich Roth bestätigen. „Alle haben Verständnis für die Maßnahmen“, so Roth. Piotrowski sieht den Grund dafür darin, dass die Menschen in dieser Situation schlicht zu wenig Kraft haben, um sich zu beschweren. Dem Pfarrer ist es daher wichtig, dass die Menschen „zunächst die Realität akzeptieren und verstehen, dass man Verantwortung für einander hat.“

Manches Familienmitglied erwägt dennoch, die Trauerfeier zu verschieben, um sie später in einem würdigen Rahmen nachzuholen. Ratsam sei dies nicht, findet Trauerredner Roth, denn der Abschied gehöre dazu, „um in seiner Trauer weiterzukommen.“ Auch Adrian Koriath ist der Meinung, dass die Beisetzung so schnell wie möglich erfolgen sollte.

Beerdigung in kleinen Gruppen

Um den Hinterbliebenen trotz der Kontaktbeschränkungen die Gelegenheit zu geben, sich von den Verstorbenen zu verabschieden, ist die vor Corona von vielen als pietätlos empfundene Aufnahme von Fotos oder Videos der Beisetzung ein Mittel, die Daheimgebliebenen, wenn auch zeitversetzt, an der Beerdigung teilhaben zu lassen.

Für alle, die das nicht möchten, hat Janusz Piotrowski ein Modell erarbeitet, bei dem jeweils vier Personen an das Grab treten und die letzte Ehre erweisen. Sobald dies geschehen ist, entfernen sich die Trauernden und die nächsten vier Angehörigen treten an die Ruhestätte. Piotrowski verweilt die gesamte Dauer über am Grab. So ist es nicht nur dem engsten Familienkreis vorbehalten, sich zu verabschieden.

Begleitung nach der Beerdigung gemäß behördlichen Vorgaben

Die Ökumenische Hospizbewegung am Platz der deutschen Einheit bietet auch weiterhin ihre Hilfe an. Da die Gruppengespräche entfallen, können sich alle Trauernden persönlich, telefonisch oder per Email an die Mitarbeiter der Einrichtung wenden, auf Wunsch biete sie, unter Berücksichtigung der behördlichen Vorgaben, auch einen gemeinsamen Spaziergang in der Natur an, so Andreas Schmidt, Koordinator der Hospizbewegung.

„Bisher haben nur Menschen unsere Angebote genutzt, die bereits vor den Corona-Veränderungen bei uns waren“, sagt er, betont zugleich aber, dass das Angebot für alle gelte, die in diesen Zeiten Trost oder eine Trauerbegleitung benötigen.

VON JOSHUA BÄR

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