Offenbach

Ambulante Pflegedienste: „Wir arbeiten am Limit“

Kaum noch Kapazitäten für neue Patienten: Franziska Barthel, Eva Skoli und Jochem_Kalmbacher (von links) vom ambulanten Pflegedienst Hand in Hand.
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Kaum noch Kapazitäten für neue Patienten: Franziska Barthel, Eva Skoli und Jochem_Kalmbacher (von links) vom ambulanten Pflegedienst Hand in Hand.

Durch die Corona-Pandemie stoßen auch ambulante Pflegedienste in Offenbach an ihre Grenzen. Bereits vor Corona herrschte Personalmangel; der hat sich mit der Verbreitung von Covid-19 weiter verschärft. Auch dringend benötigte Schutzkleidung ist Mangelware. 

Offenbach – Die Auswirkungen der Corona-Pandemie machen sich auch in der ambulanten Pflege bemerkbar. Wie Jochem Kalmbacher, Leiter der Firma Hand in Hand in Bürgel, berichtet, ist es wegen des anhaltenden Personalmangels einigen Einrichtungen nicht mehr möglich, neue Patienten aufzunehmen. „Wir arbeiten alle am Limit“, sagt er.

Ziynet Ergün, Mitarbeiterin des türkischen Pflegedienstes Dosteli an der Waldstraße, ergeht es ähnlich. Seine Kunden versorgt das Unternehmen, das sich auf kulturspezifische Pflege spezialisiert hat, genauso wie vor der Pandemie. So wird für die Patienten weiterhin landestypisch gekocht und auch die Gebetswaschung vorgenommen. „Da hat sich bei uns nichts verändert“, betont sie. Bei der Arbeitszeit aber schon. Da sich einige ihrer Mitarbeiterinnen krank gemeldet haben, müssen Ergün und ihre verbleibenden Kolleginnen ihre Touren verlängern. „Jede hat jetzt fünf Patienten zusätzlich“, berichtet Ergün. Pro Fall seien das ungefähr 15 Minuten mehr.

Pflegedienste in Offenbach könnten zusammenarbeiten

Wäre es angesichts der Probleme nicht sinnvoll, wenn die ambulanten Pflegedienste zusammenarbeiten würden? Jochem Kalmbacher findet schon. Deshalb hat der Pflegedienstleiter einen Drei-Stufen-Plan erarbeitet, der eine Koordination ermöglichen könnte. So müssten zunächst alle Pflegedienste die nötigen Infos über die medizinische Vorgeschichte des jeweiligen Patienten erhalten, um die Grundversorgung gewährleisten und entscheiden zu können, was im Notfall notwendig sei. Zudem müsse die Versorgung von chronisch Kranken und alten Menschen gewährleistet sein. In einem zweiten Schritt soll das Augenmerk auf Patienten gelegt werden, die eine Ganztagsversorgung brauchen. Schließlich sei es überlegenswert, die hauswirtschaftliche Versorgung, wie Staubsaugen oder Putzen, zu reduzieren. Kalmbacher: „Nur die Versorgung mit Lebensmitteln sowie das Entsorgen des Hausmülls ist zu gewährleisten.“ Dadurch könne Zeit eingespart werden. „Statt einer vollen Stunde bleibt der Pfleger dann eben nur eine Viertelstunde“, sagt Kalmbacher.

Für einen reibungslosen Ablauf empfiehlt er den Einrichtungen, sich in den jeweiligen Stadtteilen untereinander zu koordinieren.

Bei allen Maßnahmen dürfe der Schutz der Mitarbeiter nicht vergessen werden. Daher fordert Jochem Kalmbacher, dass bei jedem Patienten-Besuch Schutzmasken und -kleidung, sowie Handschuhe getragen werden und genug Desinfektionsmittel vorhanden ist.

Offenbach: Pflegedienste erleben Engpässe bei Schutzkleidung und Desinfektion

Während Ziynet Ergün von Pflegedienst Dosteli versichert, noch über ausreichend Schutzkleidung und Desinfektionsmittel zu verfügen, klagt Kalmbacher über Engpässe: „Wir müssen Masken über das Internet bestellen, da kosten sie aber zwölf Euro.“ Es sei zwar möglich, diese auch in der Apotheke zu bekommen, dort seien sie mit zehn Euro pro Stück aber nicht wesentlich günstiger.

Daher wünscht er sich, dass die Produktion der wichtigsten Schutzmaterialien wieder nach Deutschland verlagert wird. Zudem sieht er den ambulanten Pflegedienst in der politischen Wahrnehmung nicht ausreichend gewürdigt.

Dennoch hat Kalmbacher auch Erfreuliches zu berichten. So lobt er die Zusammenarbeit mit dem Offenbacher Gesundheitsamt. „Die Mitarbeiter geben ihr Bestes und beraten uns toll.“ Richtig glücklich ist er darüber, wie sich seine Patienten und deren Familienmitglieder für die Arbeit der Pfleger erkenntlich zeigen. So hätten einige Angehörige angeboten, sich auch um fremde Pflegebedürftige zu kümmern. „Manche haben uns schon Essen gebracht oder uns versichert, dass sie immer ein offenes Ohr für unsere Sorgen und Nöte hätten“, erzählt Jochem Kalmbacher.

Von Joshua Bär

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